Paraschat Wajechi

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Menasche und Efrajim

(47,29) Jaaqov lebte im Land Ägypten insgesamt siebzehn Jahre. Und er war 147 Jahre alt, da spürte er, dass es mit ihm langsam zu Ende gehen würde. Da ließ er seinen Sohn Josef zu sich rufen und sagte ihm:

„Wenn ich, lieber Josef, um etwas bitten dürfte? Lege deine Hand unter meine Hüfte zum Zeichen, dass du mir etwas versprichst! Ich bitte dich darum, dass du mich nicht in Ägypten begräbst, wenn ich gestorben sein werde. Ich möchte bei meinen Vätern liegen. Deshalb führe mich aus Ägypten hinaus und begrabe mich dort, wo meine Väter schon begraben sind.“ Und Josef versprach es. Aber Jaaqov war das noch nicht genug: „Schwöre es mir!“ Und Josef schwor es. Da legte Jaaqov seinen Kopf zurück auf sein Bett.

(48) Nach einiger Zeit berichtete man Josef, dass sein Vater Jaaqov krank geworden sei. Sofort nahm Josef seine beiden Söhne Menasche und Efrajim, die ihm in Ägypten geboren worden waren, mit und ging zu seinem Vater Jaaqov. Da wurde Jaaqov mitgeteilt, dass sein Sohn Josef zu ihm komme.

Jaaqov richtete sich mit seiner letzten Kraft auf und setzte sich in seinem Bett hin. Als Josef eingetreten war, sagte Jaaqov zu ihm: „Mein Sohn! Schau, G“tt, der Allmächtige, er erschien mir im Land Kenaan, und er segnete mich und er sagte zu mir, dass ich fruchtbar sein und viele Kinder und Enkel haben würde, und dass eine ganze Menge von Völkern einmal von mir abstammen und dass meine Nachfahren das Land Kenaan einmal in Besitz nehmen würden und dort wohnen könnten. Und deshalb sollen auch deine beiden Söhne, die du bei dir hast – Efrajim und Menasche -, auch zu mir gehören, wie Reuven und Schimon zu mir gehören. Die Kinder, die du nach diesen beiden bekommen wirst, die sollen dann zu dir gehören. Aber überlasse mir deine beiden Söhne Efrajim und Menasche (damit sie später einmal ihren Anteil am Land erhalten sollten).

Und als Jaaqov aufsah, da sah er die beiden Söhne Josefs und fragte: „Und wer sind diese beiden da?“

„Aber Vater, das sind meine Söhne, die mir G“tt geschenkt hat.“

„Komm! Bring sie hierher ans Bett. Ich möchte sie gerne noch segnen, solange ich kann!“
Jisraels Augen waren nämlich schon ganz schwach geworden, und er konnte kaum noch etwas sehen. Josef führte seine Söhne weiter nach vorn, hin zum Bett. Da küsste und umarmte sie Jaaqov.

„Ich konnte schon nicht glauben, dich je wieder sehen zu dürfen. Und nun? Nun sehe ich nicht nur dich, sondern auch noch deine Kinder. Welch eine Freude!“

Und Josef nahm die beiden von Jaaqov wieder fort und warf sich selbst mit dem Gesicht auf den Boden. Erst nach einer Weile nahm er wieder die beiden, Efrajim und Menasche, und führte sie so vor Jaaqov, dass Efrajim links und Menasche rechts von Jaaqov zu stehen kamen. Da streckte Jisrael seine rechte Hand aus und legte sie auf den Kopf Efrajims, der links neben ihm stand, und seine linke Hand streckte er aus und legte sie auf den Kopf Menasches, der rechts neben ihm stand, Jaaqov machte dies mit Bedacht, obwohl Menasche der erstgeborene Sohn Josefs war und deshalb die rechte Hand verdient hätte.
Und Jaaqov segnete auf diese Weise Josef und sagte:

„Der G“tt meiner Väter Avraham und Jizchaq, der G“tt, der mich stets, seitdem ich lebe, bis heute gehütet, der Engel, der mich vor allen Gefahren gerettet hat, er segne die Kinder, denn mit ihnen soll mein Name und der Name von Avraham und Jizchaq weiterleben, und wie die Fische sollen sie sich auf der Erde vermehren.“

Als Josef aber sah, dass sein Vater die rechte Hand auf den Kopf Efrajims statt auf den Menasches gelegt hatte, wurde er ganz nervös, stand auf und nahm die Hand seines Vaters, um sie auf den Kopf Menasches zu legen. Dabei flüsterte er seinem Vater zu: „Nicht so, mein Vater. Denn Menasche ist der Erstgeborene, nicht Efrajim, und deshalb sollst du die rechte Hand auf Menasche legen.“ Jaaqov widersetzte sich aber Josef und beharrte darauf, wie er die Hände gelegt hatte und antwortete: „Ich weiß, ich weiß. Menasche wird auch zu einem großen Volk werden. Aber sein jüngerer Bruder wird zu einem größeren Volk werden.“ So segnete Jaaqov die beiden Söhne Josefs und sprach: „So wird Jisrael seine Kinder segnen, indem es spricht: G“tt lasse dich wie Efrajim und Menasche werden.“ So bevorzugte Jaaqov Efrajim vor Menasche.

Jisrael sagte daraufhin zu Josef: „Josef, ich werde sterben! Aber G“tt wird mit euch sein. Er wird euch in das Land unserer Väter zurückführen, das verspreche ich dir. Und ich werde dir einen eigenen Anteil vom Land geben, (nämlich Schechem, wo man dich begraben wird).“

Der Segen und der Tod Jaaqovs

(49) Als Jaaqov nun spürte, dass er bald sterben würde, da rief er alle seine Kinder um sich zusammen und sagte zu ihnen:

„Kommt her zu mir, ich will euch über euch etwas sagen, hört mir zu!“ „Du, Reuven, bist der Erste unter meinen Kindern, du müsstest der Größte von ihnen sein, du hast aber etwas Schreckliches getan, deshalb bist du der Größte nicht. Ihr, Schimon und Lewi, seid euch gleich. Ihr habt Gewalt im Kopf, ihr habt in wüstem Zorn gemordet. Deshalb sollt ihr zerstreut werden unter Jisrael. Auf Jehuda schauen aber alle. Er ist wie ein junger Löwe, seine Macht soll er nie verlieren. Sevulun wohnt an der Küste, dort, wo die Schiffe vor Anker gehen. Jissaschar ist wie ein starker Esel, und wo das Land so reizvoll ist, da leiht er den Lasten seine Schultern. Dan ist der Richter des Volkes, er ist wie die Schlange auf dem Weg, die dem Pferd in die Ferse sticht. Gad wird von vielen bedrängt, doch er drängt zurück. Bei Ascher wachsen die Leckereien, er beliefert den königlichen Hof. Naftali ist wie ein schlanker Baum, der hoch in den Himmel ragt. Josef ist wie ein junger Baum an der Wasserquelle, aber man hasste ihn und alle lauerten auf ihn. Er blieb aber fest, weil er die Kraft des G“ttes Jisraels hatte, auf die er hoffen konnte. Er soll deshalb mit allen Segnungen gesegnet sein. Benjamin ist wie ein räuberischer Wolf, der morgens seine Beute frisst.“ Alle segnete er mit einem besonderen Segen.

Danach sagte er zu allen: „Meine Kinder, ich werde nun sterben. Versprecht mir, dass ihr mich in der Höhle in Machpela begrabt, also dort, wo mein Großvater Avraham ein Stück Land gekauft hat als Grabstätte für seine Frau Sara und für sich. Dort, in dieser Höhle, liegen auch Jizchaq und Rivqa, meine Eltern, und Lea, meine Frau. Dort also sollt ihr mich auch begraben.“

Als Jaaqov alle diese Worte gesagt und alles gerichtet hatte, zog er sich auf sein Bett zurück, und dort starb er.

(50) Da warf sich Josef auf seinen Vater und weinte an seinem Hals eine lange Zeit. Als er sich wieder erhob, befahl er den Ärzten, Jaaqov einzubalsamieren, wie es in Ägypten üblich war. Und so balsamierten die Ärzte Jisrael ein.

Jaaqovs Begräbnis

Nach vierzig Tagen – solange dauerte das Einbalsamieren – beweinten auch die Ägypter Jaaqov, und zwar siebzig Tage lang, wie sie es gewohnt waren. Aber als die Zeit der Klage und der Trauer vorüber war, ging Josef zum Pharao und sagte ihm: „Mein Vater hat mich schwören lassen, dass ich ihn nach seinem Tod in seiner Grabstätte in seiner Heimat begraben soll. Und so will ich es jetzt tun: Ich möchte in meine alte Heimat ziehen, um meinen Vater zu begraben, und wenn ich das erledigt habe, werde ich wieder nach Ägypten zurückkehren.“

Da antwortete der Pharao: „Nun denn, mach, was du geschworen hast.“

Und so reiste Josef nach Kenaan, um seinen Vater zu beerdigen. Und mit ihm waren nicht nur Diener des Pharao, sondern auch seine ganze Familie, also seine eigenen Söhne, seine Brüder und die ganze Familie seines Vaters. Nur die Kinder der Brüder blieben zurück, wie auch die ganzen Herden ebenfalls zurückblieben.

Als sie ankamen, hielten sie inne, um für Jaaqov noch einmal laut zu klagen und zu trauern. Sieben Tage lang verharrten sie dort in Trauer. Und genau so, wie Jaaqov es von seinen Söhnen verlangt hatte, machten sie es: Sie trugen ihn nach Kenaan und begruben ihn in der Höhle Machpela, in dem Feld also, das Avraham vor langer Zeit einmal gekauft hatte.
Zurück in Ägypten

Als Josef seinen Vater begraben hatte, kehrte er, zusammen mit all denen, die mit ihm waren, nach Ägypten zurück.

Zurück in Ägypten, hatten die Brüder wieder Angst vor Josef, denn sie dachten sich, dass nun Josef gegen sie wieder Hass verspüren könnte, wo der Vater nicht mehr da war. Und aus dieser Angst heraus ließen sie Josef sagen: „Du sollst wissen, dass unser Vater folgendes vor seinem Tod festgelegt hat: Josef solle seinen Brüdern verzeihen, er solle die Untaten der Brüder vergeben.“ Und nun wollen wir, dass du das auch tust. Aber Josef begann, als er sie so sprechen hörte, zu weinen. Und auch seine Brüder kamen auf ihn zu und warfen sich vor ihm auf den Boden und sagten ihm: „Nein, wir wollen dir dienen.“ Aber Josef half ihnen hoch und entgegnete: „Lasst nur. Bin ich etwa an G“ttes Stelle? Natürlich habt ihr mir Böses getan, aber G“tt hat es doch zu Gutem gewendet. Was wollt ihr also mehr.“

Und so tröstete Josef seine Brüder.

Josef blieb in Ägypten und kam Zeit seines Lebens nicht wieder nach Kenaan zurück. Er wurde 110 Jahre alt, er konnte noch die Enkel und Urenkel von Efrajim und auch die Kinder von Menasches Sohn Machir sehen. Aber als er alt geworden war und merkte, dass er schwach wurde, sagte er zu seinen Brüdern: „Ich sterbe, ich spüre es. Denkt daran, dass euch G“tt aus diesem Land wieder zurückbringen wird. Er wird an euch denken und euch aus Ägypten in das Land zurückbringen, das er einst Avraham, Jizchaq und Jaaqov versprochen hatte.“ Und in dieser letzten Stunde seines Lebens ließ er die Brüder schwören, dass sie, wenn G“tt an sie denkt und sie aus Ägypten herausführen wird, seinen Leichnam dann mitnehmen sollen.

So starb Josef, 110 Jahre alt. Man balsamierte ihn ein und legte ihn in einen Sarg.

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