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Paraschat Lech Lecha

Den vollen Text der Parascha mitsamt Kommentaren findet Ihr künftig in unserem Buch Erzähl es deinen Kindern. Die Torah in fünf Bänden. Band 1 Bereschit / Am Anfang, Ariella-Verlag, Berlin, ISBN 978-3-9813825-9-4, 28,80 €, gebunden 128 S. mit 12 Illustrationen. Hier bieten wir einen Ausschnitt mit Fragen zur Parascha.

Einleitung

Mit dieser Parascha beginnen die Erzählungen von den
Stammeltern und damit die der unmittelbaren Vorgeschichte
des Volkes Jisrael. Wie sehr diese Erzählungen bereits auf das
Volk Jisrael ausgerichtet sind, lassen die wiederholten Versprechen
G’ttes erkennen, aus einem einzelnen Elternpaar
(Sarah und Avraham) ein ganzes Volk werden zu lassen, dem
ein ganzes Land zugesprochen wird. Beide Versprechen sind
deutliche Verweise auf die Zukunft, aber der Nachwuchs will
sich nicht gleich und vor allem nicht zahlreich einstellen.
Wodurch, zumindest aus der Sicht von Sarah und Avraham,
das Versprechen für spätere Generationen nicht einlösbar ist.
Beide bekommen gerade mal einen Sohn. Aber auch das zweite
Versprechen lässt sich nicht so leicht verwirklichen. Schon eine
schnelle Übersicht über den Text zeigt, dass die ersten Stammeltern
permanent unterwegs waren und sich eben nicht im
versprochenen Land niederlassen konnten.
Aber genau diesen Spannungsbogen will die Torah wiedergeben.
Ein Versprechen (die Torah spricht von »Bund«) wird
nicht einfach und unmittelbar eingelöst, sondern dynamisiert
die gesamte Geschichte eines Volkes. Deshalb erzählt die
Torah im Zusammenhang mit den Stammeltern nicht etwa von
zufälligen Geschehnissen, die vor langer Zeit irgendwelchen
Menschen widerfahren sind, sondern vom langen Weg hin zu
einem ganzen Volk und zu einem eigenen Land.
Das ist der Unterschied zwischen »Historie« und »Geschichte
«. Der historischen Rückfrage geht es um die Einzeldaten
der handelnden Personen, die Geschichte deutet
dagegen das Dagewesene als ein Hinlaufen auf einen wichtigen
Punkt, von dem aus sich die Jetztzeit in ihrem Selbstverständnis
verstehen möchte. Deshalb ist es auch unerheblich,
immerzu die Frage beantworten zu wollen, ob sich denn alles
so zugetragen hat, wie es hier beschrieben wird. Vielmehr ist
entscheidend, den erzählten Spannungsbogen als das lange
Werden eines Volkes begreifen zu lernen.

Avram bricht nach Knaan auf

12,1
Eines Tages sagte der Ewige zu Avram: »Geh weg von hier, wo
deine Familie wohnt, und geh in ein fernes Land. Ich werde dir
zeigen, wo du hingehen sollst. Denn ich möchte dich segnen
und deinen Namen überall bekannt machen. Und alle, die es
mit dir gut meinen, sollen durch dich ebenfalls gesegnet sein,
nicht aber die, die dir nur Übles wollen. So soll es allen Menschen
um deinetwillen gut gehen.«
Da brach Avram mit seiner Frau Sarai von Charan auf und
zog fort, wie es ihm der Ewige gesagt hatte. Und auch Lot, sein
Neffe, zog mit ihm. Und sie nahmen alles mit, was ihnen gehörte,
auch die Leute, die sich ihnen angeschlossen hatten.
Avram war zu dieser Zeit fünfundsiebzig Jahre alt.
Als sie sich im Land Knaan niedergelassen hatten, zeigte sich
der Ewige dem Avram und sagte zu ihm: »Dieses Land hier,
das möchte ich deinen Kindern und Enkeln geben!« Da baute
Avram dem Ewigen einen Altar. Er selbst aber blieb nicht lange,
sondern zog weiter nach Süden.

(…)

Avram lässt sich nieder

13,1
So wanderte Avram also mit allem, was er hatte, aus Mizrajim zurück
und weiter hoch in den Norden.
Inzwischen war Avram sehr reich geworden an Vieh und an
Silber und Gold. Auch Lot, der ihn die ganze Zeit begleitet
hatte, war reich geworden und hatte viele Schafe, Rinder und
Zelte. Aber ihre Herden waren so zahlreich, dass das Land, in
dem sie ihre Zelte aufgeschlagen hatten, nun viel zu klein für
sie beide war. Zumal auch andere Völker in dieser Gegend
wohnten. Deshalb gerieten Lots Viehhirten in Streit mit den
Viehhirten Avrams; sie stritten um das Land.
Da sagte Avram zu Lot: »Lass uns doch nicht wegen des
Landes streiten, schließlich bist du mein Neffe. Ich mache dir
einen Vorschlag: Wir wollen jeder unseren eigenen Weg gehen.
Willst du nach Norden in diese Gegend, so gehe ich nach Süden,
willst du aber nach Süden in die andere Gegend, so gehe ich
nach Norden.« Da schaute sich Lot um und sah, dass das ganze
Gebiet des Flusses Jarden überall bewässert und sehr fruchtbar
war, wie der Garten des Ewigen, wie das Land Mizrajim.
Also wählte er die Ebene am Fluss Jarden und zog mit seiner
Herde in die Nähe der Stadt Sdom.
So trennten sich Avram und Lot voneinander. Avram blieb im
Land Knaan, und Lot wohnte fortan in den Städten des Jarden.
Die Leute von Sdom waren aber ziemlich übel, und sie verhielten
sich keineswegs so, wie es dem Ewigen gefallen hätte.
Nachdem sich Lot von Avram getrennt hatte, sagte der Ewige
zu Avram: »Schau über das ganze Land, in dem du nun wohnst.
Dieses ganze Land, das du siehst, werde ich dir und deinen
Kindern und Enkeln für immer geben. Denn ich will deine Kinder
und Enkel so zahlreich machen wie den Staub der Erde.«

(…)

G’tt verspricht Avram einen Sohn

17,1
Als Avram 99 Jahre alt geworden war, kam der Ewige erneut und
zeigte sich ihm. Und er sagte zu ihm: »Ich bin G’tt, der Allmächtige.
Ich möchte, dass du ein gerechtes Leben führst. Wenn
du das tust, dann will ich mich mit dir ganz eng verbünden.«
Da erschrak Avram und fiel auf sein Gesicht, aber G’tt sagte
weiter: »Weil ich dir viele Nachkommen versprochen habe und
du deshalb zum Vater von so vielen Menschen werden sollst,
wirst du nun Avraham heißen. Von dir sollen viele Menschen,
ganze Völker, ja Könige sollen von dir abstammen. Und ich verspreche
dir auch, dass du und deine Kinder und Enkel dieses
Land bekommen werden.
Aber eines musst du mir versprechen: Alle kleinen Jungen, die
bei euch geboren werden, sollen beschnitten werden, denn
daran soll man sehen, dass wir ganz eng miteinander verbün-
det sind. Und zwar sollt ihr eure kleinen Jungen am achten Tag
nach der Geburt beschneiden.«
Und G’tt sagte weiter: »Auch deine Frau Sarai soll von jetzt
an Sarah heißen. Denn ich will sie mit Jugend segnen und euch
beiden einen Sohn geben.«
Da fiel Avraham wieder auf sein Gesicht, aber diesmal lachte
er. Denn er dachte sich: »Soll ich mit fast hundert Jahren noch
einen Sohn zeugen? Und soll Sarah, die auch schon neunzig
Jahre alt ist, noch einen Sohn gebären?«
Als G’tt aufgehört hatte, mit ihm zu sprechen, nahm Avraham
sofort seinen Sohn Jischmael und beschnitt ihn noch am
selben Tag. Auch alle männlichen Bediensteten, die bei ihm
lebten, beschnitt er. Avraham war 99 Jahre alt, als er beschnitten
wurde, und Jischmael war 13 Jahre alt.

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen zur Parascha

Als Avram und Sarai nach Kenaan aufbrechen, kommt ein Verwandter von Avram mit. Wie heißt dieser Verwandte?

Avram und Sarai werden von G“tt verschiedene Dinge versprochen. Was verspricht G“tt ihnen denn? Bekommen sie auch das, was ihnen G“tt versprochen hat?

Wo werden Avram und Sarai eigentlich sesshaft?

Weshalb trennen sich Avram und Lot?

Wohin geht Lot mit seinen Leuten und seinen Herden?

Weshalb lacht Avram, als er von G“tt erfährt, dass er noch einen Sohn bekommen soll?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Avram und Sarai sind in dieser Parascha ziemlich viel unterwegs. Achte im Text einmal darauf, wohin die beiden wandern? Kannst du beschreiben, wie sie etwa gewandert sind?

G“tt schließt mit Avram (und Sarai) eine Berit (einen Bund, ein Versprechen, einen Vertrag). Was erwartet G“tt dafür von Avram?

Kommen dir einige Stellen aus dieser Parascha nicht bekannt vor? Denk mal an die Zeit, als die Israeliten in Ägypten waren und Mosche begann, sie von Pharao zu befreien. Wird dies nicht auch in dieser Parascha an verschiedenen Stellen erzählt, oder erinnert zumindest daran?