Einleitung zu Paraschat Beschalach

Nun ist es soweit: die Kinder Jisraels sind fast schon frei. Nur noch das Schilfmeer steht bevor und kann mit Hilfe Gottes durchquert werden. Was jetzt geschafft ist, ist nicht nur die Erlangung der Freiheit, sondern, damit einhergehend, die endgültige Trennung von einem anderen Volk und die „Subjektwerdung“ Jisraels. Jisrael tritt zum ersten Mal als ein selbstständiges Volk auf. Die gesamte Plagenerzählung zusammen mit der Erzählung vom Meerwunder führen auf diesen Punkt hin.
Daran schließen sich gleich mehrere sogenannte Murregeschichten an. Das Volk ist unzufrieden, weil es, aus dem Trott des Alltags Ägyptens herausgerissen, erst einmal die neue Realität verarbeiten muss. Das Volk ist keine Ansammlung von Helden, die wagemutig und zuversichtlich durch die Wüste stapfen, sondern sind Menschen, die ihre Zweifel ob des richtigen Weges hegen und manchmal auch daran verzweifeln, was ihnen auferlegt ist. Mosche (und Gott) sind zwar sehr ungeduldig mit diesem Volk, doch muss man für sie in die Waagschale werfen, dass es nicht einfach ist, die Widrigkeiten des Wüstenalltags zugunsten Gottes zu übersehen. Dass das Volk noch sehr unvertraut mit diesem Gott ist, zeigt sich übrigens auch daran, dass die Gebote, die später schließlich die Grundbeziehung zwischen Gott und Jisrael sein soll, ganz zaghaft eingeführt werden. Mosche redet zunächst einmal ganz allgemein von der Tora und dass es schon wichtig wäre, sich ihrer anzunehmen. Das Schabbatgebot ist denn auch das erste Gebot in der Wüste, das ihnen auferlegt wird. Und auch hier zeigt sich, dass das Gottesverhältnis noch nicht ungebrochen ist. Im übrigen wird das auch vom Text her sehr deutlich: Die bisherigen Gebote, von denen der Text berichtet, sind in Erzähleinheiten eingebettet, so, als müsste sich nun auch der Leser daran gewöhnen, dass die Formulierung von Geboten ansteht.

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