Einleitung zu Paraschat Reeh

Mit Paraschat Reeh beginnt ein umfangreicher Abschnitt zur Gesetzgebung, der sich in den nächsten Paraschijot fortsetzt und in Paraschat Ki Tavo in die dritte Rede Mosches und ausführliche Fluch-und Segensworte mündet. Auch hier liegt die Besonderheit des Gesetzeskomplexes darin, dass einige bereits eingeführte Gebote wiederholt und manchmal auch modifiziert werden (Feste, Sklavengesetzgebung, Speisegesetze). Andere hingegen, wie das Königs- oder Prophetengesetz, werden erst in der nachfolgenden Paraschat Schoftim vorgestellt und bieten damit bereits einen deutlichen Ausblick auf die politische Ordnung, auf Ämter und Gerichtswesen.

Wie in Paraschat Ekev (und vielen weiteren Stellen des Buches Devarim) wird in Paraschat Reeh vor allem das Land, das in Besitz genommen werden soll, thematisiert, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit den Völkern, die dort leben. Es geht immer wieder darum, die Jisraeliten vor dem Gebrauch der kultischen Stätten und der religiösen Bilderdienste, aber auch vor bestimmten religiösen Praktiken anderer Völker zu warnen. Dazu gehört auch, dass Opfer nur an jenem Ort gebracht werden dürfen, wo es der Ewige den Jisraeliten anweisen wird. Alte Opferstätten sollen, so die darin zum Ausdruck gebrachte Sorge, nicht einfach zu eigenen umfunktioniert werden, sodass womöglich von den alten Opferstätten auch Überzeugungen und Riten übrig bleiben und sich auf den eigenen Kult auswirken. Die Erwählung des einen Ortes ist zentral für das Buch Devarim und wird deshalb auch mehrfach betont. Es ist allerdings auffällig, dass dieser eine heilige Ort, das Heiligtum also, nicht näher bezeichnet wird. Er ist weder das Zeltheiligtum aus den vorangehenden Büchern der Torah noch ein Tempel wie zu Schlomos Zeiten, noch nicht einmal eine Wohnung G’ttes. Es geht also stets um das Bemühen, das Eigene zu bewahren und es nicht mit (religiösen) Elementen der anderen Völker zu vermischen. Deshalb gehören in diese Parascha auch die Speisevorschriften, also die Festlegung, welche Tiere gegessen und welche vermieden werden sollen. Die Kaschrut ist später ja in der Tat zu einem wesentlichen Unterscheidungsmerkmal für die Juden geworden, das gerade in der Diaspora stark identitätsstiftend wirkte.

(entnommen: Hanna Liss, Bruno Landthaler, Erzähl es deinen Kindern. Die Torah in fünf Bänden. Band 5 Devarim – Worte, Berlin 2016)

 

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