Einleitung zu Paraschat Zaw

Nachdem in Paraschat Wajiqra alle Jisraeliten aufgerufen wurden, Geschenke – sprich: Opfer – dem Ewigen zu bringen, um sich auf diese Weise auf das Heiligtum hin zu orientieren, geht es in dieser Parascha vor allem um das Heiligtum und um die Kohanim, die Priester, also um die Menschen, die einen besonderen Dienst am Heiligtum verrichten. Diese Kohanim werden in dieser Parascha „eingesetzt“, also zu Kohanim gemacht. Das Besondere ist, dass dieses Mal Mosche, der ja kein Kohen ist, als Kohen fungiert. Er vollzieht die unterschiedlichen Riten, um die Kohanim einzusetzen. Das ist hier das einzige Mal.

Wozu braucht man Kohanim nach der Tora? Kohanim machen den Dienst am Heiligtum. Im Heiligtum „wohnt“ der Ewige. Nach jüdischer Vorstellung kann die Sphäre des Ewigen und die Sphäre des Menschen nicht ohne Weiteres zusammengebracht werden. Nach der Tora ist Mosche der einzige Mensch, der eine gewisse Nähe zum Ewigen aushalten kann (weshalb Mosche auch stets allein auf den Berg Sinai geht, um mit dem Ewigen zu reden). Alle anderen Jisraeliten sind dazu nicht in der Lage, den Heiligen auszuhalten. Deshalb sollen die Jisraeliten stets auf das Heiligtum hin orientiert sein (das Heiligtum bildet die Mitte des Lagers der Jisraeliten!). Das bedeutet aber nicht, dass sie im Heiligtum ein und ausgehen sollen. Eine Orientierung ist eine Ausrichtung auf einen Punkt, aber nicht der Punkt selbst (da verliert man eher wieder die Orientierung!). Deshalb kann man auch Geschenke – Opfer – an das Heiligtum bringen (um auf das Heiligtum ausgerichtet zu sein!), stolpert aber nicht ins Heiligtum, um die ganzen Riten zu vollziehen, die im Heiligtum selbst für die Opfer notwendig sind. Dazu sind die Kohanim da. Sie sind es, die klarmachen, dass der Bereich des Heiligen auch ein heiliger Bereich ist, der nicht einfach „entweiht“ werden darf. Die Kohanim sind sozusagen diejenigen, die deutlich machen, dass G“tt nicht einfach vom Menschen eingenommen werden kann. G“tt ist G“tt und Mensch ist Mensch.

Aber diese Parascha macht darüber hinaus auch deutlich, dass die Kohanim nicht von sich aus etwas Besonderes, etwas Heiliges sind. Zwar verrichten sie ihren Dienst im Heiligtum und gehören damit sozusagen in den heiligen Bereich (und nicht in den profanen), aber auch sie müssen für diesen Dienst eigens eingesetzt, „heilig gemacht“ werden. Erst durch die Einsetzung als Kohen können sie als Kohen im Heiligtum agieren. Die Einsetzung macht aber auch deutlich, dass die Kohanim nicht einfach eine abgehobene Gruppe von besonderen Menschen sind. Denn alle Jisraeliten werden zusammengerufen, als sie zu Kohanim eingesetzt werden. Die Kohanim repräsentieren damit die gesamte Gemeinde im Heiligtum.

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