Einleitung zu Paraschat Chukkat

Die vierzigjährige Wanderung neigt sich nun, obwohl dies erzählerisch überhaupt nicht ausgefüllt wird, langsam dem Ende zu. Am Schluss dieser Parascha wird bereits von den ersten Landeroberungen erzählt, die dann allerdings erst in der Parascha Mattot thematisiert werden. Aber mit dem absehbaren Ende der Wanderung rückt nun auch der Tod der Führungspersönlichkeiten Mirjam, Aharon und Mosche ins Blickfeld. Denn seit der Geschichte über den Spähtrupp und deren verleumderische Rede ist klar, dass außer Kalev und Jehoschua niemand von den in Mizrajim Geborenen ins versprochene Land einwandern darf, sondern allein diejenigen, die nach dem Auszug aus Mizrajim geboren wurden und gewissermaßen eine neue Generation darstellen. In der Härte dieser Aussage trifft dies auch die drei Geschwister.

In dieser Parascha wird zunächst vom Tod Mirjams erzählt. Darauf folgt die Geschichte vom Streitwasser, in der sich Mosche und Aharon fehlverhalten, indem sie auf den Felsen schlagen (anstatt zu ihm zu sprechen). Statt sich an die Worte des Ewigen zu halten, führen sie dem Volk einen »Zaubertrick« vor. Damit wird ein (zusätzlicher) Grund eingeführt, weshalb Mosche und Aharon nicht ins Land einziehen dürfen. Dies ist zugleich eine Ankündigung ihres Todes. Während Mosche die Kinder Jisraels noch bis zu den Grenzen Knaans führen muss, stirbt Aharon schon jetzt, und die Würde des Hohepriesters wird von ihm auf Elasar übertragen.

Es ist bezeichnend, dass parallel zum Sterben von zwei wichtigen Protagonisten und der Ankündigung von Mosches Tod eine Chukka (Pl. Chukkot), eine feststehende Satzung, eingeführt wird, die durch Vorschriften zur Roten Kuh ebenfalls mit dem Tod zu tun hat. Die Rote Kuh wird verbrannt, damit aus ihrer Asche das Reinigungswasser hergestellt werden kann, mit dem sich derjenige kultisch reinigen kann, der einen Toten berührt hat. Mit diesem Wasser werden auch alle Gegenstände gereinigt, die durch einen Toten nicht-rein wurden. Nicht zufällig wird in der Tradition auch davon berichtet, dass Mirjam die Erste war, deretwegen das Reinigungswasser benötigt wurde. Vielleicht kann man sogar noch weitergehen und sagen, dass die bevorstehende Einwanderung ins Gelobte Land die Beendigung des alten Lebens zur Voraussetzung hat. Deshalb stirbt diese Generation noch in der Wüste aus, Mirjam und Aharon nicht ausgenommen, und selbst Mosche bekommt dieses Mal sehr deutlich gesagt, dass er das neue Leben nicht wird erleben dürfen. Die Rote Kuh macht deutlich, wie man sich von Toten reinigen muss. Die normale Reinigung, wie sie im Buch Wajikra beschrieben worden ist, um für das Heiligtum tauglich zu sein, reicht da offensichtlich nicht aus. Deshalb vollzieht auch schon nicht mehr Aharon dieses Ritual, sondern sein Nachfolger Elasar. Alles ist auf die Vorbereitung des neuen Lebens imneuen Land ausgerichtet.

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