Einleitung zu Paraschat Behar Sinai

Die letzten beiden Paraschijot des Buches Wajikra ändern im Verhältnis zu den vorangegangenen etwas die Blickrichtung: Die Kohanim, die Priester des Heiligtums, treten nun ganz in den Hintergrund, und das Land selbst wird thematisiert. Das ist neu. Denn bislang war der Blick ganz auf die Jetztzeit (die Wüstenzeit) gerichtet. Nun ist die Zukunft Gegenstand der Betrachtung, eine Zukunft, die beinhaltet, dass das Volk Jisrael einmal im Land Knaan (im Land Jisrael) leben wird. Beide wichtigen Gebote dieser Parascha (zum Schabbat- und Joveljahr) beziehen sich vornehmlich auf das Land. Das Schabbatjahr wird als »Schabbat für das Land« erklärt, im Joveljahr fällt alles Land wieder an seinen Ursprungseigentümer zurück. Dem Volk wurde immer wieder das Land als Erbbesitz von G’tt versprochen, der gesamte Auszug aus Mizrajim und die Wanderung durch die Wüste sind auf diese Gabe hin ausgerichtet. Ja, man könnte sogar sagen, dass der gesamte erzählerische Bogen von der Josefsgeschichte bis zum Ende der Torah auf die Gabe des Landes hin orientiert ist und alles in diesen Rahmen gehört.

Eben deshalb formuliert die Torah mit den beiden Geboten des Schabbat- und Joveljahres jedoch eine äußerst wichtige Einschränkung: Auch wenn das Land von G’tt versprochen wurde und die Jisraeliten das Land einmal in Besitz nehmen werden, so ist es trotzdem keine freie Verfügungsmasse. Die Jisraeliten können mit dem Land und mit den Menschen, die dort wohnen, nicht einfach tun, was sie wollen. Denn das Land gehört nicht ihnen, sondern verbleibt im Eigentum G’ttes. G’tt hat es ihnen sozusagen nur geliehen. Der schon nicht mehr ganz so neue Spruch der Ökologiebewegung, dass wir uns »die Erde von unseren Kindern nur geborgt« haben, hat von seiner Ausrichtung her hier seinen Ursprung. Entsprechend sind gerade diese Gebote zum Schabbat- und Joveljahr mit wichtigen sozialen Aspekten verknüpft. Das Wissen darum, dass das Land eigentlich G’ttes Land ist, verpf lichtet noch sehr viel mehr zur sozialen Ausrichtung als ein abstrakter Satz wie »Eigentum verpf lichtet«. Man kann deshalb wohl auch sagen: Nur weil das Land nicht zur vollkommen freien Verfügung der Jisraeliten steht, können sie so frei sein, an ihre Mitmenschen, die verarmt sind, zu denken.

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