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Paraschat Bereschit – Am Anfang

Den vollen Text der Parascha mitsamt Kommentaren findet Ihr künftig in unserem Buch Erzähl es deinen Kindern. Die Torah in fünf Bänden. Band 1 Bereschit / Am Anfang, Ariella-Verlag, Berlin, ISBN 978-3-9813825-9-4, 28,80 €, gebunden 128 S. mit 12 Illustrationen. Hier bieten wir einen Ausschnitt mit Fragen zur Parascha und einen Link zum Raschi-Kommentar.

Einleitung

Bevor die Torah vom Volk Jisrael und von den vielen Gesetzen
für das Volk Jisrael erzählt, beginnt sie am äußersten Anfang:
beim Ursprung der Welt. Das hat zunächst mit Jisrael nichts
zu tun, denn dass die Welt erschaffen worden ist, betrifft alle
Menschen, egal welcher Religion oder welchem Volk sie angehören.
Und doch ist es wichtig, dass die Torah, das Gesetzbuch
der Juden, an diesem Anfang einsetzt. Denn es ist G’tt, so erzählt
die Torah, der den Jisraeliten die Gesetze gegeben hat,
derselbe G’tt, der mit seiner Macht die ganze Welt erschaffen
hat. Auf diese Weise wird der Torah eine ganz besondere Rolle
für das Volk Jisrael zugewiesen. Manche Rabbinen meinen
dazu sogar, die Welt sei überhaupt nur deshalb erschaffen
worden, damit dem Volk Jisrael die Torah gegeben werden und
damit es die Gesetze einhalten konnte und kann.
Und weil die Geschichte der Menschheit nicht nur eine glückliche
und zufriedene ist, sondern auch ihre Schattenseiten hat
(wie die Geschichten von Gan Eden und von Kain und Hevel
zeigen), bedarf es umso mehr eines Volkes, das diese Torah
einzuhalten bereit und bemüht ist.

Die Torah selbst geht behutsam, Schritt für Schritt vor: Zunächst
erzählt sie von der Urgeschichte und zeichnet ein Bild
der Menschheit im Allgemeinen, dann erzählt sie von den
Stammeltern, von denen das Volk Jisrael abstammt, dem später
die Torah am Berg Sinai übergeben wird.
Die Torah will kein naturwissenschaftlicher Bericht sein und
nicht davon erzählen, wie die Welt im Einzelnen entstanden ist.
Ihr geht es allein darum, die Gesetzgebung am Berg Sinai in
ein Verhältnis zur Welt insgesamt zu bringen. Deshalb sagt
auch Raschi: Um der Torah willen wird die Welt erschaffen,
und er stellt weiter fest, dass die Torah die Erschaffung der
Welt nur in Bezug auf Jisrael erzählt. Auch Raschi interessiert
sich nicht für die Details der Erschaffung der Welt. Er bezieht
daher einzelne Aussagen immer wieder auf das Leben der
Jisraeliten. So sind zum Beispiel die Gestirne mit Blick auf die
späteren Festtage der Jisraeliten geschaffen worden.

Wie die Welt erschaffen wurde

1,1

Ganz zu Anfang, als G’tt Himmel und Erde erschuf, war die
Erde ganz leer, und überall herrschte Dunkelheit. Nur der
Geist G’ttes schwebte über dem Wasser.
Da sagte G’tt: »Es soll Licht sein.« Und dann war da ein
Licht. Und G’tt sah, dass das Licht gut war. Und das Licht
nannte er »Tag«, die Dunkelheit aber nannte er »Nacht«. Es
wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.
Dann sagte G’tt: »Es soll eine riesige Wölbung mitten durch
das Wasser gehen und zwischen oberem und unterem Wasser
trennen.« Und so geschah es auch. Und G’tt nannte die Wölbung
»Himmel«. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein
zweiter Tag.
Dann sagte G’tt: »Nun soll alles Wasser auf der Erde zusammenfließen,
damit Trockenes entstehen kann.« Und so
geschah es. Und G’tt gab dem Trockenen den Namen »Land«,
und das gesammelte Wasser nannte er »Meer«. Und G’tt sah,
dass es gut war.
Dann sagte G’tt: »Auf der Erde sollen Pf lanzen wachsen.«
Und so geschah es. Und G’tt sah, dass es gut war. Es wurde
Abend, es wurde Morgen: ein dritter Tag.
G’tt sagte: »Am Himmel sollen Sterne leuchten, damit der
Tag von der Nacht unterschieden werden kann. Und so geschah
es: Die Sonne strahlte am Tag, der Mond und die Sterne leuchteten
in der Nacht. Und G’tt sah, dass es gut war. Es wurde
Abend, und es wurde Morgen: ein vierter Tag.
Dann sagte G’tt: »Im Wasser sollen Tiere wimmeln, und
über der Erde sollen Vögel durch die Luft f liegen.« So schuf
G’tt die Fische und die Vögel. Und G’tt sah, dass es gut war. Er
segnete sie alle und sagte: »Seid fruchtbar und vermehrt euch.
Die Fische sollen sich in den Meeren und die Vögel über der
Erde ausbreiten.« Es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein
fünfter Tag.
Dann sagte G’tt: »Auch auf der Erde sollen Tiere leben.«
Und so geschah es: G’tt machte die Tiere, die auf der Erde
lebten, und er sah, dass alles gut war.
Dann sagte G’tt: »Nun wollen wir noch die Menschen machen,
damit sie uns ähnlich sind und über alle Tiere und über
die ganze Erde regieren.« Und G’tt schuf den Menschen nach
seinem Bild. Als Mann und Frau schuf er sie. Und G’tt segnete
sie und sagte zu ihnen: »Seid auch ihr fruchtbar und vermehrt
euch, verteilt euch über die ganze Erde und regiert über die
Tiere.« Weiter sagte er: »Zum Essen gebe ich euch alle Früchte
der Erde, so wie ich auch allen Tieren die Früchte zur Nahrung
gebe.« Und so geschah es. Und G’tt sah alles, was er gemacht
hatte, und er sah, dass es sehr gut war. Es wurde Abend, und es
wurde Morgen: der sechste Tag.
So wurden der Himmel und die Erde und alles vollendet.
Und G’tt vollendete am siebten Tag sein Werk. Und er ruhte
am siebten Tag von seinem Werk aus. Da segnete G’tt den siebten
Tag und heiligte ihn, denn an diesem Tag ruhte er von all
seinem Werk aus, das er erschaffen hat.

Die ersten Menschen

2,2

Himmel und Erde waren also erschaffen: Aber noch waren
nicht alle Pf lanzen gewachsen, da G’tt, der Ewige, es noch
nicht auf die Erde hatte regnen lassen. Auch gab es noch keinen
Menschen, der die Erde hätte bearbeiten können.
Da geschah es, dass Feuchtigkeit aus dem Erdboden hervorkam
und die Erde nass machte. G’tt, der Ewige, nahm vom
Staub der Erde und formte daraus den Menschen. Dann blies
er den Lebensgeist in die Nase des Menschen, sodass er zu
einem lebendigen Wesen wurde.
Dann pf lanzte G’tt, der Ewige, einen Garten in Eden und
setzte den Menschen da hinein. G’tt, der Ewige, ließ allerlei
Bäume in diesem Garten wachsen, auch den Baum vom Leben
und den Baum von Gut und Böse.
Und aus dem Gan Eden kam ein großer Fluss, der den Garten
bewässern sollte. Aus diesem Fluss entstanden vier Flüsse, die
durch die verschiedenen Länder f lossen. Sie hießen Pischon,
Gichon, Chidekel und Prat.
Aber G’tt, der Ewige, sagte dem Menschen: »Von allen Bäumen
in diesem Garten darfst du essen, aber nicht von dem
Baum von Gut und Böse. Denn sobald du davon auch nur eine
Frucht nimmst, wirst du sterben.«
Dann sagte G’tt: »Ich will dem Menschen eine Hilfe machen,
die zu ihm passt, denn es ist nicht gut, dass der Mensch so alleine
ist.« So bildete G’tt, der Ewige, alle Tiere und brachte sie
vor den Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Da
gab der Mensch allen Tieren ihre Namen. Aber eine Hilfe, die
zu ihm passte, fehlte ihm noch immer. Da ließ G’tt, der Ewige,
den Menschen in einen Betäubungsschlaf fallen und nahm etwas
aus der Seite des Menschen, verschloss die Stelle wieder,
baute daraus eine Frau und brachte die Frau zum Menschen.
Da sagte der Mensch: »Diesmal habe ich endlich eine Hilfe
erhalten, denn das Wesen, das ich ›Frau‹ nennen möchte, ist
mir ganz ähnlich, und wir gehören zusammen.« Darin liegt
auch der Grund, weshalb der Mann seine Eltern verlässt, um
mit seiner Frau zusammen zu sein und mit ihr Kinder zu haben.
Und die beiden waren nackt, der Mensch und seine Frau.
Aber sie schämten sich noch nicht voreinander.

(…)

Wie die Welt schlechter wurde

6,5

Von da an waren die Menschen nicht immer gut zueinander.
Sie stritten sich, sie belogen sich, betrogen und machten Dinge,
die G’tt, dem Ewigen, sehr missfielen. Da bereute der Ewige
sehr, dass er die Welt erschaffen hatte, und er war sehr betrübt.
Da sagte der Ewige: »Ich will den Menschen, den ich erschaffen
habe, wieder wegschaffen. Und nicht nur den Menschen,
sondern alles, was ich erschaffen habe. Denn ich bereue sehr,
dass ich sie erschaffen habe.« Allein Noach fand Gefallen in
den Augen des Ewigen.

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen zur Parascha

In wie vielen Tagen wurde die Welt erschaffen? An welchen Tagen wurden mehrere Dinge auf einmal geschaffen?

Wodurch wurde die Erschaffung der Welt vollendet?

Wer gab den Tieren ihre Namen?

Welche Bäume standen in der Mitte des Gan Eden?

Antwortete die Frau der Schlange eigentlich korrekt, als diese danach gefragt hat, was G“tt verboten hätte?

Woher wusste G“tt, dass Adam vom Baum gegessen hat?

Von welchem Baum sollten die beiden Menschen auf keinen Fall essen? Was hat G“tt deshalb getan?

Welche Kinder von Adam und Chava kennen wir mit Namen?

Welches Opfer hat Hevel, welches Kain G“tt gebracht?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Das Schabbatgebot wird später in der Tora mehrmals ausgesprochen. Es gibt sogar eine Stelle, an der das Gebot des Schabbat mit der Erschaffung der Welt verbunden wird. Welche Stelle ist das?

Als Adam und Chava verboten wurde, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, da droht der Ewige ihnen an, dass sie sterben müssen, wenn sie davon essen würden. Welches sind aber die Strafen, die der Ewige verhängt? Und kannst du dir denken, warum die Strafen andere als die sind, die der Ewige angedroht hatte?

Als Kain sah, dass der Ewige nicht auf das Geschenk, das er ihm gebracht hatte, achtete, da wurde er traurig und wütend. Kannst du dir vorstellen, was die Antwort meint, die der Ewige dem Kain gibt?

Was bedeutet das ‚Kainsmal‘ (das Zeichen des Kain auf der Stirn)?

Text mit Raschi