Archiv für den Monat: November 2017

Einleitung Chaje Sarah

In dieser Parascha sterben Sarah und (am Ende) Avraham.

Damit ist die Geschichte des ersten Stammelternpaars beendet,

und es beginnt die Geschichte von Jizchak und Rivka, dem

zweiten Stammelternpaar. Diese Geschichte ist allerdings

nicht allzu lang, da in der nächsten Parascha bereits Jaakov

(und Esaw) geboren wird und damit die Geschichte Jaakovs

beginnt.

Interessant ist, dass Jizchak – anders als Jischmael – nicht

einfach eine Frau aus der Umgebung nehmen kann. Vielmehr

muss sich der Diener Avrahams aufmachen, um eine Frau aus

der ehemaligen Heimat Avrahams und Sarahs zu suchen. Offensichtlich

ist es also sehr wichtig, welche Frauen die Stammväter

haben. Das wird sich später übrigens noch einmal wiederholen,

wenn Jaakov wieder in die alte Heimat Avrahams

reist, um sich seine Frauen zu suchen (Rachel und Leah). Und

es war auch bei Avraham schon wichtig: Avraham hatte ja

schon einen Sohn (von Hagar). Das reichte aber nicht aus: Es

musste auch ein Sohn von Sarah sein, damit G’tt mit Avraham

einen Bund schließen konnte.

 

Daraus kann man lernen, dass sich das Versprechen G’ttes,

Avraham werde einmal Vater eines großen Volkes sein, nicht

automatisch erfüllt, quasi wunderhaft und wie von Zauberhand.

Nachkommenschaft setzt auch dann, wenn G’tt seinen

Segen dazu gibt, voraus, dass die handelnden Personen selbst

aktiv werden. Avraham muss schon selbst dafür sorgen, welche

Frau sein Sohn einmal bekommen soll, und Jaakov muss später

ebenfalls hart für seine Frauen arbeiten und kämpfen.

Das ist nicht anders mit dem zweiten großen Thema der

Stammelterngeschichten: dem Versprechen von Land. Zwar

hatte G’tt Avraham das Land versprochen, das heißt aber

nicht, dass G’tt für Avraham das Land erobert, damit er sich

bequem darin niederlassen kann. Avraham erwirtschaftet zeit

seines Lebens überhaupt kein Land. Erst als seine Frau stirbt,

sieht er sich genötigt, ein Stück Land zu kaufen, um eine

Grabstätte für seine Frau zu haben. Aber sogar dieses bisschen

Erde musste er selbst von Efron abhandeln. G’ttes Zusagen

bedeuten also in keiner Weise, dass der Mensch sich in seinem

Tun zurücknehmen kann. Ganz im Gegenteil.