Einleitung zu Paraschat Schoftim

Nachdem sich die Paraschijot des Buches Devarim bislang
hauptsächlich den Gesetzen gewidmet haben, die das Volk Jisrael
G’tt gegenüber einzuhalten hat, werden in den folgenden
beiden Paraschijot verstärkt Gebote in den Blick genommen,
die auf die soziale Ordnung und das gesellschaftliche Miteinander
abzielen. Nun rückt die Gerechtigkeit, die dabei herrschen
muss, in den Blickpunkt. Das heißt unter anderem, dass
nach Gerechtigkeit gerichtet werden soll, die Anwendung des
Gesetzes also selbst gerecht sein muss. Das Buch Devarim thematisiert
damit eine auch heute noch gesellschaftlich relevante
Erfahrung: Regeln können noch so gerecht und auf den Ausgleich
mit allen Parteien bedacht sein – wenn sie eingeschränkt
oder nur willkürlich angewandt werden, sind sie verfehlt.
Und noch ein weiterer Punkt wird angesprochen: Das Gesetz
soll ohne Ansehen der Person angewandt werden – ein
Prinzip, das in demokratischen Rechtsstaaten durchgehend
verankert ist, dem zufolge alle Menschen vor dem Gesetz
gleich sind. Es gibt keine abgestufte Rechtsprechung, in der
bestimmte gesellschaftliche Schichten ein Vorrecht hätten…

(aus: Erzähl es deinen Kindern, Bd. 5, Ariella-Verlag, Berlin 2016)

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