Einleitung zu Paraschat Qedoschim

In dieser Parascha kommen viele Gebote zur Sprache, die schon einmal behandelt worden sind: z.B. Schabbatgebot, Götzenverbot uvm. Was hat sich aber geändert? Alle Gebote stehen nun, so wie die Parascha eben auch schon heißt, unter dem Begriff „Qadosch“ „Heilig“: Ihr sollt mir, dem Ewigen, heilig sein, so wie ich heilig bin. Soll das bedeuten, dass wir ein Volk von „Heiligen“ sein sollen, die deshalb heilig sind, weil sie einen „heiligen“ Gott haben? Dass wir ein Volk sein sollen, das besondere moralische Ambitionen hat?
Wenn wir daran denken, dass in diesem Buch Wajiqra schon einmal einige Gesetze abgehandelt worden sind (rein und unrein), die ganz eindeutig auf das Heiligtum orientieren sollen, dann können wir eine Vorstellung bekommen, worauf dieses „Heiligkeitsgesetz“ abzielt: War es nämlich möglich, mit Geboten das Volk auf ein räumlich verstandenes Heiligtum auszurichten, so ist es nun – ohne den Gedanken an das Heiligtum – auch möglich, das Volk auf „den Heiligen“ auszurichten. So wie das Heiligtum ein abgegrenzter Raum ist, so soll das Volk eine abgegrenzte Entität sein, die den spezifischen Geboten folgt. Deshalb heißt es auch zum Schluss dieser Parascha konsequenterweise, dass sich dieses Volk von den anderen Völkern unterscheiden soll, wie es insgesamt Unterschiede setzen soll. Der Gedanke ist also nicht, dass der heilige Gott alles auf der Welt „durchheiligt“, so dass die ganze Welt heilig ist, sondern vielmehr der, dass wenn der heilige Gott mit der Welt in irgendeiner Weise zusammenzudenken sein soll, dass dann das Heilige eine begrenzte und besondere Sphäre in der Welt nötig hat, um nicht profanisiert zu werden. Das ist vom Gedanken her räumlich verstanden das Heiligtum oder überräumlich im Gedanken eines heiligen Volkes. Damit ist der Ausspruch: Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin, nicht eine moralisch-ehtische Aussage, sondern die Möglichkeit dafür, dass der Gottesgedanke in Bezug auf die Welt überhaupt zu denken ist. Wenn Israel also das Volk Gottes ist, dann muss es sozusagen ein besonderer Raum in der Welt sein. Wenn sich das Volk nicht an die Gebote hält und sich so verhält, wie die anderen Völker, also keine Unterschiede mehr setzt, dann muss der Anspruch, Gottes Volk zu sein, aufgegeben werden.

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