Paraschat Chaje Sarah mit Raschi

Der Tod Saras

23,1
Sara war 127 Jahre alt. So alt wurde Sara. Dann starb sie in Kiryat-Arba, dem heutigen Hebron, im Land Kenaan. Und Avraham kam herbei, um seine Frau Sara zu betrauern. Und er weinte sehr um sie, denn er hatte sie sehr geliebt.

Kiryat-Arba: „Die Stadt der Vier“. Warum die ‚Vier’? Wegen der vier Ehepaare, die dort begraben wurden: Adam und Chawwa; Avraham und Sara; Jizchaq und Rivka; Jakob und Lea [Rachel ist nämlich in Efrata, das ist Bet-Lechem, begraben worden und zählt hier nicht mit].

Kam herbei: Woher kam er denn? Er kam aus Beersheva. Er war nämlich nach der Bindung Jizchaqs nach Beersheva gegangen. Man sieht daran, dass die Bindung Jizchaqs erst vor kurzem passiert war, aber es hatte Sara das Herz gebrochen, dass ihr Sohn fast geopfert wurde, so dass sie an ihrem Kummer starb.

Dann ging er zu den Söhnen Chets und sagte ihnen: „Meine Frau und ich haben bei euch immer als Fremde gewohnt, und ihr habt mich hier wohnen lassen. Es wäre schön, wenn ihr mir nun, da Sara gestorben ist, ein kleines Stück Land überlassen könntet, damit ich Sara begraben kann.“

Fremde gewohnt: Ursprünglich sind wir Fremde, Ausländer, denn wir kamen aus einem anderen Land, aber wir wohnen jetzt hier. Es liegt an euch, ob ich Sara nach dem Ausländerrecht begrabe (dann muss ich das Land kaufen), oder nach dem Recht der hier Ansässigen (dann steht es mir umsonst zu).

Da antworteten die Söhne Chets: „Hör uns in dieser Sache an! Du bist ein von Gott ganz besonders Begnadeter. Und deshalb und weil wir dich sehr respektieren, erlauben wir dir, deine Tote in einem unserer besten Grabstätten zu begraben. Niemand von uns wird dir das verwehren.“
Da stand Avraham auf, verneigte sich vor den Söhnen Chets und sagte ihnen in einem feierlichen Ton: „Ich schätze euer Angebot sehr! Aber wenn ihr wollt, dass ich meine Frau beerdige, dann wirkt doch auf Efron ein, dass er mir die Höhle von Machpela gibt. Ich werde den vollen Preis dafür bezahlen.“

Machpela: Im Wort ‚Machpela’  steckt das Wort ‚gedoppelt’: die Höhle hatte nämlich ein Untergeschoss und ein oberes Stockwerk. Auch von Dawid wird berichtet, dass er die Tenne des Jebusiters Arawna für den vollen Preis kaufte, um dort einen Altar zu errichten (2Sam 24,18-25). [Wie bei Avraham auch, muss Dawid das Angebot des Jebusiters zurückweisen und darauf bestehen, das Land kaufen zu wollen].

Da Efron selbst anwesend war, sagte er vor allen Leuten zu Avraham: „Aber Avraham, nicht doch! Hör mich an, wir wollen es folgendermaßen machen: Ich schenke dir die Höhle mitsamt dem Feld, nimm die Höhle und begrabe deine Frau darin.“

Selbst anwesend: Alle Leute ließen ihre Arbeit ruhen, um zur Ehre Saras am Tor zu sein.

Da stand wiederum Avraham auf, verneigte sich und begann zu reden: „Lieber Efron, hör mich an, alle ringsum sollen mich hören: Ich zahle dir den vollen Preis für das Feld, nimm das Geld von mir, und ich werde meine Tote begraben.“

Nimm das Geld: Ich möchte es nicht geschenkt haben, und ich möchte, dass du das akzeptierst.

Da antwortete Efron: „Mein Herr, hör mich an! Ein Stück Land, das einen Wert hat von vierhundert Schekel Silber, was hat das schon für einen Wert zwischen uns? Begrab nur deine Tote.“

Wert: Ist das überhaupt wichtig?

Da endlich war Avraham zufrieden, denn er verstand richtig, dass Efron ihm nun das Stück Feld mit der Höhle verkaufen wollte. Avraham zahlte den Preis für das Feld und die Höhle, die sich auf diesem Feld befand, das Stück Erde von Machpela.

2. Aufruf
Und so wurde das erste Stück Land dem Avraham zum Eigentum. Und Avraham ging hin und begrub seine Frau Sara in der Höhle auf dem Feld von Machpela, im Land Kenaan, bei Hebron.

Zum Eigentum: Das Feld, die Höhle und alle Bäume gingen in Avrahams Besitz über.

Jizchaq wird verheiratet

24,1
Avraham war alt und betagt, und der Ewige hatte ihn mit allem gesegnet. Da nun sagte er zu seinem ältesten Diener: „Mein Lieber, du musst mir etwas hoch und heilig versprechen! Dazu lege deine Hand unter meine Hüfte und dann schwöre mir beim Ewigen: dass du darauf achtest, dass mein Sohn Jizchaq keine Frau aus den umliegenden Völkern bekommt. Vielmehr sollst du selbst in das Land gehen, wo ich herkomme, und von dort sollst du meinem Sohn Jizchaq eine Frau nehmen.“

Mit allem: Der Zahlwert des Wortes ‚mit allem’  ist derselbe wie des Wortes ‚Sohn’, nämlich: 52, und deshalb wird nachfolgend erzählt, dass er für seinen Sohn eine Frau suchte. [Jeder Buchstabe im hebräischen Alphabet hat einen bestimmten Zahlwert. Damit können Wörter, die den gleichen Zahlwert haben, in Verbindung zueinander gebracht werden, auch wenn sie vielleicht auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Diese Art der Auslegung nennt man Gematria].

Unter meine Hüfte: Warum ausgerechnet unter seine Hüfte? Es meint hier: an sein Glied. Warum? Weil jeder, der einen Schwur tut, einen heiligen Gegenstand (wie z.B. die Torarolle) in die Hand nehmen muss, und die Beschneidung war das erste Gebot, das Avraham unter Schmerzen erfüllt hatte, und darum war ihm dieser Körperteil so wichtig wie ein heiliger Gegenstand.

Da sagte der Diener: „Ich möchte gerne tun, was du sagst. Was ist aber, wenn die Frau, die ich für deinen Sohn finde, nicht mitkommen möchte? Soll ich dann Jizchaq in deine alte Heimat zurückbringen?“
„Auf keinen Fall,“ antwortete Avraham, „es wird sich ein Weg finden, der Ewige, der mich aus meiner alten Heimat hierhergeführt hat, er wird es auch richten können, dass du für meinen Sohn eine Frau nehmen und sie hierher führen kannst. Sollte allerdings die Frau, die du gefunden haben wirst, nicht mitkommen wollen, so bist du von deinem Schwur wieder frei. Aber merk dir eins: Meinen Sohn führe nicht in meine alte Heimat zurück!“

Wieder frei: Meinetwegen magst du dann eine Frau von Aner, Eshkol oder Mamre nehmen (es sind immerhin Amoriter und keine Kenaaniter).

Alte Heimat: Er wusste nämlich, dass noch nicht sein Sohn, wohl aber sein Enkel Jaakov zurückkehren würde.

Da legte der Diener zum Zeichen des Schwurs seine Hand unter die Hüfte von Avraham und schwor ihm, was Avraham verlangte.
3. Aufruf
Kurze Zeit darauf wurde der Diener mit zehn Kamelen Avrahams ausgestattet, und allerlei Kostbarkeiten wurden ihm mitgegeben. Dann machte er sich, so reich bepackt, auf und zog nach Mesopotamien, in die alte Heimat seines Herrn.

Kamele Avrahams: Avrahams Kamele waren an ihrem Maulkorb zu erkennen, den sie trugen, um ja nicht auf anderen Feldern unberechtigt zu grasen.

In die alte Heimat: Er hatte ihm eine Schenkungsurkunde über sein gesamtes Eigentum mitgegeben, damit sie ihm umso schneller ihre Tochter mitschickten.

Nach einer langen Reise kam er endlich an. Er ließ die Kamele bei einem Wasserbrunnen ausruhen. Es war Abend, und es war die Zeit, da die jungen Mädchen aus der Stadt herauskamen, um Wasser zu schöpfen.
Da bat er: „Ach Ewiger! Denk an meinen Herrn Avraham und lasse meine Aufgabe hier glücklich gelingen und eine junge Frau finden für Jizchaq. Ich werde jetzt zu einem der Mädchen, die aus der Stadt kommen, sagen: gib mir doch etwas zu trinken. Und wenn dieses Mädchen darauf antwortet: Nimm nur, ich will auch deine Kamele tränken, dann möchte ich davon ausgehen, dass du, Ewiger, dieses Mädchen für Jizchaq bestimmt hast.“
Es dauerte nicht lange, da trat ein Mädchen an den Brunnen. Das Mädchen war sehr schön und anmutig. Es hatte einen Wasserkrug auf der Schulter und ging zum Brunnen hin und füllte ihren Krug. Da lief der Diener des Avraham hin und bat das Mädchen: „Gib mir doch etwas zu trinken, ich bin so durstig.“ Sofort nahm das Mädchen den Krug von der Schulter und reichte dem Mann zu trinken. Und als dieser getrunken hatte, sagte sie noch: „Auch deinen Kamelen will ich zu trinken geben.“ Und da leerte sie ihren Krug in die Tränkrinne aus, lief noch einmal zum Brunnen, um erneut Wasser zu schöpfen, und brachte so Wasser für alle Kamele des Dieners.
Darüber war der Diener erstaunt, aber er wartete noch ab, ob das das Mädchen war, das er für Jizchaq nach Kenaan mitnehmen sollte. Dennoch nahm er aus seinem Gepäck schöne Ringe und Armreifen für das Mädchen, einen Nasenreif und zwei goldene Armspangen, zehn Goldschekel schwer. Dann fragte er: „Wer bist du? Und wer ist dein Vater, deine Mutter? Meinst du, dass ihr genug Platz in eurem Haus habt, damit ich dort übernachten könnte?“

Erstaunt: Er war fassungslos darüber, dass sein Wort schon in so vielen Punkten eingetreten war, und das einzige, was er nun noch wissen musste, war, ob sie aus Avrahams Familie stammte.

Wartete: Er war richtig erschrocken und dachte nach, und deshalb blieb er wie angewurzelt stehen und wartete ab, ob der Ewige seinen Weg hatte gelingen lassen.

Aus seinem Gepäck: Schon hier deutet der Text auf Dinge, die später wichtig werden: die zwei Armspangen lassen uns an die zwei Tafeln des Bundes denken, und ihr Gewicht, zehn Schekel, an das Zehnwort. So sind die Bibeltexte auch untereinander verwoben.

Fragte er: Eigentlich hätte er sie das fragen müssen, bevor er ihr den ganzen Schmuck gab, aber nach allem, was bisher geschehen war, war er der Überzeugung, dass Avrahams Verdienste dafür gesorgt hatten, dass der Ewige seinen Weg hatte gelingen lassen.

Das Mädchen antwortete: „Mein Vater ist Bethuel, der Sohn von Milka und Nachor, und ich bin Rivqa (damit wusste er sofort, dass er zu Verwandten seines Herrn Avraham gekommen war). Ich denke schon, dass wir genug Platz haben, auch Stroh und Futter ist genügend vorhanden.

Antwortete: Sie antwortete ihm genau in der Reihenfolge, in der er gefragt hatte, und ihre Antwort sagte ihm, dass er gern auch mehrere Nächte als Übernachtungsgast bleiben könne.

Da verneigte sich der Mann und warf sich vor dem Ewigen nieder und sagte:

4. Aufruf
„Gepriesen, Ewiger, du Gott meines Herrn Avraham! Du hast ihm deine Treue nicht genommen und hast ihm beigestanden.“ Das Mädchen aber lief zum Haus ihrer Mutter und erzählte dort alles, was sie erlebt hatte.

Haus ihrer Mutter: Früher hatten die Frauen ein eigenes Haus, in dem sie ihre Arbeit verrichteten, und sie ging dorthin, weil ein Mädchen nur ihrer Mutter alles erzählt.

Rivqa hatte einen Bruder, der Lavan hieß. Als nun Lavan die Geschichte hörte und sah, welche Armreifen und Ringe seine Schwester plötzlich trug, da rannte er hinaus zum Brunnen und sagte zu dem fremden Mann:

Rannte er hinaus: Er rannte, weil er schon sah, dass seine Schwester an einen reichen Fremden geraten war, und er seine Augen schon auf das Vermögen geworfen hatte. [Raschi zeichnet die Figur des Lavan von vornherein negativ].

„Komm nur herein, du Gesegneter des Ewigen! Warum stehst du noch draußen. Ich habe bereits das Haus aufgeräumt, und es ist auch genug Platz für deine Kamele da.“

Aufgeräumt: Er hatte nicht nur einfach Ordnung gemacht, sondern auch alle Götzen aus dem Haus geräumt.

Da ging der Mann mit Lavan mit. Man sattelte die Kamele ab, fütterte die Kamele und brachte Wasser, damit die Reiter sich frisch machen konnten. Nachdem sich der Mann hergerichtet hatte, bekam er schließlich auch etwas zu essen aufgetischt. Da sagte der Mann aber: „Ehe ich zu essen beginne, möchte ich mein Herzensanliegen vorbringen.“ Und Lavan forderte ihn auf zu reden. Da sagte der Mann:
„Ich bin ein Diener Avrahams. Der Ewige hat meinen Herrn Avraham reich gesegnet, so dass er hoch angesehen ist und von allem genug hat: von Schafen, Rindern, von Silber und Gold, auch von Dienern und sonstigen Bediensteten. Auch seine Frau Sara hat ihm noch in hohem Alter einen Sohn geschenkt. Dem gab er alles, was er hatte.

Dem gab er alles: An dieser Stelle zeigte er ihnen die Schenkungsurkunde.

Nur mich hat er schwören lassen, dass ich seinem Sohn keine Frau aus der Umgebung nehmen soll, vielmehr soll ich in seine alte Heimat zurückkehren, um dort nach einer Frau Ausschau zu halten. Und so tat ich. Ich reiste hierher, kam heute an die Quelle, und betete zu Gott:

Heute: ‚Heute’ ist betont: „Ich zog erst heute aus, und kam doch heute schon an.“ Der Midrasch sagt, die Erde zog sich unter ihm zusammen, d.h. dass seine Reise wunderhaft schnell vonstatten ging.

Das Mädchen, das mir aus ihrem Krug zu trinken gibt und auch meinen Kamelen, das soll die Frau für Avrahams Sohn sein. Und die erste, die kam, war Rivqa. Sie gab mir zu trinken, und ohne zu fragen tränkte sie auch meinen Kamelen. Da fragte ich sie: „Wessen Tochter bist du“, und sie antwortete: „Die Tochter Betuëls, des Sohnes Nahors, den ihm Milka gebar“. Dann beschenkte ich Rivqa vor Freude sofort mit Armreifen und Ringen.

Dann beschenkte ich: Er erzählt es nicht in der Reihenfolge, in der es sich zugetragen hatte, denn er hatte ihr bereits den Schmuck gegeben als er sie nach ihrem Namen und ihrer Herkunft fragte. Das hatte er absichtlich gemacht, damit sie seine Aussage nicht gegen ihn verwenden und womöglich sagen würden: „Wie konntest du ihr den Schmuck geben, wo du nicht einmal wusstest, wer sie ist“, d.h. „du hast einfach der Erstbesten den Schmuck gegeben?!“

Nun frage ich euch, ob ihr meinem Herrn Avraham soviel Liebe erweisen könnt, dass ihr Rivqa seinem Sohn zur Frau gebt. Sagt es mir, damit ich mich notfalls nach rechts oder links umschauen kann!“

Nach rechts oder links: Nach rechts, also von den Töchtern Jischmaels, und nach links: von den Töchtern Lots, denn der wohnte nördlich von Avraham.

Nachdem der Diener Avrahams geendet hatte, antwortete Lavan und Betuel, der Vater von Rivqa:

Lavan und Betuel: Lavan war ein Bösewicht, denn er fiel seinem Vater einfach ins Wort. [Diese Aussage erhält Raschi dadurch, dass der Sohn vor dem Vater genannt wird].

„Wie du es geschildert hast, ist die ganze Sache vom Ewigen ausgegangen, deshalb können wir nichts sagen. Hier ist Rivqa, sie steht vor dir. Nimm sie mit dir mit und zieh hin, damit sie die Frau des Sohnes von Avraham werden kann.“
Als der Mann das hörte, warf er sich auf den Boden vor den Ewigen.

Warf er sich: Aus diesem Vers lernt man, dass man dem Ewigen für eine gute Nachricht dankt.

5. Aufruf
Dann holte er aus seinem Gepäck goldenes Geschmeide und wunderbare Gewänder hervor und beschenkte damit Rivqa. Aber auch ihr Bruder Lavan und ihre Mutter beschenkte er mit allerlei Früchten, die er aus seiner Heimat mitgebracht hatte. Dann aßen und tranken sie gemeinsam, und der Diener blieb mit seinem Tross und übernachtete dort.
Am andern Morgen stand er schon früh auf und bat seine Gastgeber: „Entlasst mich nun, ich muss zurück zu meinem Herrn.“ Da wandten Lavan und seine Mutter ein: „Wir denken, dass es doch besser wäre, wenn Rivqa nicht sofort mit dir mitginge. Lass sie doch noch ein paar Tage hier, zehn vielleicht, danach kann sie mit dir ja mitgehen.“

Mitgehen: Nur ihr Bruder und ihre Mutter redeten mit ihm. Wo war denn Betuel? Er wollte die ganze Sache hintertreiben; da kam ein Engel vom Ewigen und tötete ihn. Ein paar Tage meint hier: ein Jahr. Rivqas Mutter und ihr Bruder baten um einen Aufschub für ein Jahr, weil man einer Jungfrau vor ihrer Hochzeit Zeit gibt, um sich mit Schmuck zu versorgen. ‚Zehn’ meint hier auch nicht zehn Tage, sondern zehn Monate, weil man nicht um wenig bittet, um dann gleich nochmals aufstocken zu müssen.

Da sagte der Mann nur: „Haltet mich nicht auf. Der Ewige hat meinen bisherigen Weg glücken lassen. So will ich auch jetzt aufbrechen und zu meinem Herrn zurückkehren.“ Lavan und seine Mutter lenkten ein: „Lass uns Rivqa fragen.“

Lass uns Rivqa fragen: Aus diesem Vers lernt man, dass man eine Frau nur mit ihrem Einverständnis verheiratet. [Da die Frau bei ihrer Verheiratung in traditionellen Gesellschaften nur wenig gefragt wird, ist diese Äußerung Raschis zur Vermählungspraxis sehr aufschlussreich].

Da holten sie Rivqa und fragten sie, ob sie denn jetzt schon mit dem Mann verreisen möchte. Da sagte sie nur: „Ja, ich will und ich werde!“

Und ich werde: Ich werde gehen: von mir selbst aus, auch, wenn ihr das nicht wolltet. [Diese Selbstständigkeit der Frau wird auch von Raschi stark betont].

Da ließen sie Rivqa gehen und gaben ihr noch Dienerinnen mit und wünschten ihr für ihr weiteres Leben alles Gute. Sie gaben ihr einen Segen und sagten zu ihr: „Du, unsere Schwester, werde Mutter von tausendmal Zehntausend! Deine Nachkommen sollen besetzen das Tor ihrer Feinde.“

Deine Nachkommen: Der Ewige hatte ja zu Avraham auf dem Berg Moriah gesagt: „Vermehren werde ich deine Nachkommen“. Ihr Segen meinte also: „Möge es der Wille des Ewigen sein, dass diese Nachkommen von dir abstammen und nicht von einer anderen Frau!“.

Und Rivqa und der Mann machten sich auf und zogen fort.

Jizchaq und Rivqa treffen sich

Jizchaq war in die Gegend des Brunnens von Lahai-Roï gekommen und hatte sich im Negev niedergelassen. Einmal nun ging er gegen Abend zum Feld, und als er die Augen hob, sah er in einiger Entfernung Kamele kommen.

Gegend des Brunnens: Er war dort hingegangen, um seinem Vater Avraham Hagar zu bringen, damit er sie zur Frau nehme. [Nach tradtioneller Überlieferung ist Ketura, die Avraham am Ende dieser Parascha heiratet, identisch mit Hagar].

Zum Feld: Er ging dorthin, um zu beten.

Auch Rivqa spähte hinaus und sah Jizchaq weit entfernt stehen. Da fragte sie ihren Begleiter, da sie von dem Anblick ganz angetan war: „Wer ist der Mann dort vorne?“ „Das ist mein Herr, der Sohn von Avraham,“ antwortete dieser. Sofort nahm sie, weil das damals Sitte war, einen Schleier und verhüllte sich damit.

Sah Jizchaq: Sie sah, wie schön er war und war ganz erstaunt darüber.

Als der Begleiter mit Rivqa angekommen waren, erzählte der Diener alles ganz genau.

Erzählte der Diener: Er erzählte ihm alle wunderhaften Begebenheiten: wie sich die Erde unter ihm zusammengezogen hatte, und dass ihm Rivqa durch sein Gebet begegnet war.

Da nahm Jizchaq Rivqa und führte sie in das Zelt – und sie war ihm wie Sara, seine Mutter.
Und es dauerte nicht lange, da nahm er Rivqa zur Frau, und er gewann sie sehr lieb und tröstete sich so über den Verlust seiner Mutter hinweg.

Sie war ihm wie Sara: Hier ist nicht gemeint: ins Zelt seiner Mutter Sara (das Wort ‚Zelt´ wäre sonst nicht determiniert!), sondern: ‚… ins Zelt – und siehe, sie wurde seiner Mutter Sara gleich’. Das heißt, sie wirkte wie seine Mutter Sara. Es war nämlich so: Als Sara noch lebte, da brannte ein Licht von Erew Schabbat bis Erew Schabbat und Segen ruhte auf ihrem Teig, dass er immer wieder aufging, und eine Wolke lag auf dem Zelt, und als sie starb, hörte dies alles auf. Als nun Rivqa kam, kamen alle diese Dinge zurück.

Verlust seiner Mutter: So ist es im Leben eines Mannes: Solange seine Mutter lebt, schließt er sich an sie an; wenn sie einmal gestorben ist, tröstet er sich mit seiner Frau.

Die weiteren Kinder Avrahams

25,1   6. Aufruf
Aber Avraham nahm sich nach dem Tod seiner Frau Sara nochmals eine Frau, die hieß Ketura.

Ketura: Das ist Hagar, sie wurde Ketura genannt, weil das, was sie tat, so lieblich wie Räucherwerk (ketoret) war, und weil sie ihre ‚Tür’ verschlossen hielt; d.h. sie hatte von dem Tag an, als sie sich von Avraham trennen musste (Gen 21,14), keine Beziehungen zu Männern mehr gehabt. Es war eigentlich nur eine Nebenfrau: Ketura-Hagar. Und der Unterschied zwischen Ehefrau und Nebenfrau ist der: Ehefrauen haben eine Ketuba, Nebenfrauen nicht. Die Geschenke, die Avraham ihnen gab, hatte er selbst geschenkt bekommen, und wollte von ihnen keinen Nutzen haben.

Ketura gebar im Laufe der Zeit mehrere Söhne, nämlich Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach. Aber Avraham gab alles, was er hatte, seinem Sohn Jizchaq, seinen Söhnen, die er mit seinen Nebenfrauen hatte, gab er Geschenke und schickte sie weit weg von Jizchaq: nach Osten, ins Morgenland, weit weg von seinem Sohn Jizchaq.
Avraham wurde 175 Jahre alt. Dann starb er in diesem glücklichen Alter, alt und lebenssatt. Seine Söhne Jizchaq und Jischmael begruben ihn in der Höhle von Machpela, dort, wo bereits Sara begraben lag.

Jizchaq und Jischmael: Jizchaq und Jischmael – in dieser Reihenfolge. Aus diesem Vers sieht man, dass Jischmael sich gebessert und Jizchaq den Vorrang eingeräumt hatte, obwohl dieser der Jüngere war.

Nach dem Tod Avrahams segnete Gott auch den Jizchaq.

Segnete: Avraham wollte ihn nämlich nicht segnen, denn er sah den Esaw aus ihm hervorgehen, und daher sagte er sich: Das überlasse ich besser dem ‚Herrn über die Segen’, und so kam der Heilige selbst und segnete ihn.

7. Aufruf
Auch Jischmael wurde sehr alt, er verschied mit 137 Jahren. (…)

Verschied: Dieser Ausdruck wird nur bei Gerechten angewandt.

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