Paraschat Waera

 Einleitung

Mit dieser Parascha beginnt die Plagenerzählung, die in der nächsten Parascha, der Parascha Bo, fortgesetzt wird und in der übernächsten Parascha, der Parascha Beschallach, in der Meerwundererzählung ihren Höhepunkt und Abschluss erfährt. Diese drei Paraschijot sind für das Selbstverständnis des Judentums eminent wichtig. Denn hier wird davon erzählt, wie sich die „Kinder Jisraels“ zusammenfinden und langsam zu einer Größe werden, die sich gegen andere Völker behaupten kann. Die Sklaven Ägyptens, die unter der Knute der Ägypter leiden und nur noch Sinn dafür haben, wie sie die Arbeitsbedingungen meistern können, bekommen eine Identität, sie werden „wer“ und können so aufbegehren und schließlich als eine eigenständige Größe einen eigenen Weg in eine eigene Zukunft einschlagen. Genau darum geht es in der Plagenerzählung, auch wenn sie über weite Strecken langatmig und redundant (sich stets wiederholend) wirkt. Jisrael soll zu einem Subjekt der Geschichte werden!

Das Judentum hat diese wichtige Erkenntnis sogar mit einem eigenen Fest bedacht und ein eigenes Buch dazu zusammengestellt: Pessach ist das erste wichtige „Wallfahrtsfest“ (der Schelosch Regalim) und gedenkt auf diese Weise seiner eigenen „Geburtsstunde“. In der Haggada schel Pessach, die zuhause an Pessach gelesen wird, wird denn auch das gesamte Auszugsgeschehen in der jüdischen Tradition widergespiegelt und immer und immer wieder neu beleuchtet.

G“tt redet mit Mosche

(6,2) Und G“tt redete sehr ausführlich mit Mosche, um ihm zu erklären, was er mit seinem Volk vorhatte.

„Ich bin der Ewige. Ich habe mich Avraham, Jizchaq und Jaaqov als G“tt der Mächtige gezeigt und ihnen ein Versprechen gegeben. Mit meinem Namen „der Ewige“ wurde ich ihnen aber noch nicht bekannt. Aber ich habe ihnen ein festes Versprechen abgegeben, dass ich ihnen und ihren Nachkommen das Land Kenaan geben werde. Und nun habe ich das Jammern und Klagen der Kinder Jisraels unter der Knute der Ägypter gehört und erinnere mich an dieses Versprechen. Deshalb sollst du zu den Kindern Jisraels gehen und ihnen sagen, dass ich, der Ewige, sie aus der Knechtschaft befreien werde. Und später werde ich euch als mein ganz besonderes Volk annehmen und euer G“tt sein. Und auch ihr werdet mich als euren G“tt annehmen, als der Ewige, der euch aus der Knechtschaft befreit. Ich werde euch in euer Land führen, das ich schon Avraham, Jizchaq und Jaaqov versprochen habe. Und ich werde es euch geben, ich, der Ewige!“

Und Mosche ging zu seinem Volk zurück und berichtete genau, was der Ewige ihm aufgetragen hatte. Aber die Kinder Jisraels wollten nichts davon hören, denn sie waren wegen der schweren Arbeit sehr verzagt.

Da ging Mosche wieder zum Ewigen zurück, und der sprach weiter mit ihm und gab ihm weitere Anweisungen:

„Geh nun zum Pharao, dem König der Ägypter, und sage dem, dass er die Kinder Jisraels aus seinem Land fortgehen lassen solle.“

Aber Mosche erwiderte: „Aber sieh doch! Schon die Kinder Jisraels wollen nichts davon wissen, was ich ihnen zu sagen hatte. Wie kannst du nun von mir wollen, dass ich dem Pharao etwas zu sagen hätte?“ Aber der Ewige befahl Mosche und Aharon nur, dass sie die Kinder Jisraels aus Ägypten herausführen sollten.

Und Mosche wandte ein: „Aber schau doch, meine Lippen sind wie zugeklebt. Ich kann nichts sagen, wie kann ich da mit dem Pharao reden und von ihm etwas wollen?“

(7) Aber der Ewige sagte zu Mosche: „Du musst dir nur vorstellen, dass ich dich wie einen Richter über Pharao eingesetzt habe, und Aharon, dein Bruder, wird dein Sprecher sein. Sag ihm alles, was ich zu dir sagen werde, und dein Bruder Aharon wird es trefflich dem Pharao weiter mitteilen und erklären, so dass er die Kinder Jisraels schon ziehen lassen wird. Aber ganz so einfach wird es trotzdem nicht werden. Denn ich werde es einrichten, dass der Pharao widerspenstig wird, und dann werde ich Wunder vollbringen, von denen man noch lange reden wird. Aber der Pharao wird nicht auf euch hören, und dann werde ich selbst Hand an Ägypten legen und die Kinder Jisraels aus Ägypten hinausbringen. Daran werden die Ägypter erkennen, dass ich der Ewige bin.“

Und so, wie der Ewige es Mosche und Aharon gesagt hatte, so machten sie es. Mosche war zu dieser Zeit 80, Aharon 83 Jahre alt. Und noch ein Letztes sagte der Ewige zu den beiden: „Und wenn der Pharao von euch ein besonderes Wunder will, dann denk dran, Mosche, dass du dem Aharon das mit dem Stab sagst: Er soll ihn vor den Pharao auf den Boden werfen, und da wird er zu einer Schlange.“

Mosche und Aharon vor dem Pharao: Die Schlange

Und so gingen die beiden, Mosche und Aharon, zum Pharao. Und nachdem Aharon eine Weile mit dem Pharao geredet hatte, da verlangte Pharao tatsächlich etwas Besonderes, an dem er erkennen könne, dass sie auch berechtigt waren zu reden. Und so nahm Aharon den Stab, den er in der Hand hielt, und warf ihn vor dem Pharao zu Boden. Und wie der Stab auf dem Boden aufschlug, da wurde er zu einer Schlange, so dass Pharao und alle seine Leute, die um ihn herumstanden, nicht schlecht erschraken.

Und wie der Pharao sah, dass Mosche und Aharon über besondere Kräfte verfügten, die solche Wunder vollführen können, ließ er seinerseits Zauberer rufen, die in besonderen Kunststücken bewandert waren. Und tatsächlich: Auch die ägyptischen Zauberer brachten es fertig, dass Stäbe zu Schlangen wurden. Wie aber nun eine ganze Menge Schlangen auf dem Boden kroch, da geschah es, dass Aharons Stab alle anderen verschlang.

Doch das beeindruckte Pharao nicht, so dass er nach wie vor hartherzig blieb und nicht darauf hörte, was Aharon ihm zu sagen hatte. Ganz im Gegenteil: Er warf die beiden hinaus.

Erste Plage: Wasser wird zu Blut

Als Mosche und Aharon vom Pharao zurückgekehrt waren, da sagte der Ewige zu Mosche: „Ja, ihr habt gesehen: der Pharao ist wirklich hartherzig und weigert sich, das Volk gehen zu lassen. Aber geht trotzdem morgen wieder zu ihm. Ihr werdet ihn unten am Wasser treffen, dort stellt euch auf und wartet auf ihn. Und dann, wenn er auf euch zukommt und euch sieht, dann nehmt den Stab in die Hand und dann sagt ihr ihm: „Der Ewige, der G“tt der Hebräer, er schickt uns wieder zu dir. Er lässt dir ausrichten: Lass mein Volk gehen. Es soll in die Wüste hinausgehen und mir dort dienen. Du hast bisher nicht auf meine Worte gehört, aber ich sage dir eines: Daran sollst du erkennen, dass ich der Ewige bin: Ich schlage mit diesem Stab auf das Wasser des Nils, und das Wasser wird sich in Blut verwandeln. Die Fische des Nils werden sterben, der Nil wird zu einem stinkenden Fluss werden, so dass ihr euch ekeln werdet, Wasser daraus zu trinken.´“

Und so taten sie es. Sie gingen am anderen Morgen an den Nil und warteten auf den Pharao. Und als der Pharao kam, sagte Aharon all die Worte, die ihm der Ewige aufgetragen hatte zu sagen. Und da sagte der Ewige zu Mosche: „Nun sag Aharon, dass er seine Hand mit dem Stab über alles Wasser Ägyptens ausstrecken soll, damit sich das Wasser verwandelt.“ Und so machte es Mosche, er gab Aharon die Anweisungen, und Aharon machte, was ihm Mosche aufgetragen hatte.

Aharon hob seine Hand, streckte den Stab über die Gewässer und schlug mit ihm vor den Augen des Pharao auf den Nil. Und kaum hatte er seine Hand ausgestreckt, da wurde das ganze Wasser des Nils zu Blut. Und bald darauf sah man die ersten toten Fische obenauf schwimmen, und der Nil begann so fürchterlich zu stinken, dass es unerträglich wurde in ganz Ägypten. Die Ägypter ekelten sich derart vor dem stinkenden Nil, dass sie fortan kein Wasser mehr daraus trinken konnten.

Aber der Pharao ließ sich nicht beeindrucken. Denn wieder ließ er seine Zauberer rufen, die sich auf allerlei Tricks und Kniffe verstanden, und verlangte von ihnen, dass sie ebenfalls den Nil in Blut verwandeln sollten. Und nachdem sie eine ganze Zeit lang studiert hatten, wie sie das wohl anstellen könnten, da fanden auch sie den richtigen Weg dazu, und auch die Zauberer konnten den Nil in Blut verwandeln.

Deshalb glaubte der Pharao, dass auch Mosche und Aharon nur Zauberei betrieben, was in Ägypten nichts Besonderes war, weshalb der Pharao hartherzig blieb und glaubte, auf Mosche und den Ewigen nicht hören zu müssen. Er wandte sich von ihnen ab und ging nach Hause.

Aber den Ägyptern ergings übel. Da sie nämlich das Wasser des Nils nicht trinken konnten, es war ja zu Blut geworden, mussten sie überall nach Wasser graben, um nicht zu verdursten. So ging das sieben Tage lange.

Zweite Plage: Die Frösche

Und wieder sprach der Ewige zu Mosche: „Es wird Zeit, dass du wieder zu Pharao gehst. Sag ihm, dass er mein Volk gehen lassen soll, damit es mir dienen kann. Und droh ihm Frösche an, wenn er auf euch nicht hört. Überall würden sie herumkriechen, in den Häusern, in den Betten, in den Backöfen und Backtrögen. Überall würden die Frösche herumkriechen und keinen Ägypter mehr in Ruhe lassen.“

Und so gingen die beiden wieder zu Pharao und teilten ihm mit, was sie nicht zum ersten Mal zu ihm gesagt hatten.

(8) Da der Pharao aber nicht hörte, sagte der Ewige wiederum zu Mosche: „Sag Aharon, dass er seine Hand mit dem Stab ausstrecken soll über alle Gewässer.“

Und so machte es Mosche. Er sagte Aharon, was er zu sagen hatte, und Aharon machte, was Mosche gesagt hatte. Er streckte seine Hand mit dem Stab über die Gewässer Ägyptens aus. Und sogleich krochen aus dem Nil, aus Tümpeln, kleinen Flüsschen, Teichen, aus allem Wasser Frösche heraus, über und über, bis das ganze Land Ägypten mit Fröschen bedeckt war. Man konnte nirgendwo mehr gehen und stehen, ohne von Fröschen angesprungen zu werden.

Aber den Pharao rührte das nicht. Denn wieder ließ er seine Zauberer rufen und verlangte von ihnen, dass auch sie Frösche herbeizaubern sollen. Und siehe da, auch die Zauberer konnten es, und die Frösche wurden noch zahlreicher.

Da aber die Ägypter zu klagen begannen wegen der unübersehbaren Menge von Fröschen, ließ Pharao Mosche und Aharon rufen. Und er bat sie, dass sie zu ihrem Ewigen beten sollen, damit das Froschgewimmel endlich ein Ende habe, es sei so schauderhaft ekelig. Er lasse nun auch das Volk des Ewigen gehen, damit sie dem Ewigen ein Geschenk bringen können.

Da offensichtlich die Zauberer zur Beendigung des Spuks nicht in der Lage waren, fragte Mosche noch einmal: „Sag mir, lieber Pharao, bis wann wünschst du dir die Frösche denn weg?“ Und der Pharao antwortete: „Bis morgen!“ Und Mosche sagte ihm: „Ganz wie du es wünschst. Und du wirst erkennen, dass niemand, außer dem Ewigen dazu in der Lage ist. Die Frösche werden morgen aus all deinen Häusern, aus dem ganzen Land verschwunden sein. Willst du dann noch ein paar Fröschlein sehen, so wirst du zum Nil hingehen müssen, nur noch dort werden sie sein, wie gehabt.“

Und so gingen Mosche und Aharon vom Pharao fort, und Mosche ging zum Ewigen hin und betete zu ihm wegen der Frösche. Und tatsächlich verschwanden allmählich die Frösche von überall dort, wo sie nicht hingehörten, und die Ägypter konnten wieder frei gehen und stehen, ohne auf Frösche achten zu müssen. Alle Frösche starben. Man trug sie auf große Haufen zusammen.

Aber als der Pharao sah, dass die Plage mit den Fröschen ein Ende gefunden hatte, glaubte er alles in seiner Ordnung und verhärtete sich wie ehedem. Und so hörte er doch nicht auf das, was Mosche gesagt hatte, und ließ das Volk, entgegen seinem Versprechen, nicht gehen.

Dritte Plage: Ungeziefer

Da sagte der Ewige zu Mosche: „Der Pharao will also auf mich nicht hören. Na dann! Sag zu Aharon, dass er seinen Stab ausstrecken und mit dem Stab auf den Staub der Erde schlagen soll. Der Staub soll zu Ungeziefer werden!“

Und so geschah es auch. Mosche sagte Aharon, was er zu sagen hatte, und Aharon machte, was er zu machen hatte. Er streckte seinen Stab aus, schlug auf den Staub, der um ihn herum lag, und sofort sprang Ungeziefer auf dem Boden herum. Der ganze Staub des ganzen Landes Ägypten wurde zu Ungeziefer. Und das Ungeziefer überfiel überall im Land Ägypten die Menschen und das Vieh, und alle schrieen auf.

Und wiederum machten sich auch die Zauberer ans Werk und wollten ebenfalls aus Staub Ungeziefer entstehen lassen. Aber so sehr sie auch studierten, probierten und diskutierten, es gelang ihnen nicht. Schnell rannten sie zum Pharao und berichteten davon, dass sie nicht in der Lage seien, Ungeziefer entstehen zu lassen, und dass das ganz bestimmt ein Wink sei von diesem G“tt der Hebräer, der das immerhin fertiggebracht habe.

Aber der Pharao wollte davon nichts wissen. Dass seine Zauberer das erste Mal gegenüber den Hebräern versagt hatten, ließ ihn nicht aus der Ruhe bringen, er blieb hartherzig wie ehedem und hörte nicht auf das, was Mosche von ihm wollte.

Vierte Plage: Wilde Tiere

Und weil das so war, dass der Pharao nach wie vor nicht hören wollte, sagte der Ewige zu Mosche: „Wenn morgen früh der Pharao zum Wasser hinuntergeht, dann geh ihm dort entgegen und sag ihm: `Das sagt dir der Ewige: Lass endlich mein Volk gehen, damit es mir dienen kann. Wenn du dich aber nach wie vor weigerst, dann lasse ich über dich und dein Volk wilde Tiere kommen, dass ein Schrecken im Land sein wird! Allein das Land Goschen, wo mein Volk wohnt, werde ich von dieser Plage ausnehmen, damit du endlich erkennst, dass ich, der Ewige, Macht über die Erde habe. Ich will nämlich einen Unterschied setzen zwischen meinem und deinem Volk.“

Und genau so geschah es, als Mosche und Aharon vor den Pharao traten und ihm die Worte mitteilten, die ihnen der Ewige beigebracht hatte. Überall streunten plötzlich wilde Tiere herum und griffen Menschen und Tiere an, dass ein unendlicher Schrecken war in ganz Ägypten.

Als Pharao sah, was die wilden Tiere anrichteten, ließ er Mosche und Aharon rufen und flehte sie an: „Auf, macht schon. Ihr dürft ja Geschenke eurem G“tt bringen. Ich erlaube es euch. Aber hier im Land!“ Darauf antwortete Mosche: „Das ist sehr nett von dir. Allein, es geht nicht. Denn schau, wir bringen Geschenke unserem G“tt, wir schlachten Tiere, die euch ein Abscheu sind, ihr würdet euch furchtbar ekeln davor. Das wollen wir euch natürlich nicht zumuten, und deshalb müssen wir – leider – drei Tagereisen in die Wüste hineinwandern, und dort unserem G“tt unsere Geschenke bringen, indem wir dort unsere Tiere schlachten.“

Da der Pharao sah, dass die wilden Tiere noch immer ihr Unwesen trieben, blieb ihm nichts anderes übrig, als Mosche und Aharon mitzuteilen: „Also gut. Ihr dürft ja gehen. Ihr dürft außer Landes gehen. Dann könnt ihr eure Geschenke bringen. Aber entfernt euch nicht zu weit, ihr sollt schließlich wiederkommen. Und jetzt auf! Macht! Geht zu eurem G“tt und betet für uns, dass das hier endlich ein Ende hat.“

Mosche entgegnete: „In Ordnung, wir werden sofort hingehen und beten. Dann werden die wilden Tiere sich wieder zurückziehen und bald wird es keine wilden Tiere mehr geben. Aber dass du uns nicht wieder zum Narren hälst und jetzt versprichst, was du danach wieder nicht einhalten willst!“

So ging Mosche vom Pharao fort und hin zum Ewigen, um zu beten. Und sogleich zogen sich die wilden Tiere im Land Ägypten wieder zurück, und die Ägypter atmeten auf.
Aber als der Pharao sah, dass die wilden Tiere verschwunden waren und nun keinen Schaden mehr anrichten konnten, da verhärtete er sich wie ehedem und hörte nicht darauf, was Mosche von ihm verlangt hatte. Er ließ das Volk noch immer nicht gehen.

Fünfte Plage: Die Pest

(9) Weil der Pharao noch immer nicht gehört hatte, sagte der Ewige zu Mosche: „Geh noch einmal zum Pharao und sag ihm: `Das lässt der Ewige dir ausrichten: Lass mein Volk gehen, ich sage es noch einmal, mein Volk soll mir dienen. Und weigerst du dich, mein Volk gehen zu lassen, dann werde ich mich gegen deine Tiere wenden, gegen Pferde, Esel, Kamele, Rinder und Schafe. Sie werden getroffen von einer schweren Pest, und sie werden schwer darunter leiden. Aber wieder werde ich einen Unterschied machen zwischen deinem Vieh und dem Vieh meines Volkes. Denn von dem Vieh meines Volkes wird kein Stück sterben. Morgen schon wird sich die Pest ausbreiten, ich kündige es dir bereits an!“
Und wie der Ewige es durch Mosche und Aharon dem Pharao mitteilen ließ, so geschah es auch. Das ganze Vieh, seien es die Pferde, die Rinder, seien es die Schafe, wurde krank, schwer krank, und die Tiere lagen erschöpft darnieder. Und es ging nicht lange, da starben die ersten Tiere, und es starben immer mehr, überall lagen tote Tiere herum. Nur die Tiere von den Kindern Jisraels, die blieben gesund, auch starb keines an irgendeiner Krankheit.

Der Pharao schickte Leute aus, die schauen sollten, ob denn bei den Hebräern alle Tiere gesund und am Leben seien. Und als er hörte, dass tatsächlich überall tote Tiere herumlägen und die Ställe und Felder überall wie leergefegt seien, nur eben bei den Hebräern nicht, da ließ sich der Pharao dennoch nicht rühren, er blieb hartherzig wie ehedem und ließ das Volk der Hebräer nicht gehen.

Sechste Plage: Geschwüre

Und so sagte der Ewige wiederum zu Mosche und Aharon: „Nehmt eure Hände voll Ofenruß. Und Mosche, du nimm davon, wenn du vor dem Pharao stehst, und wirf den Ruß nach oben zum Himmel. Der Ruß wird davonfliegen und als feiner Staub auf die Erde niederfallen. Und alle Menschen und Tiere, auf denen der Staub zu liegen kommt, bekommen dort ein Geschwür. Es wird geschehen im ganzen Land Ägypten.

Und als Mosche und Aharon, die Hände voll Ofenruß, vor den Pharao traten, da warf Mosche den ganzen Ruß nach oben. Nieder rieselte feiner Staub, der alle Menschen und Tiere bedeckte. Und überall, wo die Menschen Staub auf die Haut bekamen, da wuchsen Geschwüre heran, so dass die Menschen und Tiere schwer zu leiden hatten.

Da ließ der Pharao wieder einmal seine Zauberer kommen und befahl ihnen, desgleichen zu tun. Aber die Zauberer ließen sich beim Pharao entschuldigen, denn, so ließen sie ausrichten, sie seien durch Geschwüre an der Haut nicht in der Lage zu kommen.
Aber all das rührte den Pharao wenig, er blieb hartherzig wie ehedem und hörte nicht auf das, was der Ewige von ihm verlangte.

Siebte Plage: Hagel

Und so forderte der Ewige Mosche wieder auf: „Steh morgen früh auf, geh zum Pharao und teile ihm mit: `Der Ewige, der G“tt der Hebräer, lässt dir ausrichten: Lass mein Volk endlich gehen, damit es mir dienen kann. Du wirst sehen, diesmal wird dich die Plage selbst treffen, dich, dein Haus, deine Diener und dein Volk. Erkenne doch endlich, dass ich keinem ähnlich bin, und dass nur ich die Macht über die Erde habe. Du glaubst, dass ich nicht mächtig genug bin, weil ich dich bisher geschont habe und du ziemlich glimpflich davongekommen bist? Natürlich hätte ich dich wegfegen können wie eine Fliege. Aber mir liegt daran, dass du meine Macht erkennst. Schließlich soll mein Name auf der ganzen Erde verkündet werden. Und nun auf: Lass mein Volk gehen. Weigerst du dich weiterhin, so wird morgen um diese Zeit schwerer Hagel niedergehen, ein Hagel, der schlimmer noch nicht war in ganz Ägypten. Also bereite dich gut darauf vor. Lass überall verkünden, dass die Bauern ihr Vieh in die Ställe bringen sollen, auch die Menschen sollen sich hüten hinauszugehen. Denn alles, was sich im Freien befindet, wird vom Hagel erschlagen werden.“

Und so gingen am andern Morgen Mosche und Aharon wieder einmal zum Pharao und richteten all die Worte dem Pharao aus, die sie vom Ewigen gehört hatten. Und so geschah es, dass alle Ägypter, die die Worte des Ewigen zu Herzen nahmen, Vorsorge trafen und ihre Tiere in die Ställe brachten und selbst keinen Fuß nach draußen setzten. Die aber, die sich um die Worte des Ewigen nicht kümmerten, trafen keine Vorsorge, die ließen ihre Tiere und ihre Knechte auf dem Feld und achteten selbst auch nicht darauf, dass sie ein sicheres Dach über dem Kopf hatten.

Und dann war es soweit: Der Ewige sagte zu Mosche: „Streck deine Hand zum Himmel aus!“ Und Mosche machte es so: Er streckte seine Hand nach oben, und da plötzlich ging es los. Es donnerte und blitzte, Hagel schlug nieder, erst kleine Hagelkörner, dann immer größere. Es war ein schweres Unwetter entstanden, ein Unwetter, wie es ein ähnliches in Ägypten noch nie gegeben hatte. Und der Hagel zerschlug im Land Ägypten alles, was auf dem Feld war. Alle Menschen, die sich draußen befanden, alle Tiere, die auf dem Feld verblieben waren, wurden vom Hagel erschlagen. Auch die Bäume konnten der Schwere des Hagels nicht standhalten. Allein im Land Goschen, dort, wo die Kinder Jisraels wohnten, fiel nicht das kleinste Hagelkörnchen.

Als der Pharao das Ausmaß des Unwetters sah, ließ er schnell Mosche und Aharon kommen. Zu ihnen sagte er: „Ich gebe zu, es war nicht recht, was ich getan habe. Euer Ewiger hat recht, nur ich und mein Volk, wir sind ungerecht. Geht nun hin zu eurem Ewigen und betet zu ihm, dass er dem Unwetter ein Ende setze. Ich will euch nun gerne gehen lassen.“

Da antwortete Mosche: „In Ordnung. Ich werde hinausgehen, die Hände zum Ewigen ausstrecken, und dann werden die Donnerschläge, die Blitze und der Hagel aufhören. Auf dass du erkennst, dass die Erde dem Ewigen gehört. Und was dich angeht: Du magst ja gerne flehen, ich weiß aber, dass du noch immer nicht auf G“tt, den Ewigen, achtest. Denn solange draußen auch nur ein kleiner Grashalm auf dem Feld steht und nicht vom Hagel niedergedrückt worden ist, solange glaubst du an deine eigene Macht!“

Und Mosche ging hinaus und breitete die Hände zum Ewigen aus. Und auf der Stelle hörte das Unwetter zu toben auf, kein Hagel stürzte nieder, keine Blitze krachten zur Erde.
Als nun der Pharao sah, dass das Unwetter endlich ein Ende gefunden hatte, da sah er keinen Grund mehr, sein Versprechen zu halten. Er blieb hartherzig wie ehedem und ließ die Kinder Jisraels nicht gehen, genauso wie es der Ewige dem Mosche vorausgesagt hatte, so verhielt sich der Pharao.

 

Fragen zur Parascha

A) Einfachere Fragen

Weshalb hört das Volk nicht auf Mosche, als er ihnen von der Befreiung aus Ägypten redete?

Wer soll dem Mosche helfen, bei Pharao um die Befreiung zu bitten?

Ließ sich der Pharao von der Verwandlung des Stabes in eine Schlange beeindrucken? Weshalb oder weshalb nicht?

In dieser Parascha werden die ersten sieben Plagen erzählt. Welche sind es?

Der Pharao lässt manchmal auch die Zauberer antreten, um die Wunder, die Mosche und Aharon vollbringen, nachmachen zu lassen. Welche Plagen können die Zauberer nachmachen, bei welcher Plage versagen die Zauberer?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Bei manchen Plagen steht, dass G“tt einen Unterschied zwischen Ägypten und Jisrael machen möchte, oder, noch deutlicher, beide Völker trennen möchte. Weshalb wird das so betont? Bei welcher (etwas späteren) Geschichte wird diese Trennung ganz deutlich?
In welchem Buch des Judentums werden die zehn Plagen ebenfalls ganz ausführlich behandelt?

Am Anfang der Parascha steht, dass Avraham, Jizchaq und Jaaqov der Namen „Ewiger“ noch nicht bekannt war. Weshalb wird dieser Name erst jetzt dem Volk Jisrael bekannt gemacht?

Weshalb schlägt nicht Mosche mit dem Stab auf den Nil, um ihn zu Blut werden zu lassen, sondern Aharon (Raschi gibt dafür eine Antwort und denkt dabei an die frühe Kindheit von Mosche!!)

 

 

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