Einleitung zu Paraschat Ki Teze

Waren die ersten Paraschijot des Buches Devarim vor allem Rückblicke und Mahnworte, so werden nun seit der letzten Parascha Schoftim Einzelbestimmungen aufgeführt, die teilweise Parallelen zu den anderen Büchern der Tora haben. Gleichwohl ist der Charakter der Anordnungen ein sehr spezifischer und unterscheidet sich doch zum Beispiel vom Buch Wajiqra. Vor allem wenn man den größeren Text der Jungen Tora liest (in der Kleinen Tora wurden einige Anordnungen weggelassen oder nicht in dieser Schroffheit formuliert!), fallen zwei eigentlich entgegengesetzte Ausrichtungen auf: Es ist zum einen die Härte der Strafen (Todesstrafe, Steinigung, Abhacken der Hand), die zum Teil aus heutiger Sicht aus eher marginalen Anlässen verhängt werden (zum Beispiel der widerspenstige Sohn, Berühren der männlichen Scham durch eine Frau), zum anderen der soziale Ausgleich zwischen Arm und Reich, der geradezu als eine „Bruderehtik“ formuliert wird. Es sind vor allem diese Gebote, die selbst aus heutiger Sicht immer noch sehr modern anmuten und angesichts unserer Wirtschafts- und Finanzkrisen geradezu revolutionären Sprengstoff haben. Diese Anordnungen sind aber insgesamt – wenn man das differenzieren darf – auf die Gemeinschaft der Jisraeliten hin ausgerichtet, während die anderen Anordnungen, die mit harten Strafen belegt werden, meist unmittelbar mit dem Ewigen begründet, der inmitten des Lagers wohnt, weshalb das „Böse aus der Mitte der Jisraeliten gerissen“ werden soll. Bezeichnenderweise wird bei den sozialen Anordnungen zumeist nicht die Strafe genannt, wenn man die Anordnung missachtet.

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