Einleitung zu Paraschat Wajelech

Diese Parascha konzentriert sich schon ganz auf die Zeit, in

der die Jisraeliten das Land in Besitz genommen haben werden

und Mosche nicht mehr unter ihnen sein wird. Dazu wird nun

Jehoschua als Nachfolger Mosches und künftiger Anführer offiziell

eingesetzt. Auch die rabbinische Tradition (Mischna

Avot 1,1) hat diese wichtige Stellung des Jehoschua hervorgehoben,

denn Jehoschua empfing die Torah unmittelbar von

Mosche. Bei dieser »Amtsübergabe« wird ihm vor allem der

g’ttliche Beistand zugesichert.

Darüber hinaus organisiert Mosche den für das ganze Buch

Devarim zentralen Punkt: die Einhaltung der Gebote, damit

der Landbesitz auf Dauer gehalten werden kann. Denn wer

die Gebote nicht kennt, der kann sie auch nicht einhalten. Um

das Einhalten der Torah also zu ermöglichen, wird nun in die-

ser Parascha zweierlei festgelegt: Mosche schreibt die gesamte

Torah nieder und bestimmt gleichzeitig, dass künftig alle

sieben Jahre nach dem Sukkotfest eine Versammlung einzuberufen

sei, um eben diese Torah laut vorzulesen, damit der

Inhalt und der Wortlaut der Torah den Jisraeliten auch immer

gegenwärtig bleibe. Mit den Schlussreden und dem abschließenden

Segen begründet Mosche also noch vor dem Eintritt in

das Land gleichsam die erste Versammlung der Jisraeliten, die

künftig ein regelmäßiges Ritual werden soll. Jede und jeder

Einzelne der Jisraeliten wird dabei verpflichtet, die Torah zu

hören. Das schließt ganz explizit auch die Kinder ein sowie die

Fremden, die unter den Jisraeliten leben. Damit ist bereits in

der Torah selbst das grundgelegt, was im späteren Judentum

zur Selbstverständlichkeit werden sollte: die Konzentration

auf die regelmäßige Wiederholung der Torah, das gemeinsame

Lesen und Lernen der schriftlichen und mündlichen Grundlage

des Volkes Jisrael. In dieser Parascha findet sich daher auch

das letzte Gebot an die Jisraeliten, das besagt, dass eigentlich

jede und jeder verpflichtet ist, einen Sefer Torah, das heißt eine

Torah-Rolle, zu schreiben oder wenigstens schreiben zu lassen.

Entnommen aus: Liss/Landthaler, Erzähl es deinen Kindern, Bd. 5, Berlin 2016

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