Einleitung zur Paraschat Wajera

Immer wieder gibt es die unterschiedlichen Bezeichnungen

»G’tt« (Elohim) und »der Ewige« (der vierbuchstabige Name):

Beide meinen G’tt. In der Torah wird allerdings manchmal so,

manchmal so geschrieben. Wobei hinter der Übersetzung »der

Ewige« der Name G’ttes steht, den wir Juden nicht aussprechen

dürfen. Ich denke, dass es auch sehr wichtig ist, beide

Bezeichnungen zu verwenden, damit unsere Kinder lernen,

dass wir nicht nur »G’tt« (oder gar einen »lieben G’tt«)

haben, sondern dass dieser G’tt auch einen Namen hat, den

wir so sehr achten, dass wir ihn lieber nicht aussprechen. Die

jüdische Tradition hat an beide Bezeichnungen übrigens eine

wichtige Aussage geknüpft; danach zeigt sich in Elohim der

G’tt der Gerechtigkeit (also auch der strenge G’tt!), im vierbuchstabigen

Namen (der Ewige) dagegen das Erbarmen

G’ttes. Beide Aspekte sind für unser G’ttesverständnis sehr

wichtig, da schon in der Torah G’tt immer wieder in diesen

beiden Weisen auftritt: Die Bibel bezeugt eben nicht nur einen

 

sich stets erbarmenden G’tt, sondern auch einen G’tt, der

»zornig« werden und Forderungen an den Menschen stellen

kann. Schließlich ist G’tt unser »Gegenüber«, an dem wir uns

nicht nur laben können (kein »Wohlfühl-G’tt«), sondern der

uns auch eine Reibungsgröße ist, die von uns eine Reaktion,

ein Verhalten erzwingt.

Zur Bindung Jizchaks (im Deutschen oft fälschlich als die

»Opferung Isaaks« bezeichnet): Diese Erzählung ist ganz eng

mit dem Neujahrsfest (Rosch ha-Schana) verknüpft. Der

Zusammenhang besteht darin, dass wir alle nur wegen dieser

Tat Avrahams auf das Erbarmen G’ttes hoffen können und

unsere Sünden nicht angerechnet bekommen (und Rosch

ha-Schana ist ja der Tag, an dem G’tt die guten und schlechten

Taten der Menschen aufrechnet!). Avraham war sozusagen

so gerecht, dass es auch seinen Nachkommen angerechnet

wird. Deshalb wird zu Rosch ha-Schana das Widderhorn, der

Schofar, geblasen, weil anstelle von Jizchak ein Widder geopfert

wurde, und daher wird diese Passage auch zu Rosch

ha-Schana in der Synagoge aus der Torah-Rolle gelesen.

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