Archiv der Kategorie: (5) Devarim – Das fünfte Buch der Tora

Einleitung zu Paraschat Nizzavim

In dieser Parascha wird es nun ernst: Die Jisraeliten werden auf den Bund mit G’tt verpflichtet. Auch hier gilt, dass die Verpflichtung für das ganze Volk besteht und damit jeder Einzelne diesen Bund zu tragen und auszufüllen hat. Deshalb betont Paraschat Nizzavim eigens, dass jeder Einzelne einbezogen ist, also nicht nur die Anwesenden, sondern auch – wie schon der Midrasch und Raschi auslegen – alle künftigen Generationen. Somit kann es auch keine Einzelnen geben, die sich heimlich aus dem Bund herausstehlen, womöglich mit dem Hinweis, dass der Bund ja schließlich nicht mit ihnen persönlich geschlossen worden sei. Um dies zu verhindern, lässt dieser Text keine Ausflüchte gelten und erwähnt die Frauen und Kinder sogar eigens. Auch soll sich niemand damit herausreden können, dass die Torah mit dem Einzelnen gar nichts zu tun habe. Das Gesetz ist jedem Jisraeliten ganz nah und verlangt eigentlich nur das, was der Mensch von sich aus ohnehin möchte. Raschi pointiert hier den Text dahingehend, dass das Gesetz schriftlich und mündlich vorliegt. Mit anderen Worten: Das schriftliche Gesetz (also die Torah) mag etwas weit entfernt sein, weil es eine Wirklichkeit widerspiegelt, die heute so nicht mehr existiert. Aber eben deshalb gibt es ja auch die mündliche Torah, also die Auslegung und Weiterführung der schriftlichen Torah. Sie muss immer wieder an die veränderten Verhältnisse angepasst werden. Deshalb ist sie auch »dem Herzen (lev) nahe«, denn in der Torah bezeichnet das Herz den Sitz aller intellektuellen Fähigkeiten. Die Torah ist also nicht einfach immer aktuell, sie muss von Jisrael immer wieder aktualisiert werden.

Paraschat Nizzavim formuliert aber auch einen Gedanken, der uns Heutigen eher Probleme bereitet: Es ist der immer wieder betonte Zusammenhang zwischen Ergehen und Tun, also dem, wie es einem (gut oder schlecht) ergeht, und dem, wie man zuvor (gut oder schlecht) gehandelt hat. Wenn die Jisraeliten sich nicht an die Gebote halten, kommen die Verfluchungen über sie. Nicht nur die biblische Weisheitsliteratur hat mit diesem Gedanken immer wieder gehadert; auch für uns ist der Gedanke problematisch, jemanden, den es hart getroffen hat, auch noch dadurch sozial zu stigmatisieren, dass man ihm seine schlechte Lebensführung vor Augen hält. Aber die Hebräische Bibel will an dieser Stelle nicht einfach einen Straf- oder Vergeltungsgedanken formulieren: Sie geht vielmehr von der Selbstwirksamkeit einer (bösen) Tat aus, die einen Menschen oder eine ganze Gruppe verändert und deren Leben nachhaltig bestimmt: »Der Fluch wird sich auf ihn lege « (Dtn 29,19), denn die (böse) Tat ist »da« und nimmt damit im Leben des Einzelnen oder des Volkes einen entsprechenden Raum ein. »In deinem Schuldraum bist du gestrauchelt«, sagt der Prophet Hoschea* über Jisrael (Hos 14,2), und meint damit eben nicht einfach »durch deine Schuld«, denn das Tun des Volkes hat Konsequenzen. Die Torah wie auch die Propheten weisen immer wieder darauf hin, dass es G’tt ist, der dieses Tun als Schuld aufdeckt und deren Folge wirksam werden lässt. Ähnlich hat dies auch Raschi interpretiert: Ihm zufolge ist das Verborgene die Sache G’ttes und das Offenkundige die Sache der Gesellschaft. Die offensichtlichen Verfehlungen sollen also durch die Gemeinde bestraft werden, die »verborgenen« Übertretungen, die nicht offensichtlich und nicht auf den ersten Blick als schuldhafte Tat auszumachen sind, die wird G’tt bestrafen.

Entnommen aus: Liss/Landthaler, Erzähl es deinen Kindern, Bd. 5, Berlin 2016

Paraschat Nizzavim

Einleitung

Das Volk Jisrael steht vor G“tt

29,9

Nun also steht ihr heute alle da vor dem Ewigen, eurem G“tt. Ihr alle: Das bedeutet: die Ältesten, die Jüngsten, Männer, Frauen, Eltern, Kinder, alle, die ihr zum Volk Jisrael gehört. Und nun wollt ihr auf all das hören, was euch der Ewige, euer G“tt, geboten hat und wollt ihn, den Ewigen als euren G“tt anerkennen. Denn heute will G“tt euch zu seinem Volk machen, so wie er es schon den Vätern Avraham, Jizchaq und Jaaqov versprochen hat.

Aber nicht genug; nicht nur euch allein, die ihr hier alle steht, will er zu seinem Volk machen und euch auf seine Gebote verpflichten, sondern auch alle die, die heute nicht hier stehen und bei euch sein können, *also auch die kommenden Generationen*.

Wer sich heimlich nicht an die Gebote gebunden fühlt

Ihr wisst ja noch, wie das war, als ihr von Ägypten gekommen und wie ihr durch das Land fremder Völker gewandert seid. Da habt ihr manche Gräuel gesehen, Sachen, die der Ewige, euer G“tt, nicht will, dass ihr sie tut.

Es könnte nun sein, dass unter euch jemand ist, der sich davon anste-cken ließ und deshalb hier steht und gar nichts wissen will von dem, was der Ewige, euer G“tt, euch gebietet. Der hier steht und lieber Götzen anbeten will, statt den Geboten seines G“ttes zu folgen. Dann könnte es auch sein, dass dieser Mensch, wenn er die ganzen Fluchworte hört, die ich gesprochen habe, sich denkt: Pah, das trifft mich alles nicht, ich segne mich selbst und mir wird es wunderbar ergehen.

Und es könnte auch sein, dass nicht nur ein einzelner Mensch unter euch so denkt, sondern vielleicht sogar eine ganze Familie oder gar ein ganzer Stamm von euch.

Dann müsst ihr wissen, dass es diesem Menschen oder dieser Familie oder diesem Stamm recht übel ergehen wird. Ich werde dann seine Fehler, die er bislang unabsichtlich getan hat, nicht mehr entschuldigen, ich werde ihm alles aufrechnen. Und dann wird ihn all das treffen, was die Fluchworte meinten, die ich vorher gesprochen habe.

Und wenn dann Leute von weither kommen und sagen: wie kann das sein, dass es diesem Menschen oder dieser Familie oder diesem Stamm so schlecht ergeht, dass er Krankheiten hat und ihnen nichts gelingt, dann musst du wissen, dass das daher kommt, dass er oder die Familie oder der Stamm den rechten Weg des Bundes verlassen hat. Deshalb ist der Zorn über G“tt gekommen und hat vernichtet, zerstört und drangsaliert.

Denn denkt dran: *Die verborgenen Verfehlungen sind dem Ewigen, unserem G“tt, überlassen. Aber alle Verfehlungen, die für alle zu se-hen sind, die muss die Gemeinde bestrafen*.

Das Erbarmen

30

Bist du nun zerstreut unter die Völker und aus deinem eigenen Land vertrieben, dann ist es noch lange nicht zu spät. Denn wenn du dich wieder besinnst und zurückkehrst zu den Geboten, die der Ewige, dein G“tt, dir auferlegt hat, wenn du also auf die Stimme G“ttes hörst und alles, was heute gesagt worden ist, ganz ehrlich machen willst, dann wird auch der Ewige, dein G“tt, wieder an dich denken und sich deiner erbarmen. Und er wird *sich mit dir* aus allen Völkern herausführen und dich in das Land Jisrael heimführen. Dann kannst du daheim wieder glücklich werden. Dann wird dein G“tt die Herzen deiner Kinder beschneiden, dass sie den Ewigen mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele lieben. Dann wirst du wieder auf die Gebote hören, und der Ewige wird dich nicht mehr verfluchen und er wird dich den Überfluss des Lebens genießen lassen.

Denn bedenke eines: Das Gebot, das ich dir heute gebe, es ist nicht *verborgen* und es ist nicht zu weit entfernt. Es ist nicht im Himmel, damit niemand sagen kann: Wer von uns will in den Himmel steigen, um das Gebot von dort oben zu holen? Das Gebot ist auch nicht überm Meer, damit niemand sagen kann: Wer will von uns übers Meer fahren, um es zu holen? Vielmehr ist dir das Gebot ganz nah. Es ist in deinem Mund, es ist in deinem Herzen, so dass es ganz bei dir ist, und du dich immer danach richten kannst. *Denn das Gebot hast du schriftlich und mündlich vorliegen*.

Leben oder Tod

Nun also: Ich lege dir heute das Leben und das Gute vor dich hin, aber auch den Tod und das Böse. Denn die Gebote, die ich dir gebe, sind nichts anderes als der Weg ins Leben und zum Guten. Wenn du auf diesem Weg gehst, dann wirst du am Leben bleiben und dir wird es gut gehen, der Ewige, dein G“tt, wird dich in allem, was du tust, segnen. Aber das Gegenteil gilt auch: Wenn ihr euch abwendet und nicht den Weg der Gebote geht, dann werdet ihr, das sage ich euch heute schon, sicher nicht am Leben bleiben und nicht lange in dem Land, das ich euch gebe, bleiben können.

Heute nun rufe ich Himmel und Erde als Zeugen auf, dass ich euch beides vorgelegt habe: das Leben und den Tod, den Segen und den Fluch. Es ist nun an dir: Wähle das Leben, damit nicht nur du, sondern auch deine Nachkommen leben können. Und das tust du, indem du den Ewigen, deinen G“tt, liebst, auf seine Stimme hörst und ihm in allem nachfolgst. Auf diese Weise kannst du am Leben bleiben und das Land in Besitz halten, das schon deinen Vätern Avraham, Jizchaq und Jaaqov versprochen worden ist.
 

 

Einleitung zu Paraschat Ki Tavo

In dieser Parascha wird der Blick nach vorn gerichtet. Das Buch neigt sich dem Ende zu, und das bedeutet von der erzählerischen Perspektive her, dass das Volk Jisrael kurz davor ist, in das Land  einzuziehen. Deshalb dreht sich fast alles, was Mosche sagt, um das Land. Es wird vorweggenommen, was die Jisraeliten tun müssen, wenn sie in das Land kommen. Das sind die Anweisungen für die Erstlingsfrüchte, für die Abgaben und die Niederschrift der Torah, die alle stets mit Segen und Fluch verbunden werden. Werden sie eingehalten, dann wird das Land fruchtbar sein und das Tun der Jisraeliten stets glücken, wenn nicht, dann wird das Land keinen Ertrag liefern und alles, was die Jisraeliten sich anschicken zu tun, wird misslingen. Dies wird Jisrael in dieser Parascha geradezu eingebläut.

Weshalb? War schon das gesamte Buch Devarim darauf ausgerichtet, dass Mosche dem Volk vor dem Einzug ins Land noch einmal die gesamte Lehre nahelegt, so spitzt sich dies hier zu. Denn das Leben im versprochenen Land ist sozusagen der Ernstfall für die Gesetze und Vorschriften der Torah. Waren die Jisraeliten bislang mit »Blindheit« und »Taubheit« geschlagen, so müssen sie spätestens jetzt, wo sie ins Land einziehen, hellwach sein und genau verstehen, was es bedeutet, den Ewigen zum G’tt zu haben und unter seinem Gebot zu stehen. Da das Land der Zielpunkt der langen Reise vom Buch Bereschit bis hierher war, könnte man ja auch erhoffen, sich im Ankommen endlich ausruhen zu können. Und in Paraschat Reeh war ja tatsächlich schon vom Land als Ruhe (menucha) und Erbbesitz die Rede. Aber diese Parascha macht nun ganz deutlich, dass das Land nicht zum Ausruhen da ist, sondern selbst äußerst fragil ist und durch die Einhaltung von Geboten immer wieder »erobert« werden muss. Es ist eben kein Besitzstand, der dem Volk einfach gehört, vielmehr ist es G’ttes Land, das sich das Volk beständig verdienen muss. Letztlich spiegelt sich hier die leidvolle Erfahrung des jüdischen Volkes wider, dass das Land tatsächlich nur selten in eigenem Besitz war und der Verlust von Tempel und Land immer und immer wieder zu beklagen war.

Wie schon in Paraschat Bechukotai im Buch Wajikra spielen auch in dieser Parascha die Segens- und Fluchworte eine besondere Rolle; mit ihnen wird die Dringlichkeit aufgezeigt, dass sich das Volk an die Gebote und Gesetze des Ewigen zu halten hat. Aus heutiger Sicht mag dies wie Schwarze Pädagogik anmuten, die das rechte Tun mit der Androhung furchtbarer Strafen durchsetzen möchte. Aber darum geht es nicht: Nach dem Verständnis des Buches Devarim ist die Beachtung der Gebote kein bürgerlicher oder staatlicher Selbstzweck, sondern hängt unmittelbar mit der Identität des Volkes zusammen. Das Volk wird nur dadurch das dem Ewigen zugeordnete Volk, dass es eben diese Gebote und Gesetze zur Grundlage macht. Deshalb wird gerade in dieser Parascha nochmals betont, dass sich nicht nur G’tt an dieses Volk bindet, sondern dass umgekehrt auch Jisrael diesen Gesetzen zugestimmt hat. Nach den Aussagen des Buches Devarim ist das Land eher ein Ziel-, denn ein Ausgangspunkt für die eigene Identität: Wenn das Volk sich gemäß den Geboten und Gesetzen verhält, dann ist ihm das Land sicher. Es kann aber ebenso leicht verloren gehen. Auch bei den Nachbarvölkern Jisraels wurde die Einhaltung von geschlossenen Verträgen unter der Ankündigung von Flüchen und Segen eingefordert. Diese wurden allerdings zwischen einem König und seinem Vasallenstaat geschlossen und unter Anrufung verschiedener Gottheiten besiegelt. In der Torah wird dies mit beinahe grimmigem Augenzwinkern aufgenommen, und der Vertrag zwischen dem Ewigen und Jisrael stellt damit fast so etwas wie eine Protestnote gegen die Nachbarvölker dar: Denn es ist der g’ttliche König, der hier als wirklicher Vertragspartner auftritt, während der irdische gewissermaßen in der Studierstube verschwindet. Die eigentliche Leistung des Buches Devarim besteht gerade darin, den menschlichen König in seine Grenzen zu weisen und ihm mit dem g’ttlichen eine Kontrollinstanz vorzusetzen.

Entnommen: Hanna Liss, Bruno Landthaler, Erzähl es deinen Kindern. Die Torah in fünf Bänden, Band 5: Devarim – Worte, Berlin 2016

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen

Was sollen die Jisraeliten alles tun, wenn sie ins Land gekommen sein werden?

Von welchen Abgaben spricht dieser Text?

Welche Stämme sollen die Flüche aussprechen, welche die Segenssprüche?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Gab es in der Tora schon einmal Segensworte?

Wo kommt der Segensspruch Gesegnet bist du, wenn du heimkommst, gesegnet, wenn du hinausgehst in einem jüdischen Haushalt vor?

Wo sollen die ersten Opfer stattfinden?

Paraschat Ki Tavo

Einleitung          Fragen zur Parascha

Die Erstlinge

26,1
Wenn du nun bald in das Land kommst, das der Ewige, dein G“tt, dir schon lange versprochen hat, dann sollst du die erste Ernte *von den sieben Arten* zusammentragen und in einem Korb an den Ort bringen, den der Ewige dir dafür bestimmen wird, also zum Heiligtum. Dort sollst du zum Kohen gehen und ihm sagen: „Ich will dem Ewigen berichten, dass ich in das Land gekommen bin, das der Ewige mir und meinen Vorvätern schon versprochen hat.“

Wenn du das gesagt hast, dann soll der Kohen den Korb aus deiner Hand nehmen und ihn vor den Altar des Ewigen stellen. Dann sollst du sagen: „*Der Aramäer wollte meinen Vater vernichten*, deshalb zog er nach Ägypten und wohnte dort eine ganze Weile. Zunächst waren sie nur wenige, aber sie wurden immer mehr, bis sie ein mächtiges Volk geworden waren. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht, und sie zwangen uns zu harter Arbeit. Endlich schrien wir zum Ewigen, dem G“tt unserer Väter, und baten ihn, uns zu helfen. Und tatsächlich: Er hörte auf uns, er sah unser Unglück, und er führte uns mit seiner starken Hand und mit mächtigen Wundern aus Ägypten heraus. Und der Ewige brachte uns bis hierher in dieses Land, das er uns versprochen hat, in das Land, in dem Milch und Honig fließen. Und ich stehe nun hier und bringe die ersten Früchte dieses Landes dem Ewigen.“
Daraufhin sollst du den Korb vor den Ewigen, deinen G“tt, hinstellen, und dich selbst sollst du niederwerfen vor dem Ewigen, deinem G“tt. Und so sollst du dich über alles Gute, das der Ewige dir gegeben hat, freuen, du selbst, der Lewite und auch der Fremde, der bei dir wohnt.

Die Bitte um Segen

Wenn du nun schon eine zeitlang im Land gewohnt hast, und du hast alle Abgaben für die Lewiten und auch für die Armen abgegeben, so dass sie auch zu essen haben, dann sollst du vor dem Ewigen, deinem G“tt, sagen:

„Ich habe das Heilige, die Abgaben für die Lewiten und für die Armen, abgeliefert, genauso, wie du es mir befohlen hast. Ich habe keines deiner Gebote dabei missachtet. Ich habe von den Abgaben nichts, aber auch gar nichts, gegessen, ich habe ganz und gar auf die Stimme des Ewigen gehört und alles genau so getan, wie du, Ewiger, es von mir verlangt hast. Deshalb bitte ich dich, schau auf mich herab und segne das Volk Jisrael. Auch den Boden, den du uns versprochen und uns gegeben hast, auch dieses Land, das von Milch und Honig nur so fließt, segne und lasse es gedeihen, damit unser Ertrag immer üppig sein wird.

Die Pflicht, die Gebote auszuüben

An diesem Tag befiehlt dir der Ewige, dein G“tt, alle Gebote und Vorschriften sehr genau zu beachten, *als ob heute der Ewige dir die Gebote gibt*. Halte dich an die Gebote mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele. Der Ewige hat heute von dir gehört, dass du ihn als deinen G“tt anerkennen möchtest und dass du ganz so leben möchtest, wie der Ewige es dir befohlen hat. Und du hast ihm auch gesagt, dass du ihm stets Freude machen möchtest. Damit er dich berühmt werden lässt vor allen anderen Völkern und damit du dem Ewigen ein heiliges Volk wirst.

Die ersten Gebote nach dem Eintritt in das Land

27,1
Dann traten Mosche und die Ältesten vor und sagten dem Volk: „Wenn du nun den Jordan überquerst und in das Land, das der Ewige, dein G“tt, versprochen hat, kommst, dann sollst du große Steine aufstellen, und die ganze Lehre, die du gehört hast, auf diese Steine schreiben. Diese Steine sollst du auf dem Berg Ebal aufstellen, auch einen Altar sollst du dort dem Ewigen errichten, einen Altar aus ganz unbehauenen Steinen. Dann sollst du verschiedene Opfer auf diesem Altar bringen, und die Opfer sollst du dort essen. Und sollst fröhlich sein vor dem Ewigen, deinem G“tt. Und auf die Steine schreibe die ganze Lehre.“

Die Fluchworte

Und Mosche und die Kohanim sagten zum ganzen Volk: „Sei einmal still und höre, Jisrael! Am heutigen Tag bist du zum Volk des Ewigen geworden. So höre denn auf die Stimme des Ewigen und halte dich an die Gebote und Vorschriften.“

Dann sagte Mosche zum ganzen Volk: „Wenn ihr über den Jarden zieht, dann sollen folgende Stämme auf dem Berg Gerisim stehen, um die Segensworte für das Volk zu sagen: Schimon, Lewi, Jehuda, Jissachar, Josef und Benjamin. Und folgende Stämme sollen auf dem Berg Ebal stehen, um die Fluchworte für das Volk zu sagen: Reuven, Gad, Ascher, Sevulun, Dan und Naftali. Und dann sollen die Lewiten mit lauter Stimme ausrufen:

„Verflucht sei, wer sich ein Götzenbild macht und es für sich aufstellt – und das Volk sage: Amen.

Verflucht sei, wer Vater und Mutter gegenüber unverschämt kommt – und das Volk sage: Amen.

Verflucht sei, wer die Grenzen zu seinem Nachbarn verändert – und das Volk sage: Amen.

Verflucht sei, wer einen Blinden in die Irre führt – und das Volk sage: Amen.

Verflucht sei, wer das Recht eines Schutzbedürftigen beugt – und das Volk sage: Amen.

Verflucht sei, wer sich mit einer verwandten Frau einlässt und mit ihr schläft – und das Volk sage: Amen.

Verflucht sei, wer sich bestechen lässt – und das Volk sage: Amen.

Verflucht sei, wer die Gebote der Tora nicht hält und ihnen keine Achtung verschafft – und das Volk sage: Amen.

Die Segensworte

28,1
Wenn du aber auf den Ewigen, deinen G“tt, hörst und alle seine Gebote einhälst, dann wird dich der Ewige, dein G“tt, vor alle anderen Völker stellen. Du wirst dann auch gesegnet sein.
Gesegnet bist du in der Stadt, gesegnet auf dem Land.

Gesegnet sind deine Nachkommen, gesegnet alle deine Früchte.

Gesegnet bist du, wenn du heimkommst, gesegnet, wenn du hinausgehst.

Deine Feinde werden auf einem Weg gegen dich antreten, aber auf sieben Wegen vor dir fliehen.

Wenn du alle Gebote einhälst, dann wirst du ein heiliges Volk sein. Und alle anderen Völker werden dann sehen, dass du ein Volk G“ttes bist, und sie werden dich fürchten.

Und der Ewige wird dir von deinem Boden, den er dir versprochen hat, im Überfluss geben. Aber du musst die Gebote einhalten, nicht rechts oder links von ihnen abweichen, du darfst keinen falschen Göttern nachlaufen.

Fluchworte

Wenn du aber die Gebote nicht einhälst und nicht auf den Ewigen, deinen G“tt, hörst und du fremden Göttern nachläufst, dann wird dich der Fluch einholen und du wirst nicht glücklich sein.

Verflucht bist du in der Stadt, verflucht auf dem Land.

Verflucht sind deine Nachkommen, verflucht alle deine Früchte.

Verflucht bist du, wenn du heimkommst, verflucht, wenn du hinausgehst.
Du wirst auf einem Weg gegen deine Feinde antreten, aber auf sieben Wegen vor ihnen fliehen.

All dein Tun wird dann verflucht sein, deine Ernte wird nicht taugen. Wenn du Böses tust, dann wirst du verflucht sein und bald wirst du ausgetilgt sein. Du wirst getroffen werden von Krankheit und Geschwüren, du wirst irre werden und nur noch umherirren.

Willst du eine Frau heiraten, wird ein anderer sich zu ihr legen, hast du ein Haus gebaut, wirst du nicht darin wohnen, hast du einen Weinberg gepflanzt, wirst du ihn nicht ernten. Deine Söhne und Töchter werden zu einem anderen Volk gebracht, und du musst es mit ansehen, aber du bist machtlos und kannst nichts tun.

Und das alles, weil du auf die Gebote deines G“ttes nicht gehört hast.

Und endlich wird dich der Ewige unter alle Völker zerstreuen, dann wirst du bei den Völkern leben müssen, und dort wirst du fremden Göttern dienen müssen, Göttern, die du nie gekannt hast. Und dort, bei den Völkern, wirst du dann keine Ruhe mehr finden. Du wirst dich nicht ausruhen können, du wirst ängstlich umherirren, weil du Angst hast vor den Völkern.

Auch wird dich dann der Ewige auf Schiffen wieder nach Ägypten zurückbringen, dorthin also, wovon ich gesagt habe, dass du nie wieder dorthin zurückkehren sollst.“

Das alles sagte Mosche: Und das war der Bund, den Mosche auf Befehl des Ewigen hin mit dem Volk Jisrael geschlossen hat.

Die letzten Anweisungen

29,1
Dann rief Mosche noch einmal das ganze Volk Jisrael zu sich zusammen und sagte ihnen:
„Ihr habt doch genau gesehen, was der Ewige im Land Ägypten am Pharao und an den Ägyptern gemacht hat. Das waren alles große Zeichen und Wunder. Aber bislang habt ihr noch nicht genug Verstand gehabt, das alles zu verstehen. Ihr habt bislang noch keine Augen gehabt, um zu sehen, keine Ohren gehabt, um zu hören. Deshalb habe ich euch vierzig Jahre lang durch die Wüste geführt. Damit ihr verstehen könnt, dass der Ewige euer G“tt ist. Und deshalb sollt ihr nun, da ihr das Land in Besitz nehmt, die Worte des Bundes genau hören und bedenken, damit alles, was ihr tut, euch auch glücken mag.

Einleitung zu Paraschat Ki Teze

Waren die ersten Paraschijot des Buches Devarim vor allem Rückblicke und Mahnworte, so werden seit Paraschat Schoftim Einzelbestimmungen aufgeführt, die teilweise Parallelen zu den anderen Büchern der Torah aufweisen. Gleichwohl ist der Charakter der Anordnungen ein sehr spezifischer und von den vorherigen Büchern deutlich unterschieden. So spielt beispielsweise die starke Konzentration auf priesterliche Aufgaben und Tätigkeitsbereiche, wie sie im Buch Wajikra formuliert wird, hier eine ganz untergeordnete Rolle. Vielmehr fallen zwei scheinbar entgegengesetzte Ausrichtungen auf: zum einen die Härte der Strafen (Todesstrafe, Steinigung, Abhacken der Hand), zum anderen der soziale Ausgleich zwischen Arm und Reich, der geradezu als eine »Bruderethik« formuliert wird.

Was aus heutiger Sicht eher widersprüchlich erscheint, ist in der Logik des Buches Devarim jedoch sehr konsequent gedacht. Paraschat Ki Teze stellt zum ersten Mal die Einzelperson als Rechtssubjekt deutlich heraus. Nicht die Familie oder der Clan oder der Stamm ist für das Verhalten seiner Mitglieder verantwortlich, sondern in erster Linie jeder einzelne Mensch innerhalb der jisraelitischen Gesellschaft (vgl. später auch Paraschat Nizzavim). Dies bedeutet aber keineswegs einen Individualismus des Rechts, wie ihn moderne Gesellschaften kennen, in denen das eigentliche Ziel des Rechts die Anerkennung und Verteidigung der Menschenwürde des Einzelnen ist. In der Torah ist das Ziel und der Zweck des Rechts nicht die einzelne Person, sondern das Volk Jisrael, insofern es als das Volk G’ttes gedacht wird. Allerdings betont das Buch Devarim, wie wir bereits mehrfach gesehen haben, dass es hierzu jedes und jeder Einzelnen bedarf.

Den Einzelnen als Träger der Verantwortung zu sehen, heißt, ihm große Verantwortung zu übertragen, da es auch an ihm liegt, ob das Volk eine Zukunft hat. Auf dem Einzelnen lastet die Verantwortung für die Vielen. Deshalb wird jedes Fehlverhalten schonungslos geahndet. Gleichzeitig verbietet es der Anspruch auf die Durchsetzung des Rechts, den Einzelfall zu sehen, besondere Umstände zu berücksichtigen und also individuell zu richten. Denn wir haben ja gesehen, dass alle vor dem Recht gleich sind, also nicht auf die Person des Angeklagten geachtet werden darf. Auch deshalb wirkt das Buch Devarim auf uns Heutige oftmals so unerbittlich.

Auf der anderen Seite gibt es gesetzliche Regelungen für sozial Schwache. Hier insistiert Devarim, dass das Volk Jisrael auch aus Armen und anderen Unterprivilegierten besteht. Auf ihren rechtlichen Schutz und ihre soziale Einbindung kommt es gleichermaßen an, wenn das Volk in seinem Land eine Zukunft haben soll. Dahingehend vertritt das Buch Devarim eine ausgesprochen egalitäre Position, da der Stand oder das Ansehen der Person keinerlei Einfluss auf die Teilhabe an der Gesellschaft haben darf. Aber gerade die Armen und Unterprivilegierten werden nur allzu leicht an der Inanspruchnahme ihrer Rechte gehindert und haben auch sonst wenig Möglichkeiten der freien Selbstentfaltung, da sie sich zumeist in finanziellen Abhängigkeiten befinden. Das Buch Devarim weiß aber sehr wohl, dass die freie Selbstentfaltung von finanziellen Voraussetzungen abhängt, deshalb sollen die Armen und Unterprivilegierten umso mehr vor den Übergriffen der »Mittel- und Oberschicht« geschützt werden. Und deshalb wird ihnen gegenüber noch einmal die Unbeugsamkeit des Rechts betont, obwohl dies ohnehin als allgemeiner Grundsatz gilt. Für die Armen werden also eigens Gesetze erlassen, die die Teilhabe an der Gesellschaft und damit die aktive Mitgliedschaft im Volk G’ttes ermöglichen.

Strafen: Die Strafen, die in dieser Parascha in Aussicht gestellt werden, sind in der Regel drakonisch: Todesstrafe, Steinigung, Hand abhacken, Auspeitschen. Während die Todesstrafe durchaus noch in westlichen Rechtssystemen vorkommen kann, ist dies für die anderen Strafen nicht mehr der Fall. Im Vergleich allerdings mit anderen altorientalischen Rechtskorpora und Vertragstexten erweist sich das Buch Devarim als Kind seiner Zeit, und seine Strafkataloge entsprechen den damals üblichen Konventionen. Gleichwohl haben offenbar schon unsere Rabbinen diese Strafen oftmals als zu drakonisch empfunden und auf die eine oder andere Weise zu entschärfen versucht, indem entweder die Strafe selbst uminterpretiert oder das Vergehen anders verstanden wurde. Dies umso mehr, als die Strafen oft für vergleichsweise harmlose Vergehen angewandt werden sollten, wie für einen widerspenstigen Sohn oder das Berühren der männlichen Scham durch eine Frau.

(entnommen aus: Liss/Landthaler, Erzähl es deinen Kindern, Bd. 5, S 95-97.)

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen zur Parascha

Kann eine gefangene Frau eines anderen Volkes von einem Jisraeliten geheiratet werden?

Was passiert mit einem Sohn, der gar keinen Respekt vor seinen Eltern hat?

Was soll mit Dingen passieren, die man zufällig findet?

Darf ein Mann, dem seine Frau verhasst worden ist, alles über sie in der Öffentlichkeit erzählen?

Was ist zu tun, wenn man ein Gelübde abgelegt hat?

In dieser Parascha gibt es sehr viele Gesetze, die bestimmte Menschen schützen sollen. Welche Menschen sind das?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Wird das Verbot, zweierlei Arten zu mischen, heute noch eingehalten, wenn ja, wo?
Wo ist das Gebot, sich Zizit an die Kleidung zu machen, heute noch wichtig?

Das Verbot, ein Gelübde zu missachten, wurde im Judentum immer sehr streng eingehalten. Wo kommt das im G“ttesdienst zum Ausdruck?

Paraschat Ki Teze

Einleitung          Fragen zur Parascha

Die gefangene Frau

21,10
Nun kann es sein, dass du, wenn du gegen ein Volk Krieg führst, dabei Gefangene machst. Und es kann auch sein, dass unter den Gefangenen eine Frau ist, die sehr schön aussieht. Und du dich in sie verliebst und du sie heiraten möchtest. Dann ist das auch möglich. Aber du musst Folgendes dabei berücksichtigen: Die Frau, die du in dein Haus führst, soll ihre Haare scheren und die Nägel wachsen lassen. Und sie soll ihre Gefangenenkleidung ablegen, schließlich ist sie keine Gefangene mehr. Und dann soll sie in deinem Haus bleiben und einen Monat ihren Vater und ihre Mutter beweinen. Erst danach, wenn sie diese Zeit hinter sich gebracht hat, kannst du zu ihr gehen und sie heiraten.

Und wenn es dann vorkommt, dass du dich irgendwann später von dieser Frau trennen möchtest, dann sollst du sie nicht plötzlich behandeln wie eine Sklavin: Du darfst sie also nicht verkaufen. Du sollst dich so von ihr scheiden, wie es vorgeschrieben ist.

Die Söhne von verschiedenen Müttern

Es kann nun sein, dass ein Mann zwei Frauen hat. Die eine Frau liebt er, der anderen dagegen ist er nicht sehr zugetan. Hat er von der nicht-geliebten Frau aber seinen erstgeborenen Sohn und von seiner geliebten Frau den zweitgeborenen, so darf er, wenn er am Ende seiner Tage unter den Söhnen verteilt, nicht den Sohn von seiner geliebten Frau bevorzugen und ihm das Erstgeburtsrecht geben. Der erstgeborene Sohn bleibt der erstgeborene Sohn und ihm allein steht das Recht des Erstgeborenen zu. Das bedeutet also, dass der Erstgeborene von allem, was der Vater verteilt, das Doppelte erhält.

Der widerspenstige Sohn

Haben Eltern einen unerzogenen, widerspenstigen Sohn, der auf seine Eltern so gar nicht hören mag, so sollen die Eltern ihren Sohn züchtigen, damit der Sohn lernt, auf seine Eltern zu hören. Hilft auch das nicht und der Sohn bleibt ungehörig seinen Eltern gegenüber, dann sollen die Eltern mit ihrem Sohn zum Stadttor zu den Ältesten gehen und ihnen sagen: „Dieser unser Sohn will auf uns nicht hören. Alle Versuche, ihn dazu zu bewegen, haben nichts gebracht. Er will nicht auf uns hören, er verhält sich uns gegenüber unverschämt.“ Daraufhin sollen die Leute der Stadt kommen, und den widerspenstigen Sohn steinigen, damit er stirbt.

So sollst du das Böse aus der Mitte herausreißen.

Der Erhängte

Wenn jemand eine so schlimme Sache gemacht hat, dass er des Todes sterben muss und er wird am Galgen erhängt, so sollst du darauf achten, dass der Erhängte noch am selben Tag begraben wird. Ein Leichnam soll nicht über Nacht an einem Galgen in aller Öffentlichkeit hängen. Das würde Gott entwürdigen. Auch sollst du den Boden, den der Ewige, dein Gott, dir zum Besitz übergeben hat, nicht verunreinigen.

Die Hilfe für den anderen

22,1
Es darf dir nicht gleichgültig sein, wenn ein Ochse oder ein Lamm von einem anderen in die Irre gehen. Schau nicht weg, wenn du so etwas siehst, sondern nimm das Tier und bring es deinem Bruder, dem das Tier gehört, zurück. Weißt du aber nicht, wem das Tier gehört, oder der Eigentümer wohnt zu weit entfernt, dann nimm das Tier zu dir und warte, bis nach dem Tier gefragt wird, dann kannst du das Tier wieder zurückgeben.

Auch mit einem Esel sollst du so tun.

Auch mit allen Gegenständen, die deinem Bruder verloren gegangen sind und die du gefunden hast, sollst du auf diese Weise verfahren. Schau nicht einfach weg, wenn da etwas Verlorenes herumliegt.

Liegt ein Esel oder Ochse deines Bruders am Wegesrand, dann hilf dem Tier auf.

Frauen- und Männerkleidung

Merke dir, dass Frauen niemals in Männerkleidung und Männer niemals in Frauenkleidung herumlaufen sollen. Das wäre ein Gräuel für den Ewigen, deinen G“tt.

Das Vogelnest

Wenn du auf ein Vogelnest triffst, in dem sich Küken oder Eier darin befinden und die Vogelmutter sitzt im Nest, dann darfst du nicht das ganze Nest mitsamt den Küken oder Eiern und der Vogelmutter zu dir nehmen. Vielmehr sollst du die Vogelmutter fliegen lassen, dann kannst du auch die Küken oder Eier an dich nehmen.

Vorsorge treffen

Wenn du ein Haus baust, dann denk daran, oben auf dem Dach ein Geländer anzubringen, damit niemand vom Dach fallen kann. Du würdest sonst eine große Schuld auf dich laden, denn du bist dafür verantwortlich.

Keine zwei Arten

Säe auf deinem Weinberg keine zwei Arten aus. Du würdest sonst zweierlei Ertrag in deine Scheune einfahren, was verboten ist.

Auch sollst du nicht einen Ochsen und einen Esel zusammen vor den Pflug spannen.
Auch sollst du kein Kleidungsstück anziehen, das Schaatnes ist, das heißt, das Wolle und Leinen zusammen enthält.

Die Zizit

An die vier Ecken deines Gewandes, mit dem du dich bedeckst, mache dir geflochtene Fäden.

Probleme zwischen Mann und Frau

Es kann vorkommen, dass ein Mann mit einer Frau verheiratet ist und sie ihm im Laufe der Zeit verhasst wird. Und wie es so ist, erzählt er überall üble Dinge über seine Frau, um sie in aller Öffentlichkeit schlecht zu machen, so zum Beispiel, dass seine Frau schon vor ihm mit einem anderen Mann geschlafen hat, also keine Jungfrau mehr war, als er sie geheiratet hatte. Wenn so etwas vorkommt, dann sollen die Eltern der Frau zu den Ältesten am Stadttor gehen und ihnen beweisen, dass dem nicht so war. Wenn sich herausstellt, dass der Mann nur Übles über seine Frau gesagt hat, dann sollen ihn die Ältesten holen und ihn züchtigen lassen. Außerdem soll er noch ein Strafgeld zahlen, schließlich hat er über eine israelitische Frau Schlechtes und Verleumderisches gesagt.

Hat sich aber herausgestellt, dass der Mann die Wahrheit gesprochen hat und die Eltern der Frau konnten das Gegenteil von dem, was der Mann gesagt hat, nicht beweisen, dann soll man die Frau zum Haus ihres Vater führen und die Leute der Stadt sollen sie steinigen. Denn sie hat etwas Abscheuliches getan, wofür sie bestraft werden muss.

So sollst du das Böse aus deiner Mitte reißen.

Erwischt man eine Frau, die verheiratet ist, bei einem anderen Mann, dann sollen beide, der Mann und die Frau, sterben. Denn so sollst du das Böse aus Jisrael fortschaffen.

Ist ein Mädchen mit einem Mann verlobt und es passiert, dass sich in der Stadt ein anderer zu ihr legt, um mit ihr seinen Spaß zu haben, dann sollen beide vor das Tor der Stadt gebracht werden, um gesteinigt zu werden. Das Mädchen, weil es offensichtlich nicht geschrien hat (hätte es geschrien, hätte es in der Stadt von anderen Menschen gehört werden müssen), der Mann, weil er seinen Spaß mit einem Mädchen trieb, das aber bereits einem anderen versprochen war.

Ist der Fall aber so, dass der Mann das Mädchen, das einem anderen versprochen ist, auf freiem Feld überfallen hat, dann soll der Mann allein sterben. Denn das Mädchen hätte von niemandem gehört werden können.

Legt sich jedoch ein Mann zu einem Mädchen, das noch keinem Mann versprochen ist, und beide werden dabei erwischt, dann soll der Mann einen bestimmten Betrag an den Vater zahlen und er muss selbst das Mädchen heiraten. Er darf sich nie wieder von ihr trennen.

Blutschande

23,1
Niemand soll sich zu der Frau seines Vaters legen.

Wer nicht in die Gemeinde aufgenommen werden darf

Folgende Personen sollen nicht in die Gemeinde des Ewigen aufgenommen werden:

Derjenige, der an seinen Geschlechtsteilen verstümmelt ist. Keiner, der aus einer nicht erlaubten Beziehung entstammt, auch nicht dessen Kinder und Kindeskinder; Kein Ammoniter und Moabiter, weil sie euch beim Auszug aus Ägypten nicht geholfen haben und weil sie den Bilam bezahlt haben, um euch zu verfluchen.

Wer in die Gemeinde aufgenommen werden darf

Sei zum Edomiter nicht herablassend, denn er ist dein Bruder. Auch gegenüber dem Ägypter sollst du nicht herablassend sein, denn schließlich warst du in seinem Land ein Fremdling. Ein Nachkomme von ihnen darf in die Gemeinde aufgenommen werden.

Unreinheit

Wenn du gegen deine Feinde ausrückst, dann sollst du darauf achten, dass du nichts Übles tust.

Wenn durch Zufall jemand in der Nacht unrein geworden ist, dann soll er vor das Lager hinausgehen und nicht wieder zurückkehren, bis er gegen Abend sich in Wasser gebadet hat. Dann darf er, wenn die Sonne untergegangen ist, wieder zurückkehren ins Lager.
Du sollst draußen vor dem Lager eine Stelle haben, zu der du hinausgehen kannst, um deine Notdurft zu verrichten. Deshalb sollst du auch immer eine Schaufel in deinem Gepäck haben, damit du deine Notdurft auch bedecken kannst. Denn denk dran, dass der Ewige, dein G“tt, mitten unter dir ist, um dir beim Kampf gegen die Feinde beizustehen. Deshalb ist dein Lager ein heiliges Lager und kein Dreckhaufen, wo jeder sein Geschäft hinmachen kann, wo er gerade will.

Keine Sklaven ausliefern

Wenn ein Sklave, der irgendeinem anderen Herrn gehört, zu dir gelaufen kommt, um bei dir Schutz zu suchen, dann sollst du ihm eine Bleibe in deinen Stadttoren zuweisen und ihn nicht an seinen Herrn ausliefern. Geh mit diesem Sklaven so um, dass er sich nicht gekränkt fühlt, denn du sollst seine Notlage nicht ausnutzen.

Keine religiösen Liebesdienste

Bei dir soll es das nicht geben, was es bei anderen Völkern gibt: Nämlich dass Frauen und Männer am Heiligtum Liebesdienste anbieten und im heiligen Bereich gegen Bezahlung miteinander schlafen.

Auch sollst du kein Geld, das durch Hurerei verdient worden ist, zum Heiligtum bringen. Denn so etwas ist ein Gräuel für den Ewigen, deinen G“tt.

Keine Zinsen nehmen

Von deinem Bruder darfst du nicht Geld dafür abknöpfen, dass du ihm etwas geliehen hast. Nimm also keine Zinsen. Egal, ob du Geld ausleihst oder Lebensmittel oder sonst irgendetwas. Zinsen darfst du nur von einem Fremden nehmen, nicht aber von deinem Bruder. Nur so kann der Ewige, dein G“tt, dich in deinem Land mit all dem segnen, was du erworben hast.

Gelübde

Wenn du dem Ewigen, deinem G“tt, etwas ganz fest versprichst und ihm ein Gelübde tust, dann musst du das, was du versprochen hast, auch unbedingt ausführen. Denn wenn du dein Gelübde ablegst, aber es nicht ausführst, dann begehst du eine sehr große Sünde. Denn das, was du über deine Lippen bringst, musst du sorgfältig überlegen, und wenn du etwas versprichst, dann bist du auch verpflichtet, es einzuhalten.

Mundraub

Wenn du unterwegs bist, kannst du bei deinem Nachbarn in den Weinberg gehen und Trauben essen. Das ist erlaubt. Aber du darfst nichts in eine Tasche füllen, damit du für später noch etwas zu essen hast. Auch wenn du in einem Getreidefeld stehst, darfst du mit der Hand die Ähren zupfen. Aber du darfst nicht mit der Sichel in das Feld gehen und ganze Flächen für dich abschneiden.

Die geschiedene Frau

24,1
Ein Mann kann einen Scheidebrief ausstellen und ihn seiner Frau übergeben, um sich von ihr scheiden zu lassen. Heiratet aber seine ehemalige Frau ein weiteres Mal und sie wird wieder geschieden oder verwitwet, so dass sie wieder frei ist, dann darf ihr erster Mann, der sich von ihr getrennt hat, sie nicht wieder heiraten.

Das jung verheiratete Paar

Ist jemand frisch verheiratet und es bricht ein Krieg aus, dann muss der Mann nicht in das Heer. Auch soll er keine Steuern für den Krieg zahlen müssen, er ist ein Jahr lang davon befreit. Ein jung verheiratetes Paar soll schließlich sein Glück genießen.

Pfand

Ist ein Müller arm geworden, so sollst du nicht seinen Mühlstein pfänden, d.h. den Mühlstein gegen Geld annehmen, damit der Müller wieder etwas zu essen kaufen kann. Denn ein Müller braucht ja seinen Mühlstein und du würdest ihn gänzlich ruinieren.
Geht jemand hin und entführt einen Jisraeliten, um ihn als Sklaven zu verkaufen, und er wird dabei erwischt, dann soll er zur Strafe sterben. Auf diese Weise sollst du das Böse aus deiner Mitte herausreißen.

Hast du jemandem Geld geliehen, so sollst du nicht zu ihm nach Hause gehen, um dir ein Pfand (zur Sicherheit) zu nehmen. Du kannst zu ihm gehen, aber bleib draußen vor der Tür stehen. Und der, dem du etwas geliehen hast, soll dir selbst das Pfand nach draußen bringen.

Ist derjenige, dem du etwas geliehen hast, sehr arm, und er hat dir als Sicherheit nur noch sein Bettlaken anbieten können, dann darfst du das Pfand, das du als Sicherheit genommen hast, nicht über Nacht behalten. Noch vor Sonnenuntergang sollst du das Pfand zurückgeben, damit sich der Arme in der Nacht in ein Tuch wickeln kann und dich segnet. Der Ewige, dein G“tt, wird eine solche Tat von dir sehr schätzen.

Der Lohn

Hast du arme Tagelöhner angestellt, so sollst du deinen Arbeitern ihren Lohn nicht vorenthalten. Du sollst ihnen am selben Tag, an dem sie für dich gearbeitet haben, ihren Lohn auszahlen. Die Sonne darf darüber nicht untergehen. Denn er ist arm, und er benötigt jedes Geld, um das Nötigste für sich zu besorgen. Nicht dass der Geprellte zum Ewigen schreit und du mit großer Schuld dastehst.

Jeder ist für sich selbst verantwortlich

Hat jemand etwas Schlimmes getan, dann soll auch nur derjenige, der es getan hat, zur Verantwortung gezogen werden. Nicht soll der Vater für seine Kinder getötet werden oder ein Kind für seinen Vater. Wenn jemandem die Todesstrafe zugesprochen wurde, dann soll auch nur der die Strafe erhalten.

Der Schutz der Bedürftigen

Nie sollst du das Recht des Fremden oder der Waise verbiegen.

Auch das Kleid der Witwe, die arm ist, sollst du nicht pfänden.

Denk dabei immer daran, dass du selbst ein Knecht in Ägypten warst und dass dich der Ewige, dein G“tt, von dort befreit hat. Deshalb sollst du den Bedürftigen auch immer besonders beachten.

Zum Beispiel sollst du, wenn du erntest, nicht noch einmal übers Feld gehen, um die letzten übriggebliebenen Ähren abzuernten. Denn die übriggebliebenen Ähren auf dem Feld gehören dem Fremden, der Waisen und der Witwe, den armen und bedürftigen Menschen also.

Auch wenn du einen Ölbaum abklopfst, um die Oliven zu ernten, sollst du nicht anschließend die Zweige auch noch einzeln absuchen, um den letzten Rest zu ernten. Die Nachlese, also das Aufsammeln des Restes, sollen der Fremdling, der Waise und die Witwe erledigen.

Du sollst immer daran denken, dass du im Land Ägypten einmal Sklave warst, deshalb sollst du so handeln, wie ich es dir sage.

Das rechte Maß der Strafe

25,1
Wird jemand mit Schlägen bestraft, weil er etwas getan hat, was diese Strafe fordert, so denke daran, ihm nicht übermäßig viele Schläge zu geben. Denn wenn du ihn über die Maßen mit Schlägen bestrafst, machst du ihn vor anderen verächtlich. Und das soll nicht sein.

Der Ochse

Wenn du den Ochsen zum Dreschen einspannst, so sollst du ihm nicht das Maul verbinden.

Schwagerehe

Wohnen zwei Brüder zusammen und einer von ihnen stirbt, ohne aber Kinder hinterlassen zu haben, so soll der Bruder seine Schwägerin heiraten, damit die Frau des verstorbenen Bruders Kinder bekommt. Der erstgeborene Sohn tritt dann auch an die Stelle des verstorbenen Bruders, denn er ist sozusagen sein Sohn. Und dieser Sohn hält den Namen des verstorbenen Bruders in Jisrael am Leben.

Weigert sich aber der Bruder, seine Schwägerin zu heiraten, dann soll die Witwe zu den Ältesten ans Stadttor gehen und ihnen sagen: „Mein Schwager weigert sich, den Namen seines Bruders in Jisrael zu erhalten, er will mir gegenüber nicht die Pflicht als Schwager erfüllen.“

Daraufhin lassen die Ältesten den Schwager rufen und zu sich kommen und sie reden mit ihm. Sagt der Schwager dann: „Ich habe aber überhaupt keine Lust, meine Schwägerin zu heiraten,“ dann soll die Schwägerin vor den Augen der Ältesten den Schuh des Schwagers ausziehen und vor ihm ausspucken und sagen: „So geschieht es einem, der dem eigenen Bruder nicht das Haus bauen will. Sein Haus soll in Jisrael das Haus des Barfüßers genannt werden.“

Weitere Gebote der Gerechtigkeit

Wenn zwei Männer miteinander Streit haben und die Frau des einen Mannes tritt hinzu, greift in den Streit ein, um ihren Mann zu unterstützen, und greift dabei aus Versehen an die Schamteile des anderen Mannes, dann sollst du der Frau die Hand abhacken. Habe kein Mitleid.

Du sollst beim Abwiegen nicht mit unterschiedlichen Gewichten arbeiten. Vielmehr sollst du richtige Gewichte haben. Nur so kannst du auf dem Boden, den der Ewige dir gibt, lange leben. Es ist dem Ewigen, deinem G“tt, ein Gräuel, wenn du mit falschen Gewichten Unrecht tust.

Amaleq

Denk immer an das, was Amaleq der angetan hat, als du aus Ägypten auszogst. Wie Amaleq gegen dich auftrat obwohl du müde und matt warst. Aber Amaleq hatte keinen Respekt vor Gott. Wenn der Ewige, dein Gott, dir Frieden zwischen deinen Feinden ringsum bringen wird, dann sollst du das Andenken an Amaleq auslöschen, vergiss das nicht!

Einleitung zu Paraschat Schoftim

Nachdem sich die Paraschijot des Buches Devarim bislang
hauptsächlich den Gesetzen gewidmet haben, die das Volk Jisrael
G’tt gegenüber einzuhalten hat, werden in den folgenden
beiden Paraschijot verstärkt Gebote in den Blick genommen,
die auf die soziale Ordnung und das gesellschaftliche Miteinander
abzielen. Nun rückt die Gerechtigkeit, die dabei herrschen
muss, in den Blickpunkt. Das heißt unter anderem, dass
nach Gerechtigkeit gerichtet werden soll, die Anwendung des
Gesetzes also selbst gerecht sein muss. Das Buch Devarim thematisiert
damit eine auch heute noch gesellschaftlich relevante
Erfahrung: Regeln können noch so gerecht und auf den Ausgleich
mit allen Parteien bedacht sein – wenn sie eingeschränkt
oder nur willkürlich angewandt werden, sind sie verfehlt.
Und noch ein weiterer Punkt wird angesprochen: Das Gesetz
soll ohne Ansehen der Person angewandt werden – ein
Prinzip, das in demokratischen Rechtsstaaten durchgehend
verankert ist, dem zufolge alle Menschen vor dem Gesetz
gleich sind. Es gibt keine abgestufte Rechtsprechung, in der
bestimmte gesellschaftliche Schichten ein Vorrecht hätten…

(aus: Erzähl es deinen Kindern, Bd. 5, Ariella-Verlag, Berlin 2016)

Fragen zur Parascha

A) Allgemeine Fragen zur Parascha

Worauf sollen die Richter achten, wenn sie Recht sprechen?

Die Jisraeliten dürfen sich einen König einsetzen, wenn sie in das Land kommen. Worauf müssen sie aber achten, und worauf muss der König achten?

Warum erhalten die Kohanim (bzw. Lewiten) von den anderen Jisraeliten verschiedene Gaben?

Es heißt, dass die Jisraeliten nicht so sein sollen, wie die anderen Völker. Welche Verbote wurden deshalb erlassen?

Woran erkennt man den wahren Propheten?

Wer ist vom Kriegsdienst befreit?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Was wiegt schwerer: das Böse unter allen Umständen auszurotten, oder auf ein ordentliches Gerichtsverfahren zu bestehen? Mit anderen Worten: Kannst du jemanden des Götzendienstes überführen, wenn du dir ziemlich sicher bist, dass er so etwas getan hat, auch wenn du es hundertprozentig nicht weißt?

Wozu benötigen die Jisraeliten Zufluchtstädte?

Weshalb reicht ein einzelner Zeuge nicht, um eine Straftat zu bezeugen?

In welcher Art Krieg darf niemand nach Hause geschickt werden?

Weshalb muss ein Kalb in ein trockenes Tal geschickt werden, wenn ein Toter auf freiem Feld gefunden wird und der Mörder unbekannt ist?