Paraschat Schemot

Einleitung

Mit dem Buch Schemot beginnt in mehrfacher Weise eine neue Geschichte. Von der Erzählung her geht nun viel Zeit ins Land, die Brüder Josefs sind gestorben, Josef schon lange, niemand erinnert sich mehr an die Taten Josefs. Einschneidender kann ein Neubeginn kaum sein. Aber auch an einem einzigen Wort macht es sich deutlich: Von nun an wird von den „Jisraeliten“ oder den „Kindern Jisraels“ geschrieben, und eben nicht mehr von dem und dem einzelnen Stammvater. Das Augenmerk ist auf das ganze Volk und seine Geschicke gerichtet. Die Geschichte Mosches ist in diese größere Geschichte eingebunden und auf sie hin ausgerichtet. Mosche wird nur erwählt, um das Volk aus der Knechtschaft zu führen. Das ist der große Unterschied zum ersten Buch: Dort ging es noch um die Geschehnisse der einzelnen Stammeltern selbst, sie waren selbst erwählt und ihnen ist selbst Land und Nachkommenschaft zugesagt worden. Auf dieser Grundlage lebt das zweite und alle weiteren Bücher der Tora, sie sind die Voraussetzung für die „Volks“geschichte Jisraels. Insofern ist die Figur des Mosche eine völlig andere als die der Stammväter: Mosche hat einen klaren Auftrag, den hat er auszuführen. Ihm selbst wird zunächst nichts zugesprochen oder versprochen. Ein Unterschied besteht auch darin, dass sich Mosche gegen diesen Auftrag wehrt und tausend Ausflüchte hat, um dem Auftrag zu entgehen. Das „Hinneni“, das „Hier bin ich“, wie er es am Dornbusch ausspricht und das so häufig in den Stammelternerzählungen vorkommt (Avraham!), erhält hier einen starken Vorbehalt. Es ist eben nicht mehr das vorbehaltlose avrahamische „Hier bin ich“ und du kannst jetzt mit mir machen, was du willst. Jetzt, da es darum geht, dass ein ganzes Volk G“tt gegenüberstehen soll, wird das Verhältnis sehr viel schwieriger, aufbegehrend. Und das beginnt schon bei Mosche.

Die Jisraeliten in Ägypten

(1) Das waren die Namen der Kinder Israels, die mit Jaaqov nach Ägypten gekommen waren: Es waren Reuven, Schimon, Levi, Jehuda, Issaschar, Sebulun, Benjamin, Dan, Naphtali, Gad und Ascher. Und mit ihnen kamen auch ihre Familien mit und alles, was sie hatten. Insgesamt waren es 70 Nachkommen Jaaqovs, die nach Ägypten kamen. Und Josef war ja schon in Ägypten.

Eines Tages starb Josef, und bald danach auch seine Brüder, und nach einiger Zeit war niemand mehr aus dieser Generation am Leben. Aber die Kinder von ihnen hatten viele Kinder, und so kam es, dass die Jisraeliten in Ägypten sehr zahlreich wurden und überall im Land Ägypten wohnten.

Auch kam ein neuer Pharao in Ägypten an die Macht, der Josef schon lange nicht mehr kannte und wohl auch von den Taten Josefs nichts mehr wusste, oder davon nichts mehr wissen wollte, wie er zum Beispiel die Ägypter während der langen Hungerszeit gerettet hatte. Und der neue Pharao beobachtete, wie die Kinder Jisraels immer zahlreicher wurden und wie sie überall in Ägypten wohnten. Das missfiel dem Pharao sehr, denn er befürchtete, dass die Jisraeliten noch zahlreicher werden könnten als die Ägypter selbst. Da sagte er zu seinen Beratern: „Wir müssen den Jisraeliten mit List beikommen, damit die nicht unser ganzes Volk überschwemmen. Was ist, wenn Krieg ausbricht? Dann laufen sie noch zum Feind über und wir haben unsern Feind derart zahlreich mitten unter uns. Schrecklich!“

Deshalb ordnete der Pharao an, dass über die Jisraeliten Aufseher eingesetzt werden, die sie mit Arbeit eindecken sollten. So kam es, dass die Jisraeliten für den Pharao ganze Vorratsstädte bauen mussten, nämlich die Städte Pithom und Ramses. Aber das half alles nicht! Denn so sehr die Aufseher die Jisraeliten zur Arbeit antreiben mochten, so sehr nahmen die Jisraeliten an Zahl immer weiter zu. Sie wurden immer zahlreicher, so zahlreich, dass die Ägypter das Grauen vor den Kindern Jisraels bekamen. Und deshalb trieben die Aufseher die Jisraeliten immer weiter zur Arbeit an, machten ihnen das Leben schwer mit der härtesten Arbeit, die die Aufseher vergeben konnten, und prügelten sie zur Arbeit.

Da das alles nichts half, kam der Pharao auf eine schreckliche Idee. Er befahl den jisraelitschen Hebammen, die Schifra und Pua hießen, bei den Geburten der Jisraelitinnen darauf zu achten, ob sie einen Sohn oder eine Tochter gebären. Und wenn sie einen Sohn gebären, sollen sie diesen töten, eine Tochter mögen sie aber am Leben lassen.
Die Hebammen waren aber g“ttesfürchtig und ließen sich nicht so ohne Weiteres etwas befehlen. Deshalb ließen sie die Kinder der Jisraelitinnen am Leben, mochten es nun Töchter oder Söhne sein, sie gaben ihnen zu essen und zu trinken. Davon erfuhr natürlich der Pharao und er ließ die Hebammen zu sich rufen und fragte sie, weshalb sie nicht seinem Befehl Folge leisteten. Da antworteten die Hebammen: „Ach Pharao. Es tut uns leid, aber die hebräischen Frauen sind starke Frauen, die keine Hebammen brauchen. Sie sind nicht so wie eure ägyptischen Damen. Und kommen wir  zu ihnen, da haben sie schon geboren, und wir können nichts mehr ausrichten.“ Und G“tt ließ es den Hebammen gut gehen, und aus ihnen gingen später *Priester und Könige hervor*.

Und so kam es, dass das Volk weiter zahlreich und immer stärker wurde. Da befahl der Pharao seinem ganzen Volk: „Jeder neugeborene Sohn, der euch geboren wird, ist im Nil zu ertränken, er soll nicht am Leben bleiben. Allein die Töchter mögen meinetwegen am Leben bleiben.“

Die Geburt und Rettung Mosches

(2) Es gab einen Mann aus dem Stamm Levis, der heiratete eine Frau, die ebenfalls aus diesem Stamm kam. Es ging nicht lange, da wurde die Frau schwanger, und als es soweit war, gebar sie einen Sohn. Sie betrachtete ihn lange und sah, dass es ein gutes Kind war. Da wurde sie traurig, da ja der Befehl des Königs bestand, dass alle Jungen, die geboren werden, im Nil ertränkt werden sollten. Da ging sie hin, und versteckte ihn drei Monate lang. Aber länger konnte sie ihn nicht verstekken, ohne dass er gefunden worden wäre. Deshalb nahm sie ein kleines Kästchen, schlug es aus und versiegelte es, dass kein Wasser eindringen konnte, legte das Kind dort hinein und brachte das Kästchen in das Schilf am Ufer des Nils. Die Schwester des Kindes kam mit, stellte sich abseits auf, und beobachtete, was mit dem Kästchen und ihrem Bruder geschehen würde.

Es ging nicht lange, da kam die Tochter des Pharao an den Nil. Sie wollte im Nil baden, und ihre Dienerinnen gingen am Ufer entlang, während die Tochter des Pharao im Wasser schwamm. Da entdeckte sie das Kästchen, das im Schilf hin und her schaukelte, und rief sofort eine der Dienerinnen und befahl ihr, das Kästchen aus dem Schilf zu holen. Und als die Dienerin das Kästchen öffnete, da sahen sie das Kind darin liegen, wie es weinte und strampelte. Das rührte die Tochter des Pharao und sie sagte: „Schaut mal. Das ist sicher ein Kind von den Hebräern, das hier ausgesetzt worden ist.“

Die Schwester des Kindes, das abseits alles beobachtet hatte, kam aus ihrem Versteck heraus und schlenderte wie zufällig am Ufer entlang und sagte zu der Tochter des Pharao: „Soll ich hingehen und dir eine Amme von den Hebräern holen, damit das Kind gestillt werden kann?“ Und die Tochter des Pharao antwortete ihr: „Geh schnell!“ Aber die Schwester des Kindes holte natürlich ihre Mutter.

Als die Mutter kam, sagte die Tochter des Pharao: „Nimm dieses Kind und stille es, damit es nicht verhungert. Ich werde dich dafür belohnen.“

Und so nahm die Mutter ihr eigenes Kind mit sich, stillte es, pflegte es und zog es groß. Dann brachte sie das Kind wieder zu der Tochter des Pharao, die den Jungen adoptierte. Sie nannte ihn Mosche, denn, so sagte sie: „Aus dem Wasser habe ich ihn gezogen.“

Die Flucht des Mosche

Als Mosche herangewachsen war, kam es, dass er einmal durchs Land ging, um das Land zu erkunden. Da sah er, wie die Jisraeliten, seine Brüder, als Sklaven schwerste Arbeiten machen und schuften mussten, und wie sie von ihren Aufsehern geschlagen wurden. Und wie er sich das so anschaute, geschah es, dass ein ägyptischer Aufseher einen Hebräer nicht nur schlug, damit der noch mehr arbeite, sondern so fest auf ihn einschlug, dass der Hebräer an den Schlägen starb. Er verfolgte den Ägypter, und als er um sich schaute und sah, dass niemand weiter mehr da war, da ging er hin und auf den Ägypter los und erschlug auch diesen mit einem großen Stein in der Hand. Anschließend verscharrte er den Toten im Sand, damit er nicht entdeckt würde.

Als er wieder im Land und bei seinen Brüdern, den Hebräern, war, da erlebte er, wie zwei Hebräer miteinander stritten. Da mischte sich Mosche ein und sagte zu dem einen: „He du, was schlägst du deinen Bruder?“ Da wurden beide Hebräer, die gerade noch gestritten hatten, ganz ruhig, sahen Mosche an, und der eine sagte nur: „Hat dich jemand um dein Urteil gebeten, hat dich jemand zum Richter eingesetzt? Willst du mich auch erschlagen, wie du neulich einen Ägypter umgebracht und verscharrt hast?“

Als Mosche das hörte, erschrak er, denn er musste erkennen, dass nicht verborgen blieb, was er gemacht hatte. Deshalb ging er sofort zurück nach Hause. Dort erfuhr er aber bald, dass die Sache schon beim Pharao angezeigt worden war und dass Pharao ihn töten wollte. Schnell packte er einige Sachen und floh von zuhause und reiste in das Land Midian.

Mosche in Midian

Dort in Midian ließ sich Mosche nieder.

Der Priester von Midian, er hieß Reuel, hatte sieben Töchter. Wie es ihre Aufgabe war, gingen sie hinaus in die Felder, um die Schafe ihres Vaters zu tränken. Aber es drängten sich andere Hirten heran und verjagten die Mädchen. Das beobachtete Mosche, der in der Nähe des Brunnens war. Und er kam dazu und half den Mädchen, ihre Schafe zu tränken.
Als die Mädchen wieder zurück nach Hause kamen, meinte ihr Vater nur: „Nu, was seid ihr heute so früh?“ Da berichteten die Töchter, dass ein Mann aus Ägypten ihnen geholfen und sie vor den üblen Hirten beschützt habe. Und Reuel, der Priester, fragte sie daraufhin: „Ja und? Wo ist der Mann nun? Habt ihr ihn etwa einfach dort stehen lassen? Worauf wartet ihr! Geht hinaus aufs Feld, und holt mir den Mann herbei.“

So kam Mosche in das Haus des Priesters von Midian. Und sie freundeten sich an, so dass Mosche nun regelmäßig in diesem Haus verkehrte. Bis der Priester von Midian dem Mosche seine Tochter Zippora zur Frau gab. Das nahm Mosche gerne an, und die beiden heirateten.

Es ging nicht lange, da wurde Zippora schwanger und gebar einen Sohn. Mosche nannte diesen Sohn Gerschom, denn der Name sollte an sein Fremdsein in einem fremden Land erinnern.

Die ganze Zeit über aber klagten und seufzten die Jisraeliten in Ägypten. Denn sie mussten harte Arbeit verrichten. Auch der Tod des Pharao und die Einsetzung eines neuen Pharao änderte daran nichts. Sie waren und blieben Sklaven und hatten für die Ägypter die härteste Arbeit zu tun.

Ihr Klagen und Seufzen war laut vernehmbar, es stieg bis zu G“tt empor. G“tt hörte das Jammern des Volkes, und er dachte an die Versprechen, die er Avraham, Jizchaq und Jaaqov gegeben hatte. Und G“tt sah auf seine Kinder Jisraels, und dachte an sie und nahm sich ihrer an.

Mosche am Dornbusch

(3) Während Mosche bei seinem Schwiegervater Jithro, dem Priester von Midian, wohnte, hütete er für gewöhnlich dessen Schafe. Und es kam einmal vor, dass er die Schafe immer weiter fort trieb, hinaus in die Wüste, bis hin zu dem Berg, den man später den Berg G“ttes oder auch den Chorev nannte. Als er am Fuß des Berges stand, da sah er plötzlich einen Dornbusch vor sich. Der Dornbusch brannte, und in dem Dornbusch sah er eine Engelsgestalt. Die Engelsgestalt stand mitten in den Flammen. Mosche schaute genauer hin, da sah er, dass der Dornbusch zwar brannte, aber er verbrannte nicht, das Feuer schlug hoch, solange es brannte. Und das wollte sich Mosche genauer ansehen. Denn so ein Ereignis sieht man nicht alle Tage.

Als der Ewige sah, dass Mosche näher kam, um sich den Dornbusch anzuschauen, rief er ihm aus dem Dornbusch heraus zu: „Mosche! Mosche!“

Mosche antwortete: „Hier bin ich!“

Aber der Ewige sagte: „Tritt nicht näher heran. Zieh zuerst deine Schuhe aus, denn der Ort, an dem du stehst, ist heilig.“ Nach einer kleinen Pause rief der Ewige ihm wieder zu: „Ich bin der G“tt deines Vaters, der G“tt Avrahams, der G“tt Jizchaqs und der G“tt Jaaqovs.“

Als Mosche das hörte, verdeckte er sein Gesicht, denn er traute sich nicht, G“tt anzuschauen.

Aber der Ewige redete weiter: „Sieh! Ich habe gesehen, wie mein Volk bei den Ägyptern leidet. Wie sie schreien und klagen. Deshalb habe ich mich herabgelassen, um mein Volk zu retten. Ich will sie von den Ägyptern trennen und sie in ein schönes und weites Land führen, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Und du sollst mir dabei helfen: Geh du zum Pharao und führe mein Volk, die Kinder Jisraels, aus Ägypten heraus.“

Mosche erschrak nicht schlecht, als er das hörte und fragte nur: „Wer bin ich denn, dass ich einfach zum Pharao hingehen und die Kinder Jisraels fortbringen könnte?“

G“tt antwortete nur: „Ich werde mit dir und dir behilflich sein. Und das sage ich dir, das soll dir zum Zeichen sein dafür, dass ich dich geschickt habe: Ihr werdet, wenn ihr erstmal frei sein werdet, hier an diesem Berg mir dienen.“

Aber Mosche war noch nicht beruhigt: „Gut. Ich gehe also zu den Kindern Jisraels. Und ich sage ihnen, dass der G“tt ihrer Väter mich geschickt habe. Und was ist, wenn sie dann fragen: Der G“tt unserer Väter, der G“tt unserer Väter – wie heißt er denn, der G“tt unserer Väter? Was antworte ich dann, wie er heißt?“

Da begann G“tt und sagte Mosche: „`Ich bin der, der immer da sein wird´, das ist mein Name. Sag ihnen also: Der, der immer da sein wird, der hat mich geschickt. Oder einfach: Der Ewige, der G“tt eurer Väter, der G“tt Avrahams, der G“tt Jizchaqs, der G“tt Jaaqovs, der hat mich geschickt. Das also ist mein Name, so werde ich immer heißen, und mit diesem Namen wird man stets an mich denken. Geh nun also hin, versammle die Ältesten des Volkes um dich herum und sage ihnen: Den Ewigen, den G“tt eurer Väter, den G“tt Avrahams, den G“tt Jizchaqs, den G“tt Jaaqovs habe ich gesehen und er hat zu mir gesagt, dass er die ganze üble Lage seines Volkes erkannt hat und dass er euch hier aus dem ganzen Elend Ägyptens herausführen und euch in das Land Kenaan bringen will. Hab keine Angst, sie werden auf dich hören und dir folgen, sobald du das alles sagst. Danach geh aber mit den Ältesten Jisraels zum Pharao Ägyptens, und dem sage: `Der Ewige, der G“tt der Hebräer, hat sich seinem Volk gezeigt. Deshalb lass uns drei Tage aus Ägypten hinausreisen in die Wüste, damit wir unserem G“tt Geschenke bringen können. Aber der Pharao wird euch nicht ziehen lassen. Erst wenn ich meine Hand gegen Ägypten ausstrecken und meine Wundertaten an Ägypten vollziehen werde, dann werdet ihr ziehen können. Und ich werde den Ägyptern den Kopf so verdrehen, dass ihr zum Auszug auch noch silberne und goldene Geräte und Kleidungsstücke mitbekommt. So werdet ihr Ägypten zum Schluss auch noch schaden.“

(4) Aber auch diese lange Rede G“ttes beruhigte Mosche noch nicht vollständig, denn er wand ein: „Aber die Kinder Jisraels werden mir trotzdem nicht glauben. Sie werden einfach nur sagen: `Unsinn, du hast den Ewigen ja gar nicht gesehen, und gesprochen hat er mit dir auch nicht´.“

Da zeigte der Ewige auf Mosches Hand und fragte: „Was hast du da in deiner Hand?“

„Einen Stab.“

„Wirf ihn mal zu Boden.“ Und Mosche warf den Stab, den er in der Hand hielt, auf den Boden. Als der Stab aufschlug, da war der Stab plötzlich kein Stab mehr, sondern eine Schlange. Und Mosche erschrak und wich zurück.

Da sagte der Ewige: „Nun ergreife die Schlange an ihrem hinteren Ende.“ Und Mosche tat so. Als er sie ergriffen hatte, da wurde die Schlange wieder zu einem Stab.

Und der Ewige sagte: „So werden sie dir ganz bestimmt glauben, dass du den Ewigen gesehen hast. – Aber ich gebe dir noch ein zweites Zeichen. Stecke deine Hand in deine Brust.“ Mosche machte es. Und als er die Hand wieder herausnahm, da war sie aussätzig und weiß wie Schnee. „Und jetzt stecke sie wieder hinein.“ Und Mosche tat so. Und als er seine Hand wieder hervornahm, da war sie wie vorher.

Daraufhin meinte G“tt: „Wenn sie dir also nicht glauben, so kannst du sie mit diesen Zeichen beeindrucken. Sollte das alles nicht helfen und sie dir nicht glauben wollen, dann nimm Wasser aus dem Nil, schütte es aus, und das ausgegossene Wasser wird zu Blut.“
Aber Mosche erwiderte: „Schön und gut, Herr. Das Problem ist aber, dass ich kein großer Redner bin. Ich war das noch nie, das weißt du. Ich habe nunmal eine schwerfällige Sprache und stottere. Darum kann ich nicht gut reden, und deshalb werden sie nicht auf mich hören.“

Auch diesen Einwand entkräftete der Ewige: „Was redest du? Wer hat denn dem Menschen die Sprache verliehen, einen Mund, eine Zunge geschaffen. Wer macht stumm, wer taub? Doch wohl ich selbst, der Ewige! Keine Widerrede, gehe hin, wie ich es dir gesagt habe, ich werde dich schon das Rechte zur rechten Zeit zu sprechen lehren.“

Aber Mosche wurde immer verdrießlicher und versuchte noch einmal, gegen den Ewigen zu reden: „Ach, Herr, sende doch, wen du willst!“

Da wurde der Ewige aber zornig und er fuhr Mosche an: „Jetzt reicht es aber! Hast du nicht einen Bruder, Aharon? Ich weiß, dass der vorzüglich reden kann. Nimm also ihn mit. Er wird für dich reden. Du sagst ihm, was er zu sagen hat, und er wird es in die schönsten Sätze setzen. Aber den Stab, den nimmst du in deine Hand.“

Mosche geht zurück nach Ägypten

Danach ging Mosche von diesem Ort fort, wieder zurück zu seinem Schwiegervater Jeter. Aber dort blieb er nicht lange, vielmehr sagte er seinem Schwiegervater: „Ich würde gerne wieder zurückkehren zu meinen Brüdern in Ägypten, sehen, wie es ihnen geht. Ich habe Sehnsucht nach ihnen.“ Jithro antwortete Mosche: „Geh in Frieden.“

Da sagte der Ewige zu Mosche: „Nun auf! Geh nach Ägypten zurück. Es wird dir dort auch nichts mehr passieren, denn alle Leute, die dir böse wollen, sind bereits gestorben.“

Und so nahm Mosche seine Frau und seine Kinder, setzte sie auf Esel und machte sich auf den Weg nach Ägypten. Den Stab G“ttes, der ihm als Zeichen vor Pharao dienen sollte, hatte Mosche natürlich eingepackt.

Und während Mosche mit seiner Familie unterwegs war, sprach der Ewige noch einmal mit Mosche und sagte ihm: „Wenn du nach Ägypten kommst, dann sieh zu, dass du alle Wunderzeichen, die du machen sollst, direkt vor dem Pharao machst. Aber ich werde es einrichten, dass der Pharao hartherzig wird und euch nicht aus Ägypten ziehen lassen wird. Und wenn er sich weigert, dann sollst du zu ihm hingehen und ihm sagen: `So spricht der Ewige: Jisrael ist mein erstgeborener Sohn. Und wenn du meinen erstgeborenen Sohn nicht gehen lässt, dann werde ich deinen erstgeborenen Sohn zu Tode bringen´.“

Aber als sie noch auf Reisen waren, da kehrten sie in eine Herberge ein, um eine Nacht dort zu verbringen. In dieser Herberge geschah es, dass der Ewige selbst Mosche entgegentrat und versuchte, ihn zu töten (da Mosche seinen jüngsten Sohn Elazar noch nicht beschnitten hatte). Und Zippora, seine Frau, sah das, und sofort nahm sie einen scharfen Stein und beschnitt damit ihren Sohn, nahm die abgeschnittene Vorhaut, warf sie vor die Füße (Mosches) und sagte (über ihren Sohn): Du bist mir zu einem blutigen Bräutigam geworden. Und sofort ließ der Ewige von Mosche ab, da sagte Zippora: „Wegen der Beschneidung bist du ein blutiger Bräutigam geworden.“

Während dieser Geschehnisse sprach der Ewige zu Aharon, dem Bruder Mosches: „Nun geh deinem Bruder Mosche entgegen. Er kommt nämlich schon durch die Wüste und ist bereits Ägypten nah.“

Also machte sich Aharon auf, wanderte in die Wüste. Nicht lange, da traf er an dem sogenannten Berg G“ttes auf Mosche; beide küssten sich zur Begrüßung. Nachdem sie einander erzählt hatten, was sie erlebt hatten, berichtete Mosche Aharon davon, wie der Ewige mit ihm gesprochen hatte, sprach von den Worten, die er dem Pharao sagen sollte, von den Wunderzeichen, die er vor dem Pharao tun sollte, und was Aharon dabei zu tun hatte.

So wanderten Mosche mit seiner Familie und Aharon in Ägypten ein. Kaum waren sie angekommen, da versammelten sie alle Ältesten der Jisraeliten, und Aharon sprach mit ihnen und erläuterte ihnen, was sie vorhatten. Aharon erzählte ihnen auch, dass Mosche besondere Wunder mit seinem Stab vollbringen könne. Und sofort führte Mosche die Wunder vor. Da glaubte das ganze Volk, dass Mosche kein Betrüger sei, und hörten ihnen zu, wie der Ewige an die Kinder Jisraels denke, wie er deren Elend gesehen habe und wie er sie retten wolle. Da verneigten sie sich und warfen sich auf den Boden nieder.

Erstes Treffen mit dem Pharao

(5) Als Mosche und Aharon nun alles den Kindern Jisraels berichtet hatten, gingen sie gleich zum Pharao. Da sagten sie vor ihm: „Wir wollen, dass du unser Volk hinausgehen lässt in die Wüste, denn unser Volk will ein Fest feiern. Und dazu müssen wir hinaus in die Wüste.“

Da fragte der Pharao ganz spöttisch: „Wer ist denn euer Ewiger, dass ich auf ihn hören und euch gehen lassen müsste? Ich wüsste nicht, wer euer Ewiger sein könnte. Und deshalb habe ich keinen Grund, euch gehen zu lassen.“

Aber Mosche und Aharon erwiderten: „Der G“tt der Hebräer hat sich uns gezeigt und mit uns gesprochen. Deshalb bitten wir darum, uns gehen zu lassen. Wir wollen nur drei Tagesreisen in die Wüste hineinwandern, dort wollen wir dem Ewigen, unserem G“tt, ein Geschenk bringen. Machen wir das nicht, so wird uns Schreckliches zustoßen: Wir werden getötet oder bekommen die Pest!“

Aber der Pharao erwiderte nur: „Warum haltet ihr das Volk von seiner Arbeit ab? Geht, und macht eure Arbeit, wie sie euch ansteht! Ihr seid schon so zahlreich, da wollt ihr noch Urlaub machen und zum Feiern gehen?“

Und so zogen Mosche und Aharon unverrichteter Dinge ab. Der Pharao befahl allerdings, dass die Jisraeliten ihr Material, mit dem sie die Ziegel anfertigten, nun selbst zusammenzusuchen hätten und dass es von nun an nicht mehr zu ihnen gebracht werden dürfe. Zu seinen Beratern sagte er: „Die Hebräer sind nur faul, deshalb wollen sie in die Ferien gehen und feiern. Aber wir müssen denen zeigen, was Arbeit bedeutet, wir müssen ihnen ihre Arbeit noch viel mehr erschweren, dann kommen sie auf keine dummen Gedanken und reden kein dummes Zeug mehr daher. Von wegen Ferien!“

Und die Aufseher gingen hinaus, wo die Jisraeliten arbeiteten, und gaben den Vorarbeitern der Jisraeliten bekannt, was der Pharao befohlen hatte. Und dass die Jisraeliten das Stroh für die Ziegel, die sie herzustellen hatten, nun selbst zusammensuchen müssten.

Das Volk beschwert sich

Und so zog das Volk aus ins Land und suchte überall das Stroh, das sie für die Ziegel benötigten. Aber die Aufseher trieben sie weiter an und bestanden darauf, dass sie die gleiche Anzahl an Ziegeln abzuliefern hätten, wie zuvor, als sie noch kein Stroh sammeln mussten. Und wenn sie es nicht schafften und sie nicht genügend Ziegel anfertigten, da wurden die Vorarbeiter der Jisraeliten geschlagen.

Das war den Vorarbeitern zu viel. Und sie gingen zum Pharao und beschwerten sich, dass die Aufseher die Arbeit noch schwerer gemacht und sogar geschlagen hätten. Sie sagten ihm: „Warum gehst du so mit uns um? Stroh sollen wir jetzt auch noch suchen, die Ziegel müssen aber in gleicher Anzahl geliefert werden. Das ist zu viel. Und schaffen wir nicht, was nicht zu schaffen ist, dann werden wir obendrein noch geschlagen. Als würde es dann schneller gehen!“

Doch der Pharao wollte von diesen Klagen nichts hören und winkte nur ab: „Ach was. Ihr seid nur faul und das Arbeiten nicht gewöhnt. Deshalb wollt ihr auch lieber nur in die Wüste spazieren und dort ein bisschen feiern. Alles dummes Zeug. Ihr geht jetzt fix an eure Arbeit. Und dass das klar ist: Das Stroh, das werdet ihr schon selbst einsammeln können.“

Als sie nun aus den Gemächern des Pharao hinaustraten, da trafen sie auf Mosche und Aharon, die dort auf sie warteten. Zu ihnen sagten die Vorarbeiter: „Das habt ihr ja fein angerichtet! Geht hin zum Pharao, und macht uns bei ihm verhasst. Und nun lässt er sein Mütchen an uns kühlen und macht uns das Leben erst richtig schwer. Der bringt uns noch um, wenn es so weiter geht! Oh G“tt, wenn nur ihr vom Ewigen bestraft würdet!“

Das betrübte Mosche sehr. Weshalb er zum Ewigen zurückkehrte und sagte: „Ach, mein Herr, warum lässt du es deinem Volk so übel ergehen? Warum hast du mich überhaupt hierhergeschickt. Seitdem ich beim Pharao war, geht es diesem Volk schlimmer als je zuvor. Das kannst du doch nicht wollen! Warum hast du keine Rettung gebracht?“

(6) Aber der Ewige sagte zu Mosche: „Lass dich nicht betrüben. Denn du sollst nun sehen, was ich mit Pharao vorhabe. Denn mit meiner starken Hand werde ich ihn packen, bis er mein Volk ziehen lässt. Was sage ich: Er wird sie davonjagen!“

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen

Wovor hatte der neue Pharao, der Josef nicht mehr kannte, Angst?

Der Pharao ging immer stärker gegen die Jisraeliten vor. Was alles ordnete er gegen sie an?

Wie hießen die hebräischen Hebammen?

Aus welchem Stamm stammte Mosche?

Was unternahm die Mutter Mosches, um ihn vor den Ägyptern zu retten?

Wer rettete Mosche aus dem Nil? Wer half dabei?

Wer gab Mosche seinen Namen? Weshalb?

Weshalb floh Mosche aus Ägypten?

Wohin flüchtete Mosche?

Wen heiratete Mosche? Wer war sein Schwiegervater?

Weshalb musste Mosche die Schuhe am Dornbusch ausziehen?

Was hat G“tt mit Mosche vor?

Wie „heißt“ G“tt?

Weshalb sträubt sich Mosche gegen den Auftrag G“ttes?

Was soll Mosche bei der Erfüllung seines Auftrags helfen (zwei Dinge)?

Wen nimmt Mosche mit, als er wieder nach Ägypten zurückkehrt?

Wie hießen die beiden Söhne Mosches?

Was machte die Frau Mosches mit ihrem jüngsten Sohn, als sie auf dem Weg nach Ägypten in eine Herberge eingekehrt waren?

Als Mosche und Aharon vor Pharao traten – wie reagierte da der Pharao?

Wie reagierte das Volk, als der Pharao die Jisraeliten nicht gehen lassen wollte?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Am Dornbusch zeigte sich G“tt dem Mosche und stellte sich mit mehreren Namen vor. Was bedeuten die verschiedenen Namen G“ttes? Weshalb stellt sich G“tt überhaupt mit mehreren Namen vor? (Denk dabei an die Stammvätergeschichten aus dem ersten Buch!)

Wovor hat Mosche eigentlich Angst, als er den Auftrag von G“tt erhält, das Volk Israel aus Ägypten zu führen? Hat Mosche zurecht Angst davor gehabt?

4 Gedanken zu „Paraschat Schemot

    1. Bruno E. Landthaler Beitragsautor

      Ganz einfach natürlich G-o-t-t. Wir haben diese Schreibweise gewählt, weil es einige vor allem orthodoxe Kreise im Judentum gibt, die auch die Gattungsbezeichnung Gott in der Schreibweise verkürzen, um dadurch die besondere Ehrbezeigung, die dem Namen G“ttes gilt, zum Ausdruck zu bringen, auch wenn die Gattungsbezeichnung nicht eigentlich der Namen G“ttes ist. Da diese Bibel für Jugendliche in erster Linie (ohne ausschließend sein zu wollen) für jüdische Jugendliche geschrieben ist, haben wir darauf Rücksicht genommen, da es im Moment die einzige jüdische Tora ist, die es in deutscher Sprache für Kinder und Jugendliche gibt.

  1. chris

    warum läst ihr den Titel g“tt nicht ganz raus. Der Allmächtige oder der Ewige-das ist ein annehmbarer Titel. Wenn ihr die Wahrheit doch kennt, so lasst uns doch im Ganzen an der Wahrheit teilhaben. Auch unseren Kindern zu liebe!

    1. Bruno E. Landthaler Beitragsautor

      Erstens: wir sind dem hebräischen Text verpflichtet. Da steht nun mal nicht nur „der Ewige“, sondern eben auch „G“tt“. Das ist übrigens in jeder Bibel, auch den christlichen, so übersetzt.
      Zweitens: Warum „wir“ die Wahrheit kennen sollen, ist mir nicht ganz einsichtig. Da schießt wohl jemand aus einer Ecke, die ich lieber nicht einordnen will. Ich wüsste nicht, welcher Mensch die Wahrheit für sich gepachtet hat. Das hier ist ein Angebot, das angenommen werden kann, aber nicht muss. Wir wollen – anders als andere Sites – niemanden missionieren. Wir wollen ganz einfach, dass der biblische Text auch Kindern nahegebracht werden soll. Wir haben deshalb auch keine spezifische Ideologie vor die Übetragung gebaut. Dass wir trotzdem eine eigene Sicht auf den Text haben, ist hermeneutisch zwangsläufig der Fall. Wem diese Sicht nicht passt, muss hier auch nicht rumstöbern. Es gibt tausend andere Angebote im Netz, da wird das Richtige schon dabei sein.

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