Paraschat Tezawe

Den vollständigen Text der Parascha findet Ihr in unserem Buch

Den Text mit Raschi findet ihr HIER

Erzähl es deinen Kindern. Die Torah in fünf Bänden. Band 2 Schemot / Namen, Ariella-Verlag, Berlin, ISBN 978-3-9816238-4-0, 24,80 €, gebunden 144 S. mit 12 Illustrationen

Einleitung

Nachdem die Anweisungen für das Heiligtum und die Gerätschaften des Heiligtums gegeben wurden, stehen nun die Kohanim, die Priester, im Mittelpunkt. Die Priester sind die Gewährsleute dafür, dass der Unterschied zwischen Heiligtum und profanem Bereich eingehalten werden kann, denn nur sie dürfen sich zwischen beiden hin- und herbewegen. Das Heiligtum ist ein besonderer Bereich, schon allein deshalb, weil es den gewöhnlichen Jisraeliten untersagt ist, dort einzutreten. Aber um das Heiligtum mit einem Ritual in das Leben der Jisraeliten einzubinden, bedarf es eines besonderen Personals. Nach der Vorstellung der Torah sind das die Kohanim, also all jene, die aus dem Stamm der Lewiim kommen und dort von Aharon abstammen.
Die Kleidung, die die Kohanim als solche kennzeichnet, darf nur von ihnen und niemandem sonst getragen werden. Aber die Kleidung ist mehr als ein bloßes Kennzeichen: Sie bewirkt, dass der Kohen den Dienst vor dem Ewigen überhaupt verrichten darf. Zunächst geht es deshalb um die verschiedenen Kleidungsstücke sowohl des gesalbten Priesters (ha-kohen ha-maschiach) als auch des normalen Kohen (in diesem Fall Aharon) und seiner Söhne als normale Kohanim. Diese Kleidung
soll natürlich auf eine besondere Weise und mit besonderen Materialien gefertigt werden. Aber weshalb legt die Parascha hierauf einen so großen Wert? Immerhin sind diese Beschreibungen so kompliziert, dass man sich von den Kleidungsstücken nur schwer ein Bild machen kann (zumindest sind sich die Kommentatoren überhaupt nicht einig darüber, wie sie ausgesehen haben).
Die Antwort findet sich bei Raschi. So sagt er zum Beispiel zu dem Vers »Die Glöckchen am Obergewand Aharons müssen klingeln, wenn er in das Allerheiligste eintritt und wieder hinausgeht. Denn sonst muss er sterben.«: »Aharon muss alle seine Kleider vorschriftsmäßig angelegt haben, da er sonst sterben muss.« Raschi bezieht also diese Androhung des Sterbens nicht nur auf die Glöckchen, sondern auf die Kleidung insgesamt. Es ist die Kleidung, die den Kohen in Schuld fallen lässt, wenn er sie nicht ordnungsgemäß angezogen hat. Und dies wiederum liegt daran, dass jeder Mensch ein Mensch bleibt, egal, welchen Status er innehat. Aber ein Kohen, der vor dem Ewigen seinen Dienst im Allerheiligsten verrichten soll, muss Vorkehrungen treffen, damit er sich überhaupt in die Nähe des Ewigen wagen kann, zum Beispiel, indem er sich entsprechend kleidet. Nicht eine besondere Charakterstärke oder -eigenschaft, nicht eine besondere Religiosität macht den Kohen für das Heiligtum tauglich, sondern allein seine Kleidung, die er anlegt, und ein angemessenes Verhalten (z. B. darf er normalerweise nicht sprechen).
Aus heutiger Sicht könnte man einwenden: Das ist aber doch recht oberflächlich! Es geht um das Heiligtum G’ttes, und die, die den Dienst hier verrichten dürfen, unterscheiden sich letztlich nur durch die Kleidung? Tatsächlich aber ist es weniger oberflächlich gedacht, als es auf den ersten Blick scheint. Denn die Torah weiß sehr genau um das Fehlverhalten derer, die eine besondere Verantwortung übernehmen. So erfahren wir beispielsweise im Buch Wajikra, dass schon die Söhne Aharons, Nadav und Avihu, in ihrem religiös überschäumenden Eifer zu weit gehen und sich nicht an die Regeln halten, sondern ein Sonderopfer bringen wollen. Sie berufen sich auf die »inneren Werte«, durch die sie mehr tun wollen als vorgeschrieben ist. Aber alles, was sich auf das eigene Gefühl, auf den eigenen Eifer, auf die eigene Religiosität beruft, ist nicht kontrollierbar. Es ist keine Qualität, die einen Dienst am Heiligtum rechtfertigen könnte.
Die Kleidung ist das von G’tt festgesetzte Kriterium. Der Kohen muss ganz einfach die Dinge tun, die vorgeschrieben sind, dann gibt es keinen emotionalen oder individuellen Überschuss an Tatendrang, der etwas noch heiliger machen könnte. Die Tauglichkeit für die Heiligkeit kann nicht an die subjektive, weil innere »Wertigkeit« des Kohen gebunden sein. In diesem Fall würde G’tt seinen eigenen Heiligkeitsbegriff an die Menschen abgeben. Und wohin das führt, zeigen in der Geschichte immer wieder die Eiferer, die besser zu wissen glaubten, was heilig ist, und die deswegen stets von der späteren rabbinischen Tradition gemaßregelt wurden.

 

Wie das Öl für den Leuchter hergestellt wird

27,20 »Nachdem du also weißt, wie die Geräte hergestellt werden und wie das Zelt der Begegnung gebaut werden soll, musst du nun den Kindern Jisraels gebieten, dass sie Öl für die Menora bringen sollen, damit Aharon und seine Söhne die Lichter anzünden können. Für das Öl nimmst du Oliven und zerstößt sie in einem Mörser. Und dieses reine Öl, das dabei herauskommt, das nimmst du für die Lampen an der Menora. Und Aharon und seine Söhne sollen die Lampen immer abends anzünden, damit sie jeden Tag vom Abend bis zum Morgen brennen. Es soll ein immerwährendes Licht sein. Das sollt ihr immer so machen, es soll euch ein ewiges Gesetz sein. Und ihr sollt euch immer daran halten!

Wie die Kleidung für die Kohanim hergestellt wird

28,1
Nun könnt ihr ein Heiligtum bauen, auch schön einrichten könnt ihr es. Aber noch habt ihr niemanden, der in das Heiligtum hineingehen und dort die Arbeit machen kann. Denn nicht jeder soll in das Heiligtum hineinspazieren können. Dort sollen nur ausgewählte Menschen Zutritt haben, und das sollen die Kohanim sein. Und von allen Jisraeliten sollst du deinen Bruder Aharon und seine Söhne Nadav, Avihu, Elasar und Itamar dazu auswählen. Aber damit sie aussehen wie Kohanim und ihren Dienst antreten dürfen, benötigen sie ganz bestimmte Kleider. Denn sie sollen ganz besonders und schön aussehen.
Um diese Kleider herzustellen, müsst ihr im Volk nach Leuten suchen, die dafür geschickt und klug genug sind.
Und das sind die Kleidungsstücke, die diese Leute herstellen sollen: den Choschen, den Efod, einen Mantel, ein Unterkleid, einen Kopfschmuck und einen Gürtel.

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen zur Parascha

Was soll in dieser Parascha alles hergestellt werden?

Gibt es einen Unterschied zwischen den Kleidern für Aharon und den Kleidern für seine Söhne?

Wie oft werden die Namen der Stämme Jisraels auf die Kleidung von Aharon geschrieben?

Welches sind die Söhne Aharons?

Wo soll der g“ttliche Namen stehen?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Weshalb gibt es einen Unterschied zwischen Aharon und seinen Söhnen?

Der Räucheralter muss immer wieder „heilig gemacht“ werden? Wann soll das geschehen, und vor allem: was bedeutet es: heilig machen?

Wie häufig soll das Opfer gebracht werden, mit dem Aharon und seine Söhne zu Priestern eingesetzt werden? Kannst du dir vorstellen, weshalb es überhaupt ein besonderes Opfer braucht, um sie zu Priestern zu machen?

Text mit Raschi

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