Paraschat Wajeze

Den vollständigen Text der Parascha findet Ihr in unserem Buch Erzähl es deinen Kindern. Die Torah in fünf Bänden. Band 1 Bereschit / Am Anfang, Ariella-Verlag, Berlin, ISBN 978-3-9813825-9-4, 28,80 €, gebunden 128 S. mit 12 Illustrationen.
Hier präsentieren wir Auszüge sowie Fragen zur Parascha.

Einleitung

In dieser Parascha wird die Geschichte unseres Stammvaters
Jaakov weitererzählt. Jaakov reist nach Mesopotamien, in die
Heimat seiner Mutter Rivka. Dort trifft er seinen Onkel Lavan,
heiratet dessen beiden Töchter Leah und Rachel und bekommt
im Laufe der Zeit elf Söhne von vier Frauen (vom zwölften erzählt
die nächste Parascha). Er trennt sich wieder von Lavan
und reist zurück nach Knaan, seiner Heimat. Damit hat Jaakov
den Grundstein für das Volk Jisrael gelegt. Denn aus den zwölf
Söhnen Jaakovs gehen später die zwölf Stämme Jisraels hervor,
die zusammen das Volk Jisrael bilden.
Besonders interessant ist, wie die Geschichte von der Volkwerdung
Jisraels erzählt wird. Es ist nämlich nicht einfach
eine Abfolge von verschiedenen Ereignissen, sondern eine
dramatische Geschichte. Jaakov wird immer wieder von seinem
Onkel Lavan übervorteilt: Will Jaakov zunächst Rachel zur
Frau haben und arbeitet dafür sieben Jahre für Lavan, so bekommt
er am Ende nur die Schwester Leah zur Frau und muss
für Rachel weitere sieben Jahre arbeiten. Die gesamte Jaakov-
Erzählung ist also keine »Heiligenlegende«, sondern eine
Geschichte aus dem Leben, wo es um Trug, Vorteilnahme und
Lüge geht (wie auch in der vorangegangenen Parascha).
Diesen Weg muss Jaakov gehen, auch wenn G’tt ihm seinen
Beistand zuspricht. G’tt ebnet Jaakov keineswegs den Weg,
damit dieser bequem seine Bestimmung erfüllen kann.
Das zeigt also, dass Jisrael von Anfang an mitten im Leben der
Völker stand, angewiesen auf andere, angefeindet von anderen
und Verträge mit anderen schließend, um in einem Miteinander
leben zu können. Dass Jisrael von G’tt »erwählt« worden
ist, hat also nichts von dieser Lebenswirklichkeit genommen,
zumindest erzählt uns die Torah von diesem ganz normalen
Leben, in dem Jisrael allenfalls dadurch ausgezeichnet ist, dass
es um die Bedeutung seines Tuns weiß: Jaakov ist der Beistand
G’ttes zugesagt, und Jaakov ist G’tt verpf lichtet.

(…)

Jaakov bei Lavan

29,1
Dann machte sich Jaakov auf und wanderte in das Land, aus
dem seine Mutter kam. Als er nach langen Tagen der Reise
endlich angekommen war, sah er einen Brunnen auf dem Feld,
um den sich Schafherden gelagert hatten. Jaakov ging hin und
fragte die Hirten: »Kennt ihr vielleicht Lavan, den Enkel von
Nachor?« Und sie antworteten ihm: »Ja, Lavan kennen wir.
Und schau, dort! Dort kommt gerade seine Tochter Rachel mit
ihren Schafen!«
Als Rachel beim Brunnen angekommen war, half Jaakov ihr,
die Schafe zu tränken. Dann wurde er ganz gerührt und sagte
ihr, dass er der Sohn von Rivka sei, die doch die Schwester von
Rachels Vater war. Da wurde Jaakov in das Haus von Lavan
eingeladen und konnte dort bleiben.

Jaakov heiratet

So blieb Jaakov eine ganze Weile bei seinem Onkel Lavan und
half ihm bei den Schafen. Lavan hatte zwei Töchter: Die ältere
hieß Leah, die jüngere Rachel. Leahs Augen waren schön und
ihr Blick weich, Rachel aber war auch sonst sehr gut aussehend.
Und es war Rachel, die Jaakov sehr gefiel. Deshalb ging er zu
Lavan und sagte ihm: »Ich will bei dir sieben Jahre arbeiten,
und dafür möchte ich Rachel, deine jüngere Tochter, heiraten.
« Damit war Lavan einverstanden.
Und so arbeitete Jaakov sieben Jahre lang bei Lavan. Für
Jaakov verging die Zeit wie im Flug, denn er liebte Rachel sehr
und war bereit, alles für sie zu tun.
Am Ende der sieben Jahre ging Jaakov zu Lavan und wollte
Rachel heiraten. Da bereitete Lavan ein großes Fest für die
Hochzeit vor. Doch Lavan gab nicht Rachel zur Frau, sondern
die ältere Schwester Leah. Da wurde Jaakov zornig, aber Lavan
sagte ihm: »Es ist bei uns nicht üblich, dass die Jüngere zuerst
heiratet. Deshalb wollen wir es so machen: Halte die Hochzeitswoche
mit Leah ab, und dann gebe ich dir auch Rachel
zur Frau. Du musst aber dann nochmals sieben Jahre für mich
arbeiten.« Und so wurde auch Rachel Jaakovs Frau.
Leah bekam von Lavan die Dienerin Silpa, und Rachel die
Dienerin Bilha.

(…)

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen

Was sieht Jaaqov im Traum?

Wen heiratet Jaaqov? Wer ist sein Schwiegervater?

Wieviele Jahre muss Jaaqov für seine beiden Frauen bei Lavan dienen?

Von wievielen Kindern(!) Jaaqovs wird in dieser Parascha erzählt?

Mit wievielen Frauen hatte Jaaqov Kinder. Welches sind die Frauen?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Jaaqov hatte seine Kinder von mehreren Frauen. Erinnert dich die Geschichte, wie Lea und Rachel Jaaqov zu ihren Dienerinnen schicken, an eine Geschichte, die wir schon hatten?

Wieviele Söhne wird Jaaqov insgesamt haben? Welche Bedeutung haben diese Söhne für das Volk Jisrael?

Kannst du dir denken, weshalb ausgerechnet Rachel die Unfruchtbare war, und nicht Lea  (es gibt auch eine Erklärung im Text!)?

In der nächsten Parascha wird erzählt, dass Rachel stirbt. Und zwar stirbt sie relativ jung. Da hat Raschi gesagt, dass das seinen Grund in einer Textstelle in dieser Parascha hat. Kannst du dir denken, welche Textstelle den Grund liefert, dass Rachel so jung gestorben ist?

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