Paraschat Schoftim

Einleitung          Fragen zur Parascha

Die Richter

16,18

»Du sollst überall in deinen Städten und in allen Stämmen
Richter und Verwalter einsetzen, damit du immer jemanden
hast, zu dem du hingehen und einen Streit schlichten lassen
kannst. Denn die Richter sollen in Gerechtigkeit über euch
richten.

Du sollst dir aber nun dieses Recht nicht zurechtbiegen, wie
du es gerne hättest. Auch sollst du Recht sprechen unabhängig
davon, wer vor dir steht. Ein Reicher und ein Armer haben das
gleiche Recht, ein berühmter Mensch das gleiche wie ein unbekannter.
Das Recht verlangt auch, dass du dich nicht bestechen
lassen sollst. Du sollst also kein Geld annehmen, um für
jemanden günstig zu richten. Bestechung macht den Weisen
blind und verdreht das Wort des Gerechten.

Du sollst also sehr darauf achten, dass du nach Gerechtigkeit,
und nur nach Gerechtigkeit strebst. Nur wenn das Recht
gerecht angewandt wird, hast du im Land, das der Ewige dir
gibt, eine Zukunft.«

(…)

Das Überführen von Bösewichtern

17,2
»Wenn es bei dir jemanden gibt, sei es eine Frau oder ein Mann,
der etwas furchtbar Schlimmes getan hat, der also zum Beispiel die
Sonne oder den Mond anbetet oder sonst irgendeinem fremden
G’ttesdienst nachgeht, den ich euch nicht geboten habe, und du
hast dich vergewissert, dass das auch wirklich geschehen ist, dann
sollst du diesen Menschen vor die Stadt bringen, und ihr sollt ihn
dort steinigen. Es darf aber niemand getötet werden, nur weil ein
anderer das behauptet hat. Du musst dich genau erkundigen, mindestens
zwei oder drei Zeugen müssen dir das bestätigen können.
Sagt nur ein Zeuge, das und das sei passiert, dann genügt das
nicht. Auf jeden Fall sollen die Zeugen die ersten Steine auf diesen
Menschen werfen, und erst danach das ganze Volk. Böses sollst du
nicht bei dir dulden.«

 

Schwierige Fälle

17,8
»Wenn dir bei einer Sache, wo es um Blut, um einen Rechtsanspruch
oder um einen Schaden geht, eine Rechtsentscheidung
schwerfällt, dann sollst du zu den Kohanim aus dem Stamm Lewi
und dem amtierenden Richter gehen und sie um Rat fragen. Sie
werden dann über deinen schwierigen Fall entscheiden. Und du
sollst dann genauso handeln, wie sie es dir gesagt haben. Achte
sehr genau darauf und weiche davon nicht ab, sei es rechts oder
links.
Wer nicht auf den Kohen hört und sich nicht daran hält, was der
Kohen entschieden hat, der macht sich selbst schuldig. Böses sollst
du nicht bei dir dulden.
Das ganze Volk soll es hören, damit es Respekt hat vor den Kohanim
und nicht weiter Schlimmes anrichtet.«

Der König

17,14
»Wenn du in das Land, das der Ewige dir gibt, kommst, und du
möchtest dann einen König haben, so wie alle Völker ja
einen König haben, dann achte auf Folgendes: Nur derjenige
darf König über dich werden, der vom Ewigen ausgewählt
wird. Du darfst auch nur jemanden von deinen eigenen Leuten
zum König machen, also keinen Fremden.
Ist dann erstmal ein König bestimmt, so gilt, dass auch
der König einige Dinge zu beachten hat: Er darf sich nicht
viele Pferde anschaffen, auch darf er das Volk nicht nach Mizrajim
führen, um sich dort noch mehr Pferde zu holen. Denn
der Ewige hat verboten, nach Mizrajim zurückzukehren. Ein
König soll sich auch nicht viele Frauen nehmen, das bringt ihn
von seiner Aufgabe als König nur ab, auch Gold und Silber soll
er nicht horten.
Wenn dieser König dann eingesetzt ist und auf seinem Thron
sitzt, dann soll er von der Torah, die die Kohanim aufbewahren,
zwei Abschriften für sich anfertigen und alle Tage seines
Lebens studieren. Denn er soll lernen, vor dem Ewigen Respekt
zu haben, und er soll alle die Worte, die in der Weisung
stehen, beachten. Denn ein König soll sich nicht über seine
Landsleute erheben und vom Weg der Gebote abweichen. Nur
so kann er lange über sein Reich herrschen.«

(…)

Die Zufluchtsstädte

19,1
»Wenn du das Land, das ich dir gebe, in Besitz genommen haben
wirst, dann sollst du drei besondere Städte, sogenannte
Zufluchtsstädte, einrichten. Auch sollst du die Wege zu den
Städten entsprechend vorbereiten, damit sich derjenige,
der einen anderen versehentlich getötet hat, dorthin retten
kann.
Wie ist das zu verstehen? Es kann also vorkommen, dass ein
Mensch einen anderen, der nicht sein Feind ist und es auch nie
war, erschlägt: Er holt zum Beispiel mit der Axt aus, das Eisen
löst sich vom Holz und trifft versehentlich eben diesen anderen,
und der stirbt daran. Dann muss der, der diesen Tod verursacht
hat, in eine Zufluchtsstadt gehen. Denn nur dort ist er
vor dem Blutlöser (goel) sicher und davor, von diesem erschlagen
zu werden.
Deshalb hat der Ewige angeordnet, dass du drei Städte bestimmen
sollst. Und wenn du im Land nach den Geboten des
Ewigen lebst und du das ganze Land erhältst, dann sollst du
noch drei weitere Städte zu diesen dreien bestimmen, die zu
den Zufluchtsstädten zählen sollen.
Diese Anordnung ist sehr wichtig, denn es darf kein unschuldiges
Blut fließen!
Aber was ist, wenn jemand die Zufluchtsstädte missbraucht? Das
heißt, wenn ein Mensch einen anderen hasst und ihn in voller Absicht
tötet und dann in eine Zufluchtsstadt flieht, um Schutz zu erhalten,
den er gar nicht erhalten darf ? Dann sollen die Ältesten
hinzutreten und diesen Menschen aus der Stadt holen und ihn dem
Blutlöser übergeben. Lass keine falsche Gnade walten, denn nur,
wenn du das Blut des Unschuldigen nicht bei dir behältst, kannst
du in Frieden in deinem Land leben.«

 

Die Zeugen

19,15
»Um jemanden, der eine schlimme Tat begangen hat, zu verurteilen,
reicht es nicht aus, wenn ein einziger Zeuge diese Tat
bezeugen kann. Vor Gericht müssen immer zwei oder
drei Zeugen eine Untat bezeugen. Wenn nun ein Zeuge gegen
einen anderen auftritt, und beide geraten darüber in Streit,
dann sollen sie zu den Kohanim und den Richtern gehen. Und
die sollen den Vorfall genau untersuchen. Stellt es sich nun heraus,
dass ein Zeuge gegen den anderen falsch ausgesagt hat,
dann soll der falsche Zeuge mit ebenjener Strafe bestraft werden,
die den anderen, gegen den er falsch ausgesagt hat, getroffen
hätte. Und alle sollen das mitbekommen, damit sie das
hören und sich davor fürchten, falsch auszusagen. Lass auch
hier keine falsche Gnade walten: Böses sollst du nicht bei dir
dulden! Und deshalb gilt der Grundsatz: Leben für Leben,
Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß.«

Krieg

20,1
»Wenn du in den Krieg ziehen musst, weil deine Feinde mit
vielen Reitern und Wagen gegen dich aufgestanden sind, und
du siehst die Übermacht deiner Feinde, so sage ich dir: Fürchte
dich nicht vor deinen Feinden. Deine Feinde mögen zahlreich
sein und dir weit überlegen, aber dir steht der Ewige,
dein G’tt, bei. Er hat dich schon aus dem Land Mizrajim geführt.
Wenn nun ein solcher Fall eintritt, so mache es folgendermaßen:
Bevor du in den Krieg aufbrichst, soll zuerst einer der
Kohanim, der dafür zuständig ist, vor das Volk treten und zu
ihm sprechen. Er soll zu dem Volk sagen: ›Hört, ihr Jisraeliten,
es ist nun soweit, ihr müsst gegen eure Feinde in den Krieg ziehen.
Seid also nicht ängstlich und fürchtet euch nicht vor euren
Feinden. Denn der Ewige, euer G’tt, steht euch bei. Er
zieht mit euch und kämpft an eurer Seite.‹
Wenn der Kohen das gesagt hat, dann sollen die Verwalter
vortreten und vor dem Volk laut ausrufen:
›Wer von euch hat ein neues Haus gebaut und ist noch nicht
darin eingezogen? Der mag nach Hause gehen, damit er nicht
im Krieg getötet wird und ein anderer sein Haus beziehen
muss.
Wer von euch hat einen Weinberg gepflanzt und ihn noch
nicht ausgelöst? Der soll nach Hause gehen, damit er nicht im
Krieg getötet wird und ein anderer den Weinberg auslösen
muss.
Wer von euch hat sich mit einer Frau verlobt und sie noch
nicht geheiratet? Der soll nach Hause gehen, damit er nicht
im Krieg getötet wird und ein anderer seine Frau heiratet.‹
Und endlich sollen die Verwalter zum Volk sagen:
›Und nun: Wer unter euch ist furchtsam und zittert, wenn er
nur an den Krieg denkt? Der soll auch nach Hause gehen, damit
er die anderen nicht mit seiner Furcht ansteckt und am
Ende alle ängstlich und verzagt sind.‹
Erst, wenn die Verwalter das alles gesagt haben, kann es losgehen,
und man soll die Heerführer an die Spitze des Volkes
stellen.«

(…)

Der unbekannte Mörder

21,1
»Es kann vorkommen, dass in deinem Land, das der Ewige, dein
G’tt, dir gibt, irgendwo auf freiem Feld ein Erschlagener gefunden
wird, aber niemand hat gesehen, wer ihn erschlagen hat.
Dann musst du so vorgehen: Die Ältesten und Richter sollen zu
dem Toten hinausgehen und die Entfernung zu den nächsten Städten
messen. Die Ältesten der Stadt nun, die dem Toten am nächsten
liegt, sollen eine junge Kuh nehmen, die noch nie auf dem Feld
gearbeitet hat, und sie in ein felsiges Tal führen, in dem noch nie
irgendetwas angebaut worden ist. Dort im Tal sollen sie der jungen
Kuh das Genick brechen.
Dann sollen die Kohanim hinzutreten, und alle Ältesten der jeweiligen
Stadt sollen ihre Hände über der toten Kuh waschen und
dabei sprechen: ›Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen,
unsere Augen haben nichts gesehen. Mach dein Volk Jisrael, das du,
Ewiger, befreit hast, wieder rein, und vergieße kein unschuldiges
Blut in deinem Volk.‹
Auf diese Weise wird das Volk von der Blutschuld wieder gereinigt.
Denn der Tod des Unbekannten hat die Blutschuld unter
das Volk gebracht. Du aber darfst das unschuldige Blut nicht bei
dir behalten, denn du sollst tun, was recht ist in den Augen des
Ewigen.«

(Auszüge aus: Erzähl es deinen Kindern, Bd. 5, Ariella-Verlag, Berlin 2016)

 

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