Einleitung zu Paraschat Teruma

In dieser Parascha werden ausschließlich das Heiligtum und die Gerätschaften für das Heiligtum thematisiert. Dieses Thema wird in der nächsten Parascha Tezawe fortgesetzt und in der Par. Wajaqhel fast wörtlich, wenngleich in unterschiedlicher Reihenfolge, wiederholt. Ging es also in der letzten Parascha (Mischpatim) noch um Gesetze, die die Jisraeliten selbst und ihr Leben betrafen, so rückt nun der heilige Raum für G“tt in den Mittelpunkt. Damit wird die „pädagogische“ Zielsetzung der Tora deutlich: Waren zunächst einzelne Gesetze in den Rahmen einer Erzählung gebettet, so wurden danach zunächst Gesetze erwähnt, die die Jisraeliten in ihrer Situation unmittelbar betrafen. Mit diesen Gesetzen konnte sich ein Volk formieren und einigermaßen geordnet sein Dasein verbringen. Nun endlich geht es einen Schritt weiter: Der Heilige Ort wird konstituiert. Dieser ist für das Volk und sein Leben nicht unmittelbar notwendig, trotzdem soll es sich als ein wesentliches Zentrum für das jisraelitische Volk erweisen. Denn der Heilige Ort ist der Raum, um den herum sich das Volk lagert, auf den sich viele Gesetze, die noch verkündet werden, konzentrieren. Dabei ist spannend, dass der Faktor Zeit schon längst über die Vorschriften für Pessach und die anderen Festtage sowie den Schabbat eingefangen wurde und das Leben des Volkes rhythmisiert. Aber die Dimension Raum erhält eine ganz besondere Stellung. Diese Dimension wird nämlich zweimal konstituiert. Das erste Mal, nämlich in dieser Parascha, auf dem Berg Sinai, wo Mosche von G“tt nur gesagt wird, wie er die einzelnen Elemente ausführen muss, das zweite Mal, in Par. Wajaqhel, werden die Anweisungen unten beim Volk wiederholt, damit die Baumeister die Anweisungen ausführen können. Nimmt man Raschis Erklärung zur Menora noch hinzu (wo es heißt, dass Mosche die Menora im Feuer gezeigt wurde, da die reine Beschreibung zu kompliziert war), dann bedeutet das, dass der Raum, der als heiliger Raum unten auf der Erde geschaffen werden soll, in einer ganz besonderen Weise dem beschriebenen Raum oben auf dem Berg Sinai entsprechen soll. Bei der Dimension Zeit wird diese Entsprechung nicht ganz so konsequent durchgesetzt (lediglich der Verweis, dass G“tt am siebten Tag geruht hat, hat eine Entsprechung im Schabbatgebot). Dass gerade der Heilige Raum eine besondere Beachtung findet, wird vor allem dann deutlich, wenn man bedenkt, dass der Raum, der geschaffen werden soll, ein mobiler ist. Er ist leicht abzubauen, zu transportieren (die Stangen!) und wieder leicht aufzustellen. Der Raum ist kein festgefügter Raum, sondern zieht mit, da das Volk ja ohnehin unterwegs ist. Also gerade dort, wo das Volk nicht geerdet ist (weil es in der Wüste umherirrt), erhält es die wesentliche Vorstellung von Raum. In der Tat ist die jüdische Geschichte geprägt von der Dichotomie der „Heimatlosigkeit“ und der festen Vorstellung von Räumen, vor allem eben „Heiligen Räumen“.

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