Einleitung zu Paraschat Schemini

In dieser Parascha ist es endlich soweit: Die Kohanim kommen zum ersten Mal zum Einsatz und opfern die vorgeschriebenen Tiere. Als Antwort hierauf „zeigt“ sich der Ewige in seinem Kavod, in seiner Herrlichkeit. Und dann passiert es: Nadav und Avihu, vielleicht überwältigt von diesem Ereignis, bringen selbstständig ein Feuer, ein fremdes Feuer wie der Text sagt, ins Heiligtum und werden selbst vom Feuer des Ewigen „verzehrt“. Damit ist zu Beginn der priesterlichen Tätigkeit gleich auch ein Fehltritt miterzählt (ein zweiter von Elasar und Itamar folgt auch noch!). Sollte damit von vornherein der Dienst der Kohanim diskreditiert werden? Wohl kaum. Aber er macht auf ein Problem aufmerksam und lässt einiges zum Dienst der Kohanim sagen:

Weil die Erscheinung des Kavod so unmittelbar auf das Darbringen der ersten Opfer erwähnt wird, könnte man auf die Idee kommen, dass der Opferdienst der Kohanim beim Ewigen etwas „bewirken“ kann. Man kann auch interpretatorisch sagen, dass das vielleicht Nadav und Avihus Missverständnis war: Sie wollten die „Heiligkeit“ herbeizwingen. Das ist aber eine Vorstellung, die eher mit Götzendienst und Magie zu tun hat: Magie will durch Handlungen etwas erzwingen, zumindest bewirken. Das ist aber nicht die Vorstellung der Tora. Und das kommt sehr genau in dieser Parascha zu Wort: Weil Nadav und Avihu selbstständig gehandelt haben und etwas bewirken wollten, mussten sie in der Heiligkeit sterben. Wer Heiligkeit erzwingt, kommt in ihr um. Heiligkeit wird nach festen Regeln und Vorschriften hergestellt, auch soll die so hergestellte Heiligkeit nichts bewirken, sie soll nur dasein, damit das Volk sich daran ausrichten kann. Das soll auch durch den öfter zitierten Satz bestärkt werden: Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin. Das beinhaltet keinen religiösen Aktivismus und Rigorismus, sondern besagt die Zuordnung des Volkes auf das Heiligtum hin.
Wie durch eine lange Vorausahnung werden in dieser Parascha auch die erlaubten und nicht erlaubten Tiere erwähnt. Dieser Abschnitt hat mit dem Heiligtum nach außen nichts zu tun. Und doch gehören sie sehr eng zusammen und wurden durch die Geschichte des Judentums eng zusammengebracht. Auch die Unterscheidung zwischen den erlaubten und nicht erlaubten Tieren soll nichts bewirken: Es soll nicht gesünder machen, auch nicht moralisch besser, wenn man sich an diese Unterscheidung hält. Die Unterscheidung ist einfach nur da. Die einzige Begründung für die Kaschrut besteht lediglich darin, dass bestimmte Tiere dem Ewigen ein „Gräuel“ sind. Wir essen also bestimmte Tiere nicht, weil wir uns dadurch besser fühlen, gesünder essen, sondern einzig, um uns auszurichten am Ewigen.

In der Tat konnte sich das Volk am Heiligtum eine Weile ausrichten. Aber das Heiligtum wurde zerstört, spätestens seit 70 n. u.Z. gibt es für uns Juden keinen Tempel mehr. An die Stelle dieses Heiligtums sind andere Dinge getreten, die dem Judentum heilig geworden sind: Der Schabbat und die Kaschrut. Interessanterweise sind beide Elemente in der Tora auch eng miteinander verbunden. Die Arbeiten am Heiligtum bestimmen die verbotenen Arbeiten am Schabbat, weil der Schabbat die Bauarbeiten am Heiligtum unterbrochen hatte. Auch die erlaubten und nicht erlaubten Tiere (Kaschrut) folgen unmittelbar auf die ersten Opferhandlungen der Kohanim.

20 Gedanken zu „Einleitung zu Paraschat Schemini

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