Archiv der Kategorie: (4) Bemidbar – Das vierte Buch der Tora

Paraschat Masej

Die bisherige Reise

33
Der Ewige hatte Mosche genau angeordnet, dass Mosche den Weg, den die Kinder Jisraels von Ägypten bis Kenaan gehen würden, genau aufschreiben sollte. Und so wanderten die Jisraeliten von Ägypten durch die Wüste bis vor die Grenzen Kenaans:

Sie brachen in Ägypten von Ramses auf. Das war am fünfzehnten des ersten Monats. Sie brachen nach dem Pessach auf, nachdem die Erstgeborenen der Ägypter geschlagen worden waren. Und sie waren einige Tage in der Wüste unterwegs, bis sie ans Schilfmeer kamen. Und dann ging es immer weiter durch die Wüste bis zur Wüste Sinai. Und dann wanderten sie immer weiter und weiter, vierzig Jahre lang. Bis sie zum Berg Hor kamen. Dort ging Aharon, der Kohen, den Berg, wie es der Ewige angeordnet hatte, hinauf, um zu sterben. Aharon war 123 Jahre alt, als er starb. Und die Kinder Jisraels wanderten weiter, bis sie in das Land Moav kamen, in die Nähe von Jericho, das am Fluss Jarden lag. Dort lagerten sie sich.

Das Land

Als sie dort angekommen waren, sagte der Ewige zu Mosche: „Sag den Kindern Jisraels: Wenn ihr über den Jarden geht, um in das Land Kenaan einzuziehen, dann sollt ihr die Bewohner dieses Landes vertreiben, und vor allem sollt ihr alle Götzenbilder von diesen Leuten vernichten. Ihr werdet dieses Land in Besitz nehmen, denn ich habe euch dieses Land versprochen.

Und wenn ihr das Land für euch habt, dann sollt ihr das Land unter euch verteilen, durch das Los sollt ihr es den einzelnen Familien zuteilen. Ist eine Familie sehr groß, dann soll sie ein großes Stück Land erhalten, ist eine Familie aber klein, so soll sie auch ein kleines Stück Land erhalten.

Aber denkt dran: Vertreibt die Bewohner des Landes. Tut ihr das nicht, so werden euch diese Bewohner zu Dornen und Stacheln werden, und ich werde es nicht gerne sehen.“

Die Verteilung des Landes

34
Und dann sagte der Ewige zu Mosche: „Sag den Kindern Jisraels: Das ist das Land, das ihr zum Erbe von mir erhaltet: Es ist das Land Kenaan.“ Und der Ewige gab genau an, wie die Grenzen dieses Landes verlaufen sollten. Und dann sagte Mosche weiter: „Das also ist das Land, das ihr unter euch verteilen sollt. Und zwar sollt ihr es unter den neuneinhalb Stämmen verteilen. Zwei Stämme und ein halber sind ja auf der anderen Seite des Jarden geblieben (nämlich Reuven, Gad und der halbe Stamm Menasche).“

Danach bestimmte Mosche noch die Männer, die das Land aufteilen sollten. Das waren Elasar, der Kohen, und Jehoschua. Zu diesen beiden sollten auch noch je ein Anführer aus jedem Stamm dazukommen, um das Land zu verteilen.

Die Städte der Lewiim

35
Dann sagte der Ewige zu Mosche: „Sag den Jisraeliten auch, dass sie für die Lewiim Städte hergeben sollen, damit auch die Lewiim zu wohnen haben. Und nicht nur Städte. Die Städte sollen auch ringsherum freies Land haben, das den Lewiim gehören soll. Das brauchen sie, denn auch die Lewiim haben Viehherden, die weiden müssen. Und das freie Land soll rings um die Stadt sein, so dass die Stadt in der Mitte liegt.

Diese Städte, das wisst ihr, sollen gleichzeitig Zufluchtsstädte sein, die einer aufsuchen kann, wenn er aus Versehen jemanden erschlagen hat und nun fürchtet, dass er gerächt wird. Aber Zufluchtsstädte gibt es nur sechs, deshalb sollt ihr weitere 42 Lewitenstädte dazugeben, sodass es insgesamt 48 Städte sind. Verteilt die Lewitenstädte so, dass große Stämme mehr Lewitenstädte hergeben müssen als kleine Stämme.

Die Zufluchtsstädte

Und weiter sagte der Ewige zu Mosche: Sag den Kindern Jisraels: Wenn ihr in das Land Kenaan kommt, dann wählt euch Zufluchtsstädte aus, Städte, in die jemand fliehen kann, der jemanden aus Versehen getötet hat und Angst vor Vergeltung hat. Sechs Zufluchtsstädte sollen es sein, und zwar drei Städte auf der einen Seite des Jarden, drei Städte auf der anderen Seite. Dorthin soll  der fliehen, der jemanden aus Versehen getötet hat. Ein Mörder, der mit Absicht tötet, soll selbst getötet werden, für ihn sind die Zufluchtstädte nicht. Auch jemand, der aus Hass jemanden tötet, ist ein Mörder. Nur wer nicht aus Feindschaft tötet, ist kein Mörder. Und der Mörder soll vom Bluträcher getötet werden. Wo der Bluträcher den Mörder trifft, da soll er ihn töten.

Hat jemand aber nur einen Stein fallen lassen, so dass ein anderer dadurch getötet wurde, dann muss die Gemeinde zwischen dem, der getötet hat, und dem Bluträcher nach den Vorschriften entscheiden. Die Gemeinde ist verpflichtet, den, der getötet hat, vor dem Bluträcher zu schützen. Und sie sollen ihn in eine Zufluchtsstadt bringen. Dort soll er bleiben, bis der Hohepriester stirbt.

Passiert es aber, dass derjenige, der in eine Zufluchtsstadt geflüchtet ist, aus irgend einem Grund aus der Stadt geht, und der Bluträcher trifft ihn, und er tötet ihn, dann ist der Bluträcher ohne Schuld. Denn der Flüchtige soll seine Zuflucht in einer Zufluchtstadt suchen und dort auch bleiben. Erst wenn der Hohepriester gestorben ist, kann der Flüchtige in seine Heimat zurckkehren, ohne dass ihm etwas zustößt.

Das soll bei euch immer so gelten, das ist ein festes Gesetz.

Der Mörder

Es kann passieren, dass jemand einen Menschen umbringt. Und zwar so umbringt, dass man es als Mord sehen muss. Dann muss der Mörder überführt werden, wenn Zeugen gesehen haben, was passierte. Dann muss der Mörder selbst getötet werden. Aber es reicht nicht aus, den Mörder zu töten, wenn nur ein einziger Zeuge sagen kann, was passiert ist.
Ihr dürft auch keinen Mörder gegen Geld freikaufen. Wenn jemand des Todes schuldig ist, weil er gemordet hat, dann muss er getötet werden. Auch dürft ihr von jemandem, der in eine Zufluchtsstätte geflüchtet ist, kein Geld annehmen, damit dieser sich wieder frei bewegen kann. Er muss in der Zufluchtsstadt bleiben, bis der Kohen Gadol gestorben ist. Erst dann kann er sich wieder frei bewegen.

Denn denkt dran: Das Land, in dem ihr seid, darf nicht entweiht werden. Und Blut, das vergossen wurde, entweiht das Land, und es kann nur gesühnt werden, wenn der getötet wird, der getötet hat. Verunreinigt also nicht das Land, in dem ihr wohnt, und in dessen Mitte ich weile. Ich, der Ewige, wohne mitten unter den Kindern Jisraels.

Die Töchter Zelofchads

36
Dann kamen einige Anführer aus dem Stamm Menasche. Sie kamen zu Mosche und sagten: Der Ewige hat angeordnet, dass alle Familien durch Los ihren Teil am Land erhalten sollen. Nun hast du, Mosche, wie der Ewige gesagt hat, angeordnet, dass die Töchter des Zelofchads den Anteil ihres Vaters erhalten, weil ihr Vater keine Söhne hatte. Aber wie wird es sein, wenn die Töchter des Zelofchads Söhne eines anderen Stammes zum Mann nehmen? Dann wird ja der Teil, der ihnen gehört, also zu unserem Stamm, einem anderen Stamm gegeben. Und auch ein Yoveljahr ändert daran nichts, weil die Töchter ja rechtmäßige Besitzerinnen des Landes waren.

Daraufhin holte sich Mosche Rat beim Ewigen, und er verkündete danach: Die Söhne Josefs haben Recht. Deshalb hat der Ewige wegen der Töchter des Zelofchads festgelegt, dass die Töchter gut und gerne den heiraten sollen, der ihnen gefällt. Allerdings sollen sie nur Männer heiraten, die aus dem Stamm ihres Vaters kommen. Denn auf keinen Fall soll das Land, das einem Stamm gehört, in einen anderen Stamm übergehen. Die Kinder Jisraels sollen an dem Land festhalten, das ihnen vom Stamm her gehört.

Und so, wie Mosche angeordnet hatte, so machten es auch Machlah, Tirza, Choglah und Milkah, die Töchter des Zelofchads, sie heirateten Männer aus dem Stamm Menasche, so dass das Land, das ihnen gehörte, auch im Stamm Menasche verblieb.

Das alles sind die Vorschriften, die der Ewige den Kindern Jisraels durch Mosche am Jarden, Jericho gegenüber, aufgetragen hatte.

Paraschat Mattot

Von den Gelübden

30,2
Einmal sagte Mosche zu allen Stammesführern: „ Was ich euch jetzt sage, hat mir der Ewige zu sagen aufgetragen: Wenn jemand ein Gelübde ablegt, also ein festes Versprechen, oder einen Eid, also etwas schwört, dass er das und das tun will, dann soll er alles, was er sich auferlegt hat oder was er geschworen hat, auch genauso einhalten, wie er es gesagt hat. Kein Wörtchen davon soll er wieder zurücknehmen, er soll vielmehr alles genauso machen, wie er gesagt hat.

Etwas anderes ist es, wenn eine Frau ein Gelübde ablegt oder etwas schwört. Denn lebt sie als junge, unverheiratete Frau noch bei ihrem Vater, dann kommt es darauf an, wie ihr Vater auf das Versprechen reagiert, wenn er davon erfährt. Sagt er nichts dazu, dann gilt das Versprechen, genauso, wie es das Mädchen gesagt hat. Hat er aber etwas dagegen und löst den Schwur oder das Versprechen, dann ist dieses Versprechen oder dieser Schwur ungültig, und der Ewige wird der jungen Frau verzeihen.

So ist es auch bei einer Frau, die verheiratet ist. Macht sie ein besonderes Versprechen oder einen Schwur, und der Mann erfährt davon, dann kommt es ganz darauf an, wie der Mann reagiert. Schweigt er dazu, dann gilt das Versprechen oder der Schwur, und die Frau muss sich genau an das halten, was sie versprochen oder geschworen hat. Erhebt aber der Mann Einspruch, weil er etwas dagegen hat, dann ist das Vesprechen oder der Schwur ungültig, und der Ewige wird der Frau verzeihen.

Aber handelt es sich um eine Witwe oder um eine Geschiedene, dann ist alles, was die Witwe oder die Geschiedene gesagt, versprochen oder geschworen hat, gültig, und sie muss sich an alles ganz genauso halten, wie sie es gesagt, geschworen oder versprochen hat.
Also nochmals: Ein Mann kann das Versprechen oder den Schwur seiner Frau lösen und für ungültig erklären, wenn er dagegen Einspruch erhebt. Sagt er nichts, ist alles, was seine Frau gesagt hat, gültig. Löst er aber Versprechen oder Schwüre seiner Frau, dann muss er allerdings auch die Schuld seiner Frau selbst übernehmen.

Der Krieg gegen die Midianiter

31
Dann sagte der Ewige zu Mosche: „Mosche, du musst noch eine Sache erledigen. Weil die Midianiter zu euch derart böse waren, musst du gegen sie ausziehen und Krieg führen. Du sollst sie alle töten.“

Da ging Mosche hin und sagte dem Volk: „Wir müssen ein Kriegsheer zusammenstellen, um gegen Midian Krieg zu führen. Wir müssen die Untaten der Midianiter ungeschehen machen. Deshalb nehmt euch aus jedem Stamm tausend Männer, die das Kriegsheer bilden sollen.“

Und die Jisraeliten machten es so, und wählten sich tausend Männer aus jedem Stamm aus, also insgesamt 12.000 Männer. Und Mosche sandte sie gegen Midian aus. Auch Pinchas, der Sohn Elasars, war mit dabei. Er hatte die heiligen Geräte und auch die Posaunen mit dabei. Und so zog Jisrael gegen die Midianiter. Im Kampf gegen die Midianiter erschlugen sie alle Männer, auch die Könige von Midian erschlugen sie, auch Bilam, den Sohn Beors, erschlugen sie. Aber die Frauen und die Kinder nahmen sie gefangen und das Vieh, das sie erbeutet hatten, nahmen sie mit sich. Nach dem Kampf machten sie alle Städte der Midianiter dem Erdboden gleich, keine Stadt, kein Haus blieb stehen.

Alles, was sie nun mit sich führten, alles, was sie erbeutet hatten, brachten sie ins Lager zu Mosche und Elasar, dem Kohen. Und Mosche und Elasar, der Kohen, und alle Anführer der Stämme kamen ihnen entgegen. Aber als Mosche sah, was die Kriegsleute alles bei sich führten und erbeutet hatten, da wurde er sehr zornig und fuhr die Heerführer an: „Ihr habt ja alle Frauen am Leben gelassen! Aber gerade die Frauen der Midianiter waren es doch, die euch den Kopf verdrehten und machten, dass ihr Götzen hinterherjagtet und weshalb dann bei uns im Lager eine Seuche ausgebrochen ist. Deshalb geht jetzt hin, und tötet alle männlichen Kinder und alle Frauen. Nur die Mädchen sollt ihr am Leben lassen, die könnt ihr zu euch nehmen. Und dann denkt dran: Alle, die jemanden getötet haben oder die einen Getöteten berührt haben, alle die müssen sieben Tage außerhalb unseres Lagers bleiben. Sie sollen sich am dritten und am siebten Tag ins Reine bringen; sie selbst und auch ihre Gefangenen, und auch alles, was ihr erbeutet habt.“

Und Elasar, der Kohen, sagte noch einmal zu den Kriegsleuten: „Das ist die Vorschrift der Tora: Alles, was durch Feuer hergestellt wird, also Eisen, Gold u.s.w., alles das muss durch Feuer gereinigt werden. Dann ist es wieder rein, sofern ihr auch Reinigungswasser darübergießt. Alles andere, das nicht durch Feuer hergestellt wird, sollt ihr mit Wasser reinigen. Und wenn ihr eure eigenen Kleider am siebten Tag wascht, dann könnt ihr wieder zurückkehren ins Lager.

Die Gaben für den Ewigen

Dann sagte der Ewige zu Mosche: „Mache eine Liste und schreib genau auf, was die Kriegsleute an Beute ins Lager gebracht haben. All das sollst du und Elasar unter der ganzen Gemeinde Jisraels aufteilen. Und dann sollst du vom Teil der Kriegsleute einen Teil einbehalten und dem Kohen geben. Von den anderen, die nicht im Krieg waren, sollst du ebenfalls einen Teil einbehalten und das den Lewiim geben.

Danach traten die Kriegsleute, die gegen Midian gezogen waren, vor Mosche und sagten ihm: „Von uns ist nicht einer im Krieg umgekommen. Wir bringen dir nun hier alles das, was wir an Goldgeschmeide in Midian gefunden haben. Wir möchten das als ein Opfer für den Ewigen bringen, damit wir vor dem Ewigen wieder ins Reine gebracht werden.“ Und so nahmen Mosche und Elasar alles Gold, was die Kriegsleute brachten, entgegen. Und sie brachten alles zum Zelt, damit es dort als Erinnerungsmal für die Kinder Jisraels vor dem Ewigen dienen sollte.

Das Land für die Stämme Reuven und Gad

32
Es war so, dass die Stämme Reuven und Gad sehr große Herden hatten. Als sie nun das Land, in dem sie sich zur Zeit befanden, sahen, dachten sie, dass dieses Land genau geeignet sei für ihre Herden. Deshalb gingen sie zu Mosche und zu Elasar und den Anführern der Stämme und sagten ihnen: „Dieses Land, das der Ewige für uns erobert hat, ist ein ideales Land für große Herden. Und ihr wisst, dass wir Herden, sehr große Herden haben! Es wäre sehr schön, wenn wir mit unserer Bitte bei euch Gehör fänden. Denn wir wollen dieses Land uns zum Besitz nehmen. Wir wollen nicht über den Jarden gehen und uns jenseits des Jarden, also in Kenaan, niederlassen.“

Da antwortete ihnen Mosche: „Wie? Eure Brüder sollen in den Krieg ziehen, um das Land jenseits des Jarden zu erobern, und ihr wollt einfach hierbleiben? Ihr wisst, dass ihr damit eure Brüder davon abbringt, über den Jarden zu ziehen und unser Land zu erobern. Das wollt Ihr? So etwas haben eure Väter gemacht, als sie das Land auskundschaften sollten. Und als sie zurückkamen, haben sie ihren Brüdern einen Schrecken über dieses Land eingejagt und sie ganz verzagt gemacht. Es ist das Land, das der Ewige euch gegeben hat. Schon damals wurde der Ewige sehr zornig, deshalb durften alle, die damals zwanzig Jahre und älter waren, das Land nicht mehr sehen. Sie mussten, bevor wir ins Land kommen würden, sterben. Der Zorn des Ewigen entbrannte, und deshalb mussten wir vierzig Jahre in der Wüste umherirren, bis der Letzte von damals gestorben war. Und jetzt kommt ihr hier an, und wollt, wie eure Väter, das Land, das der Ewige euch gegeben hat, erst gar nicht sehen? So wird der Zorn des Ewigen erneut ausbrechen, und wir werden weiter Jahr um Jahr in der Wüste verbringen müssen und können nicht in das Land einziehen, nur weil ihr euch dagegen aufgelehnt habt!“

Das wollten die Stämme Reuven und Gad natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Deshalb antworteten sie schnell: „Hier wollen wir unsere Herden weiden, hier wollen wir Städte bauen. Das ja. Aber natürlich werden wir gemeinsam mit unseren Brüdern, an der Spitze des Kriegsheeres, einhergehen, um unsere Brüder in ihr Land zu bringen. Wir werden nicht eher zu unseren Familien zurückkehren, bis das ganze Land erobert und alle unsere Brüder ihren Ort gefunden haben. Wir wollen auch keinen Teil haben an dem Land in Kenaan.“
Das beruhigte Mosche, denn er sagte ihnen: „Nun, wenn ihr natürlich mit euren Brüdern in den Krieg ziehen wollt, und im Krieg bleiben wollt, bis der letzte Zipfel Land, das uns der Ewige gegeben hat, erobert ist, dann ist es etwas anderes. Dann wird der Ewige nicht zornig sein, und eure Brüder werden nichts dagegen haben können, dass ihr euch bereits hier niederlassen wollt. Aber wehe, wenn ihr das nicht tut. Wenn ihr also früher zurückkehren wollt: dann sollt ihr wissen, dass ihr euch schwer versündigt.“

Darauf sagten Leute von Gad und Reuven: „Alles, was der Ewige befiehlt, all das wollen wir tun. Unsere Kinder, Frauen und Herden sollen hier bleiben. Die Männer aber werden in den Krieg ziehen.“

Und Mosche gab Elasar und Jehoschua genaue Anweisungen, wie sie auf die Kriegsmänner aus Gad und Reuven achten sollten (denn Mosche sollte ja schon gestorben sein, wenn die Stämme in das Land eindringen sollten), und dass diese Stämme nur dann sich in diesem Land niederlassen dürfen, wenn sie als Kriegsmänner bei der Eroberung mit dabei gewesen sind.

Und so kam es, dass Mosche den Stämmen Gad, Reuven und auch dem halben Stamm Menasche das Gebiet der Emoriter gab. Und diese Stämme fingen gleich an, Städte für sich und ihre Familien und Herden zu bauen. Und der Halbstamm Menasche ging hin und eroberte sich sein Land bei den Emoritern.

Einleitung zu Paraschat Pinchas

Zwei wichtige Aspekte bringen diese Parascha: Zum einen wird die Geschichte von Pinchas fortgeführt, in der  ja – am Ende der letzten Parascha – von der Tat von Pinchas erzählt wird, wie er einen Jisraeliten, der sich mit einer Midianiterin eingelassen hatte, tötete. In dieser Parascha wird ihm von G“tt ein besonderer Bund des Friedens gegeben. Da unsere Altvorderen stets Schwierigkeiten mit Eiferern hatten, wussten sie auch diese Geschichte, die ja vom glühenden Eifer des Pinchas berichtet, dahingehend zu deuten, dass die Belohnung des Pinchas eher eine Besänftigung war: Er bekam deshalb einen Bund des Friedens, um sein Gemüt zu beruhigen und nicht mehr eifervoll in die Geschichte einzugreifen.

Dem steht der zweite Aspekt gegenüber und bestätigt die Linie unserer Ausleger: Minutiös wird aufgelistet, welche Tiere die Jisraeliten zu welchen Festen zum Heiligtum zu bringen zu haben, damit kultisch korrekt geopfert werden konnte. Dieser „Opferkalender“, der keine Ausnahmen und keine Spontaneität kennt, steht dem spontanen Tun eines Pinchas gegenüber. Denn Pinchas handelte aus eigenem Antrieb, in eigener Verantwortung und in eigener Konsequenz, während er als Priester – gebunden an den Opferkalender – nicht aus eigenem Antrieb handelt, sondern auf Anweisung G“ttes.

Fragen zu Paraschat Pinchas

A) Einfachere Fragen zur Parascha

Was hatte Pinchas getan?

Wer wurde gezählt?

Wer wird Nachfolger von Mosche? Weshalb führte Mosche nicht selbst die Jisraeliten in das Land?

Welche Feste werden in dieser Parascha behandelt?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Weshalb muss Pinchas in einem Bund eigens Frieden gegeben werden?

Welche Paraschijot werden noch nach den Namen von Menschen benannt? Fällt dir dabei etwas auf?

Überlege dir, weshalb die Geschichte von Pinchas auf zwei Paraschijot aufgeteilt worden ist!
Weshalb könnte es wichtig sein, dass das Land von jemanden an nahe Verwandte geht, wenn er selbst keine Söhne hat?

Wo wird der Festopferkalender heute im Synagogeng“ttesdienst berücksichtigt oder gar gelesen?

Paraschat Pinchas

Einleitung          Fragen          Pinchas PDF

Pinchas´ Belohnung

25,10
Dann sagte der Ewige zu Mosche: „Pinchas hat getan, was ich eigentlich tun wollte. Deshalb hat er meinen Zorn von den Jisraeliten ferngehalten und sie damit gerettet. Darum sollst du sagen: Mit einem ganz besonderen Bund mit ihm gebe ich ihm Frieden. Und dieser Bund, den ich mit ihm schließe, soll ihm und seinen Kindern und Enkeln das Priestertum für immer gesichert werden. Das soll er bekommen, weil er sich für seinen G“tt ereifert hat und damit die Kinder Jisraels wieder ins Reine mit mir gebracht hat.“

Übrigens hieß der Mann, der mit der Midianiterin nach Jisrael kam, Simri, er stammte aus dem Stamm Schimon. Und die Midianiterin, die er bei sich hatte, war Kosbi und sie entstammte einer angesehenen Familie aus Midian.

Und der Ewige sagte weiter: „Nun geht auf die Midianiter zu und führt gegen sie Krieg. Denn sie haben euch sehr bedrängt mit dem Baal Peor und wegen Kosbi, der Midianiterin.“

Wieder eine Zählung

26
Nach diesen Ereignissen sagte der Ewige zu Mosche und zu Elasar, dem Sohn Aharons, der nun der gesalbte Priester war: „Nun ist es wieder so weit, dass ihr alle eure Leute zählen sollt. Und zwar sollt ihr alle, die zwanzig Jahre und älter sind und deshalb zum Kriegsdienst eingezogen werden können, zählen.“

Und so gingen Mosche und Elasar zum Volk und sagten ihnen, was der neueste Auftrag des Ewigen war, nämlich, dass sie alle, die zwanzig Jahre und älter waren, gezählt werden müssten.

Und so wurden zunächst alle gezählt, die zum Stamm Reuven gehörten. Und der Stamm Reuven hatte insgesamt 43.700 Mann. Dann kam der Stamm Schimon an die Reihe, und alle Gemusterten des Stammes Schimon waren insgesamt 22.200 Mann. Anschließend wurde der Stamm Gad gezählt, und dort waren es 40.500 Mann. Als nächster Stamm kam Jehuda dran: Die Gemusterten des Stammes Jehuda waren insgesamt 76.500 Mann. Issachar als nächster gezählter Stamm hatte insgesamt 64.300 Mann, Sevulun dagegen 60.500. Der Stamm Menasche zählte 52.700 Mann, der Stamm Efraim dagegen 32.500 Mann. Dann wurde der Stamm Benjamin gezählt. Und dort zählte man insgesamt 45.600 Mann. Dann kam der Stamm Dan an die Reihe, und hier zählte man 64.400 Mann. Der Stamm Ascher zählte insgesamt 53.400 Mann. Schließlich wurde noch der Stamm Naftali gemustert, und hier zählte man insgesamt 45.400 Mann.

Insgesamt kamen die Gemusterten der Kinder Israels auf 601.730 Mann.

Landverteilung

Dann sagte der Ewige zu Mosche: „Die Gemusterten, die ihr gerade gezählt habt, die sollen das Land, das ich euch geben werde, erhalten, *also nicht die unter Zwanzigjährigen*. Vor allem achtet darauf, dass ihr das Land so verteilt, dass auch die großen Stämme größeres Land erhalten als kleine Stämme. Aber wer welches Land erhalten soll, das soll das Los  *durch den Priester Elasar* entscheiden. Ihr sollt auch bedenken, dass die einzelnen Familien zu den Stämmen gezählt werden, zu denen sie väterlicherseits gehören.“

Zählung der Leviten

Und das sind die Familien der Leviten: Gerschom, Kehat und Merari. Und die Leviten wurden gezählt, und zwar von einem Monat und älter, alle männlichen Leviten wurden gezählt, und es waren insgesamt 23.000. Diese wurden zuvor ja nicht mitgezählt, weil sie kein Land in Jisrael erben sollten.

Das also waren alle die Gemusterten, die der Ewige nun wieder zählen ließ. Und von den Gemusterten war keiner dabei, der am Berg Sinai schon einmal gezählt worden ist. Denn der Ewige hatte doch damals gesagt, dass keiner von denen das Land betreten würde, weil sie in der Wüste sterben müssen.

Die Töchter Zelofchads

27
Dann kamen Machlah, Noah, Chogah, Milkah und Tirza, die Töchter des Zelofchads, einer Familie aus dem Stamm Menasche, zu Mosche und Elasar und sagten: Unser Vater ist schon in der  Wüste gestorben. Nicht weil er zu den Aufrührern um Qorach gehörte, sondern weil er selbst nicht recht gehandelt hat. Und unser Vater hatte keinen Sohn. Warum soll jetzt sein Name verschwinden und ihm kein Teil des Landes gehören, nur weil er keinen Sohn hat? Deshalb sollt ihr einen Teil des Landes uns geben!“

Als Mosche das hörte, wusste er nicht, wie er mit diesem Fall umgehen sollte, deshalb ging er zum Ewigen, um zu sehen, was der Ewige hierzu sagen würde. Und der Ewige sagte zu Mosche: „Die Töchter des Zelofchad haben recht gesprochen. Gib ihnen einen Teil des Landes, damit das Erbe ihres Vaters auf sie übergehen kann. Und das ist die allgemeine Regel: hat jemand, der gestorben ist, keinen Sohn hinterlassen, so soll sein Erbe auf die Tochter übergehen. Hat er weder Sohn noch Tochter hinterlassen, so soll sein Teil unter seinen Brüdern aufgeteilt werden… Das soll bei den Kindern Jisraels immer als Recht gelten.“

Jehoschua wird eingesetzt

Danach sagte der Ewige zu Mosche: „Nun sollst du noch auf das Avarimgebirge hochsteigen. Dort hast du einen sehr guten Ausblick auf das ganze Land, das ich den Kindern Jisraels geben werde. Schau es dir ruhig an. Aber du weißt: Wenn du es gesehen haben wirst, dann wirst du selbst sterben müssen, so wie dein Bruder Aharon schon vor dir gestorben ist. Die Strafe von damals, als ihr am Felsen meine Heiligkeit nicht dem Volk gezeigt habt, *die ist nicht aufgehoben, sie gilt nach wie vor*.

Daraufhin sagte Mosche zum Ewigen: „Nun denn. Dann soll aber ein Mann über die ganze Gemeinde gefunden werden, der sie führt. Damit die Kinder Jisraels nicht wie eine wilde Horde herumirren.“ Da sagte der Ewige: „Dann nimm dir Jehoschua. Der hat Geist. Setze ihn neben dich, damit ihn *alle zu respektieren lernen*. Führe ihn auch schon bei Elasar, dem Priester ein, gib vor der ganzen Gemeinde deine Anweisungen an ihn, damit die Kinder Jisraels lernen, auch auf ihn zu hören. Denn später müssen die Kinder Jisraels auf seine Anweisungen in den Krieg ziehen oder sich wieder zurückziehen.“

Und wie der Ewige gesagt hatte, so machte es Mosche auch. Mosche nahm Jehoschua und stellte ihn vor den Priester Elasar und dann auch vor die ganze Gemeinde. Er stemmte seine Hände auf ihn (zum Zeichen, dass Jehoschua nun ein wichtiges Amt übertragen bekommt) und gab ihm schon die ersten Anweisungen.

Die Festopfer

28
Dann gab der Ewige Anweisungen zu den Opfern, die an den Festtagen gebracht werden mussten:

„Sag den Kindern Jisraels, dass sie sehr genau darauf achten sollen, das tägliche Opfer mir zum lieblichen Duft zu bringen. Und zwar sollen sie zwei Schafe bringen, die nicht älter als ein Jahr sind. Und irgendwelche Leibesfehler dürfen sie auch nicht haben. Das eine Schaf sollst du am Morgen bringen, das andere am Abend. Zu beiden Schafen gehören dann auch noch jeweils eine Mincha (Speiseopfer) und ein Gussopfer.

Am Schabbat sollst du auch noch zwei Schafe bringen. Wiederum nicht älter als ein Jahr und wiederum ohne Fehler. Auch dazu gehört eine Mincha und ein Gussopfer.

An Rosch Chodesch (Neumond) dagegen sollt ihr zwei junge Stiere, einen Widder und sieben junge Schafe, die nicht älter als ein Jahr sind, bringen. Auch hier gehören entsprechende Speise- und Gussopfer dazu. Aber außer diesen Opfern sollt ihr an Rosch Chodesch auch noch ein Reinigungsopfer bringen. Dazu braucht ihr einen Ziegenbock.

Am 14. des ersten Monats beginnt Pessach. Deshalb sollt ihr am 15. ein Fest feiern. Ihr sollt sieben Tage lang ungesäuerte Brote essen. Aber am ersten Tag sollt ihr eine Versammlung haben, ihr sollt keinerlei Arbeit nachgehen. Und ihr sollt mir als Opfer zwei junge Stiere, einen Widder und sieben Schafe bringen, die noch kein Jahr alt sind. Auch diese Opfer sollst du mit der entsprechenden Mincha und mit dem entsprechenden Gussopfer bringen. Aber auch für Pessach sollst du noch zusätzlich eine Chattat, ein Reinigungsopfer, bringen. Hierzu benötigt du einen Bock; der wird dich wieder ins Reine bringen. Und das bringt ihr sieben Tage lang, solange Pessach ist. Und am siebten Tag ist wieder ein Tag der Versammlung, an dem ihr nicht arbeiten dürft.

Und auch am Tag der Erstlinge, an Schavuot, sollt ihr eine Versammlung abhalten und keiner Arbeit nachgehen. Dann sollt ihr mir zwei junge Stiere, einen Widder und sieben Schafe, die jünger als ein Jahr alt und ohne Fehler sind, bringen. Dazu noch die Mincha und die entsprechenden Gussopfer. Aber auch hier braucht ihr einen Ziegenbock, den ihr mir als Chattat, als Reinigungsopfer, bringt, damit ihr wieder ins Reine kommt.

29
Am Ersten des siebten Monats sollt ihr wiederum eine Versammlung abhalten und keiner Arbeit nachgehen. Denn das ist der Tag des Lärmens (Rosch ha-Schana). An diesem Tag sollt ihr dem Ewigen einen jungen Stier, einen Widder und sieben Schafe bringen, die noch kein Jahr alt und ohne Fehler sind. Auch dazu gehören die entsprechenden Speiseopfer. Aber auch hier müsst ihr noch ein Reinigungsopfer bringen. Dazu braucht ihr einen Ziegenbock, der wird euch wieder ins Reine bringen. Für diesen Tag ist aber auch noch das tägliche Opfer und das Rosch Chodesch Opfer fällig. Die kommen zu diesen Opfern noch dazu. Dies alles soll ein Feueropfer sein zum lieblichen Duft für den Ewigen.

Der Zehnte dieses Monats soll auch wieder ein besonderer Festtag sein. Auch hier sollt ihr eine Versammlung abhalten. Diesmal sollt ihr aber noch fasten und keiner Arbeit nachgehen. Als Opfer sollt ihr dieses Mal einen jungen Stier, einen Widder und sieben Schafe bringen, die noch kein Jahr alt und ohne Fehler sind. Auch zu diesen Opfern gehören die entsprechenden Speiseopfer. Dann sollt ihr noch einen Ziegenbock nehmen und ihn als Reinigungsopfer bringen. Dieses Reinigungsopfer ist ein zusätzliches Opfer, denn für diesen Tag braucht ihr ohnehin ein Reinigungsopfer für die Versöhnung.

Am Fünfzehnten dieses Monats sollt ihr wieder eine Versammlung abhalten und nichts arbeiten. Sieben Tage sollt ihr feiern. Als Opfer sollt ihr bringen: 13 junge Stiere, zwei Widder und vierzehn Schafe, die noch kein Jahr alt und ohne Fehler sind. Auch dazu gehören die Speiseopfer und ein Ziegenbock für das Reinigungsopfer. Dazu die Speise- und Gussopfer. Das war für den ersten Tag dieses Festes. Für den zweiten Tag braucht ihr: zwölf junge Stiere, zwei Widder und vierzehn Schafe, die noch kein Jahr alt und ohne Fehler sind. Am dritten Tag sind es dann elf junge Stiere, zwei Widder und vierzehn Schafe und so immerfort bis zum letzten Tag, wo ihr sieben junge Stiere, zwei Widder und vierzehn Schafe, die noch kein Jahr alt und ohne Fehler sind, braucht. Dazu gehören jeweils die Speise- und Gussopfer sowie jeweils ein Ziegenbock als Reinigungsopfer, damit ihr ins Reine gebracht werden könnt für den Ewigen.

Am achten Tag dieses Festes sollt ihr wieder eine Versammlung haben und nichts arbeiten. Dann bringt ihr als Opfer einen Stier, einen Widder und sieben Schafe, die noch kein Jahr alt und ohne Fehler sind, sowie die dazugehörigen Speise und Gussopfer zu den Tieren.
Das also sollt ihr dem Ewigen zu euren Festen bringen, noch nicht eingerechnet all die Opfer, die ihr freiwillig bringt.

30
Und Mosche sagte das alles zu den Kindern Jisraels genauso, wie es der Ewige Mosche gesagt hatte.

Fragen zu Paraschat Balak

A) Allgemeine Fragen zur Parascha

Weshalb holt Balaq den Seher Bilam zu sich?

Was hat die Eselin gesehen, was Bilam nicht sehen konnte?

Wie oft segnete Bilam das Volk Jisrael?

War Balaq damit einverstanden, dass Bilam die Jisraeliten segnete?

Was machten die Jisraeliten in Pegor? War der Ewige damit einverstanden? Was tat er mit den Jisraeliten?

Wer war Pinchas? Was machte er?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Weshalb ist Bilam, nachdem zum zweiten Mal Boten zu ihm gekommen waren, dann doch zu Balaq gegangen?

Wenn du die Geschichte vom Seher Bilam liest, was würdest du sagen, was Bilam für ein Mensch war? War er ein Halunke, war er g“ttesfürchtig, war er nur geldgierig, wollte er den Jisraeliten etwas Gutes tun, oder war er noch etwas ganz anderes?

Weshalb wird die Geschichte von der Verfehlung der Jisraeliten in Pegor direkt nach der Geschichte von Balaq und Bilam erzählt?

Einleitung zu Paraschat Balak

Im Zentrum dieser Parascha steht vor allem die Geschichte vom Seher Bilam (Bil’am gesprochen) und Balak, dem König von Moav. Sie wird aus einer völlig neuen Perspektive erzählt und stellt insofern etwas Besonderes dar. Werden nämlich ansonsten alle Geschichten der Torah aus der Sicht Mosches erzählt, so wird hier der Blick von außen auf das Volk Jisrael geworfen: von den Nichtjisraeliten Bilam und Balak. Mosche und Aharon werden nicht einmal erwähnt, und das Volk Jisrael wird nur aus der Ferne in den Blick genommen.

Dadurch, dass Bilam den Segen über Jisrael ausspricht – und dies viermal! –, werden die Kinder Jisraels zum ersten Mal äußerst positiv dargestellt, was durch die poetische Sprache noch unterstrichen wird. Gezeichnet wird das Bild von einem großartigen Volk und einem wunderbaren Land: ein Bild, das sich in dieser Weise weder davor noch danach in einer der Erzählungen findet. Dass sich mit der Erzählung von Jisrael in Baal Peor gleich eine Schandtat der Jisraeliten anschließt, unterstreicht die Einmaligkeit der Geschichte von Bilam nur umso mehr.

 

Was ist aber nun die Aussage dieser Parascha? Diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten, denn eigentlich geht es weniger um Jisrael und Balak als um das Verhältnis Bilams zum Ewigen. Wie sich andere Völker zum G’tt Jisraels verhalten oder gar verhalten sollen, interessiert die Torah sonst eigentlich wenig. Deshalb ist es aufschlussreich, Bilam selbst in den Blick zu nehmen.

Er wird zunächst als ein »Seher« vorgestellt, also als einer, der mehr sehen kann als andere und dessen Wort wirkmächtig ist: Wen Bilam verf lucht, der ist verflucht, wen er segnet, der ist gesegnet. Als König Balaks Boten zu ihm kommen, erscheint Bilam zunächst sehr g’ttesfürchtig. Er lässt sich nicht einfach kaufen, sondern fragt beim Ewigen nach. Doch auch nachdem er eine Auskunft vom Ewigen erhalten hat, geht er mit derselben Frage erneut zu ihm, so als hätte das g’ttliche Wort keinerlei Bestand. Mit dem permanenten Schielen nach g’ttlicher Anweisung offenbart Bilam seine falsche Vorstellung von G’ttesfürchtigkeit. Doch das ist noch nicht alles.

Die Erzählung führt dem Leser die Unfähigkeit Bilams als Seher (!) schonungslos vor, da seine Eselin mehr sieht als er selbst. Dies ist schon fast eine Satire, die sich im Zusammenspiel mit Balak noch zuspitzt: Der König von Moav ist ein reiner Machtmensch, der sich nicht um G’ttliches oder Menschliches schert. Er bezahlt einen Seher und hat damit aus seiner Sicht ein Recht auf die Verfluchung der Jisraeliten. Dass er Bilam immer wieder auf neue Anhöhen schleppt, Altäre bauen und Tiere darauf schlachten lässt, zeigt die quirlige Hilf losigkeit eines Machtbesessenen, der nicht verstehen will, dass er den Kürzeren gezogen hat. Da helfen auch die magischen Sieben – sieben Altäre, sieben Stiere und sieben Widder – nichts! Bilam ist zwar derjenige, der Balak vorführt, aber darin, wie er es tut, offenbart er ebenfalls keine Größe. Denn Bilam ist ein Seher, der nichts sieht, und nur das sagen kann, was ihm unmittelbar in den Mund gelegt wird.

Mit beißendem Spott wird hier ein fremder »Seher« aufs Korn genommen, der vom Ewigen so gar nichts versteht oder verstehen will. Darin zeigt sich zugleich auch ein deutlicher Gegensatz zum »Propheten« Mosche, der zwar ebenso das g’ttliche Wort empfängt, aber selbst einen Begriff davon hat, was der Ewige mit seinen Worten bezweckt. Mosche weiß sehr genau um die Grundlinie g’ttlichen Handelns: Befreiung aus der Knechtschaft, Dienst am Ewigen und das Land Jisrael als Zielpunkt aller Wanderung.

Unabhängig von dieser indirekten Gegenüberstellung des tumben Bilam und des wissenden Mosche lässt sich diese Erzählung aber auch als eine allgemeine Verspottung von Bigotterie verstehen. Das frömmelnde Schielen nach G’tt und dessen Anweisungen macht den Menschen blind für den eigentlichen Anspruch G’ttes an sein Volk. Wer seine eigene Autonomie aufgibt, nicht selbst denkt und nur noch nach »G’ttes Anweisung« leben möchte, verheddert sich in den Wirrungen der Realität und den g’ttlichen Ansprüchen.

Paraschat Balak

Einleitung          Fragen zur Parascha

Der König von Moav ruft Bilam

22
So zogen die Kinder Jisraels weiter durch die Wüste. Und als sie in die Ebene von Moav kamen, da ließen sie sich nieder, um sich wieder einmal auszuruhen. Mittlerweile waren sie schon in der Nähe des Jarden, gegenüber von Jericho.

Balaq, der König von Moav, beobachtete schon lange, was Jisrael gegenüber den Emoritern getan hatte. Deshalb fürchtete er sich etwas vor den Jisraeliten, denn das Volk Jisrael kam zahlreich daher. Da sagte sich Balaq: Jetzt kommt dieser Haufe daher und wird die ganze Umgebung abfressen, wie ein Ochse das Grün des Feldes abfrisst.

Und weil Balaq sich vor dem Volk Jisrael fürchtete, schickte er *in seine alte Heimat* zu Bilam, der in der Nähe des Eufrat lebte, und ließ ihm ausrichten: „Da ist ein Volk bei uns in der Nähe. Es ist von Ägypten heraufgewandert, und nun hat es sich bei mir ganz in der Nähe niedergelassen *und droht mich zu überrennen*. Es ist sehr zahlreich, das Volk, und stark ist es, das Volk. Deshalb sollst du zu uns kommen. Komm her, und sprich einen grässlichen Fluch über dieses Volk aus. Mir allein ist es zu stark, dieses Volk. Aber wenn du zuerst einen Fluch über dieses Volk aussprichst, dann kann ich es vielleicht schlagen und aus dem Land treiben, wo ich es nicht sehen will. Ich habe von dir nämlich Großes und nur das Beste gehört, es heißt, wen du segnest, der ist gesegnet, und wem du fluchst, der ist verflucht. Das wäre doch schön, wenn du das für mich auch so einrichten könntest.“

Und so zogen Boten von Balaq fort zu Bilam. Im Gepäck hatten sie natürlich reichlich Wahrsagerlohn, um Bilam nicht nur mit schönen Worten, sondern auch mit harter Münze zu überzeugen. Und als sie bei Bilam angekommen waren, da richteten sie ihm alle die Worte aus, die Balaq ihnen aufgetragen hatte.

Bilam antwortete: „Ihr könnt über Nacht bei mir bleiben. Ich möchte erst erforschen, was der Ewige zu eurem Ansinnen sagen wird.“

So ließen sich die Boten bei Bilam nieder und blieben über Nacht.

In der Nacht kam aber G“tt zu Bilam und fragte ihn: „Nu, Bilam, wer sind diese Männer bei dir?“

Da antwortete Bilam: „Diese Männer sind Boten, sie kommen von Balaq, dem König Moavs. Er hat mich gebeten, dass ich zu ihm kommen soll und ein Volk verfluchen, das ihn mächtig bedrängt. Wenn ich es ihm verfluche, so hofft er, kann er besser gegen dieses Volk, das wohl sehr stark ist, kämpfen und es *vernichten*.“

Da erwiderte G“tt: „Nein, tu das nicht. Geh nicht mit diesen Männern. Du darfst dieses Volk nicht verfluchen, denn dieses Volk ist gesegnet.“

Am anderen Morgen stand Bilam auf und trat zu den Boten hin, die auch schon aufgewacht waren, und sagte ihnen: „Kehrt wieder zurück. Der Ewige hat es nicht zugelassen, dass ich mit euch gehe.“

Und so zogen die Boten von Balaq unverrichteter Dinge wieder ab und kehrten zurück nach Moav. Als sie bei Balaq angekommen waren, sagten sie ihrem König: „Bilam weigerte sich, mit uns zu kommen.“

Aber Balaq ließ nicht locker. Wieder schickte er Boten, diesmal sehr vornehme und viele Fürsten, wieder mit Worten für Bilam.

Und auch diese Boten kamen nach langer Reise bei Bilam an. Und sie richteten ihm die Worte Balaqs aus: „Oh edler Bilam. Lass dich nicht abhalten, zu mir zu kommen. Ich werde dir große Ehre erweisen, alle deine Wünsche werde ich dir erfüllen. Du sollst es sehr fürstlich bei mir haben, ich tu dir alles, was du begehrst, aber komm mit und verfluche mir dieses Volk.“

Aber Bilam antwortete den Boten: „Auch wenn euer König mir sein ganzes Haus, alles Silber und alles Gold der Welt verspricht, so kann ich doch nicht den Befehl des Ewigen missachten. Aber so sei es denn: Bleibt über Nacht bei mir. Ich werde auch in dieser Nacht den Ewigen fragen, was er zu dem allen sagt.“

Und wieder kam G“tt in der Nacht zu Bilam und sagte ihm: „Nu, Bilam, wenn die Männer gekommen sind, um dich zu Balaq einzuladen, dann mach dich auf und geh mit ihnen. Aber merk dir eines: Nur das, was ich dir sagen werde, darfst du tun.“

Und so stand Bilam am anderen Morgen auf und vermeldete den Boten, dass er mitkommen würde.

Bilams Eselin

Und am Morgen stand Bilam also auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Boten Balaqs mit.

Und wie Bilam so mit den Boten Balaqs dreinritt, da geriet der Ewige mächtig in Zorn, und ein Engel des Ewigen stellte sich der Eselin in die Quere. Und Bilam ritt auf seiner Eselin so dahin, zwei Diener begleiteten ihn, und als die Eselin den Engel sah, und wie der Engel so dastand mit gezücktem Schwert, da wich die Eselin vom Weg ab und trabte übers Feld. Bilam war darüber wütend und schlug die Eselin, damit sie wieder zurückkehren sollte auf den Weg. Aber wieder trat der Engel des Ewigen der Eselin in den Weg, diesmal an einem Weinberg, wo rechts und links eine Mauer stand. Und wieder sah die Eselin den Engel und wich aus. Diesmal drängte sie sich so an der Mauer vorbei, dass der Fuß von Bilam eingeklemmt wurde. Deshalb schlug Bilam die Eselin erneut. Und wieder stellte sich der Engel des Ewigen in den Weg. Doch dieses Mal war der Weg so eng, dass die Eselin nicht mehr ausweichen konnte. Und als die Eselin den Engel des Ewigen sah, legte sie sich unter Bilam nieder. Da wurde Bilam sehr zornig und wütend und schlug die Eselin mit einem Stock.

Erst jetzt öffnete der Ewige der Eselin den Mund, dass sie sprechen konnte. Und die Eselin sagte zu Bilam: „Was habe ich dir denn getan, dass du mich schon zum dritten Mal schlägst?“ Aber Bilam schrie zurück: „Du treibst deinen Spott mit mir. Hätte ich ein Schwert in der Hand, hätte ich dich längst getötet.“ Doch die Eselin entgegnete ruhig: „Bin ich nicht deine Eselin, auf der du reitest, seit du denken kannst? Habe ich jemals so etwas getan?“ Und Bilam antwortete: „Nein, hast du nicht.“

Und da öffnete der Ewige auch Bilam die Augen, so dass auch Bilam den Engel des Ewigen auf dem Weg sehen konnte. Und der Engel hatte ein Schwert in der Hand.

Da verneigte sich Bilam tief und warf sich auf den Boden. Der Engel sagte zu ihm: „Warum hast du deine Eselin dreimal geschlagen? Ich bin es doch, der dein Hindernis ist. Ich habe mich dir in den Weg gestellt, weil den Weg, den du gehst, der falsche ist. Deine Eselin hat mich gesehen. Dreimal ist sie mir ausgewichen. Wäre sie mir nicht ausgewichen, so wärst du mir geradenwegs in das Schwert gelaufen und du wärst jetzt tot.“

Da sah Bilam, dass er einiges falsch gemacht hatte und sagte zum Engel: „Ja, ich habe nicht recht getan. Ich war blind und habe nichts gesehen. Nun, wenn du möchtest, so kehre ich sofort zurück.“

Da antwortete der Engel: „Nein, jetzt bist du schon auf dem Weg. Geh mit den Männern mit. Aber nochmals: Nur das, was ich dir sage, sollst und darfst du tun. Nicht mehr!
Und so ging Bilam mit zu Balaq.

Bilam bei Balaq

Als nun Balaq erfuhr, dass Bilam tatsächlich zu ihm kommen wollte, machte er sich auf den Weg und kam Bilam bis an die Grenze seines Landes entgegen.

Als Balaq und Bilam sich einander begrüßt hatten, fragte Balaq, weshalb sich Bilam denn zuerst so angestellt habe und nicht mitkommen wollte. Da wich Bilam aus und sagte nur, dass er ja nun da sei und er werde alles sagen, was ihm G“tt zuvor zu sagen aufgetragen hatte.

Und so machten sich Balaq und Bilam auf den Weg. Sie kamen bis nach Kirjath-Chuzot. Dort bereitete Balaq ein großes Festessen vor und ließ dafür Rinder und Schafe schlachten. Erst danach gingen sie weiter und kamen in das Gebiet Moavs, wo Balaq Bilam auf seine Götzenhöhen führte.

23
Dort sagte Bilam zu Balaq: „Hier sollst du mir sieben Altäre aufbauen. Dann brauche ich auch noch sieben Stiere und sieben Widder.“

Und Balaq gab Anweisungen, dass alles, was Bilam verlangt hatte, auch geschah. Die sieben Altäre wurden gebaut und auch die Tiere wurden gebracht. So konnte Bilam auf jedem Altar einen Stier und einen Widder opfern.

Dann sagte Bilam zu Balaq: „Bleib bei deinem Opfer dort stehen. Ich will mal sehen, ob mir der Ewige schon etwas zu sagen hat. Wenn mir der Ewige etwas sagt, so will ich alles ganz genauso dir weitergeben, wie ich es vom Ewigen gehört habe.“

Und Bilam ging auf einen kahlen Hügel. Und tatsächlich: G“tt sprach zu Bilam. Da sagte Bilam zu G“tt: „Schau, ich habe *die* sieben Altäre gebaut und auf jedem Altar einen Stier und einen Widder geopfert.“ Daraufhin legte G“tt allerlei Worte in Bilams Mund und sagte ihm: „Nur zu, geh zurück zu Balaq, und sage ihm genau das, was ich dir soeben gesagt habe.“

Und so machte es Bilam auch. Er ging zurück zu Balaq. Und Balaq und all seine Fürsten standen noch bei den Opfern und warteten auf Bilam.

Bilams Spruch

Und so redete Bilam und sagte seinen Spruch, den er zu sagen hatte:

„Von weit her führte mich Balaq hierher,
der König von Moav von den östlichen Bergen,
komm, verfluche mir Jaaqov,
komm, verwünsche mir Jisrael,
sagte er.
Doch wie soll ich verfluchen,
wenn G“tt nicht verflucht,
verwünschen,
wenn G“tt nicht verwünscht?
Ich sehe es, ja, ich sehe es,
von den Gipfeln der Berge,
von den Höhen herab,
ein Volk abgesondert,
sitzt allein und will mit den andern nicht mittun.
Jaaqov ist zahlreich wie Staub
und du willst es zählen?
über und über die Zahl Jisraels.
Ach könnte ich sterben den Tod des Gerechten,
wäre im Tod ihm gleich.

Als Balaq das hörte, schrie er auf: „Was hast du da getan? Ich habe dich geholt, dass du meine Feinde verfluchst. Und was tust du? Du segnest sie!“

Bilam antwortete darauf: „Nun, ich musste sagen, was der Ewige mir eingab.“

Darauf sagte Balaq: „Nun gut. Komm mal mit, ich zeige dir einen anderen Ort. Dann kannst du die Jisraeliten besser sehen, vielleicht hilft es ja dann. Und wenn du sie siehst, dann verfluche sie von dort aus, von diesem neuen Ort. Der neue Ort ist bestimmt besser.“

Und so führte Balaq den Bilam zu einem neuen Ort, der sinnigerweise Zofim (Späher) hieß. Auch hier ließ Bilam wieder sieben Altäre aufbauen und opferte auf jedem Altar einen Stier und einen Widder. Dann sagte er zu Balaq: „Bleib nun hier. Ich will gehen und sehen, ob mir der Ewige etwas zu sagen hat.“

Und so ging Bilam fort. Und tatsächlich sprach der Ewige wieder mit ihm. Und der Ewige legte wieder Worte in den Mund Bilams. Dann sagte er: „Nun geh zurück zu Balaq und sag alle die Worte, die ich dir soeben gesagt habe.“

Und Bilam kehrte zurück. Und Balaq und seine Fürsten standen noch immer bei den Opfern und warteten auf Bilam. Sofort fragte Balaq, was denn der Ewige gesprochen habe.

Der zweite Spruch des Bilam

Da begann Bilam mit seinem zweiten Spruch über Jisrael:

„Erhebe dich, Balaq, und höre zu, Zippors Sohn,
höre mein Wort,
G“tt ist kein Mensch, dass er lügt,
und kein Menschenkind, dass er sichs überlegt.
Sollte G“tt etwas verkünden und es nicht erfüllen?
So hieß er mich segnen.
Hat er gesegnet, sag ich nichts anderes.
Nein, kein Unheil sehe ich in Jaaqovs Stamm,
kein Leid erleidet Jisrael.
Jisraels G“tt, der Ewige, ist bei ihnen,
ihr G“tt, der sie aus Ägypten geführt hat,
Es ist nicht Zauber,
nicht Hexerei,
nur rechte Zeit, wo Jisrael Hilfe kommt.
Dieses Volk ist einer Löwin gleich,
es ruht nicht, bis es seine Beute hat.

Und wieder schrie Balaq auf: „Von mir aus musst du das Volk nicht verfluchen. Aber segne es wenigstens auch nicht. Lass das!“

Aber Bilam antwortete: „Ich habe es dir schon gesagt: Alles, was der Ewige mir sagt, das muss ich tun!“

Und Balaq sagte zu Bilam: „In Ordnung. Versuchen wir es noch einmal an einem anderen Ort. Vielleicht hätte G“tt ja lieber einen anderen Ort, von wo aus du ordentlich verfluchen kannst. Komm mit!“ Und so brachte Balaq den Bilam auf eine andere Anhöhe, die Peor hieß. Und wieder verlangte Bilam, dass ihm sieben Altäre gebaut werden. Und Balaq veranlasste alles, damit die Altäre gebaut werden konnten und stellte auch sieben Stiere und sieben Widder bereit. Und Bilam opferte auf jedem Altar einen Stier und einen Widder.

24
Nun sah Bilam, dass es in den Augen des Ewigen gut war, dass er Jisrael segnete. Deshalb setzte er dieses Mal nicht mehr auf Zauberei, um Worte des Ewigen zu hören. Vielmehr wandte er sich zur Wüste, wo die Jisraeliten lagerten.

Bilams dritter Spruch

Und er schaute hinunter über das Lager, und dort sah er die Jisraeliten nach ihren Stämmen lagern. Und da geschah es, dass dieses Mal der Geist G“ttes auf ihn kam, und sogleich fing Bilam zu reden an:

„Hört nun her, hört Bilams Spruch,
hört den Spruch dessen, der die Augen verschlossen hat,
hört den, der G“ttes Wort hört,
hört den, der mit geöffneten Augen sieht:
Wie schön sind deine Zelte, Jaaqov,
wie schön deine Stätten, Jisrael,
wie ausgebreitete Täler,
wie grünende Gärten am Fluss,
wie Eichen, vom Ewigen gepflanzt,
wie Zedern am Wasser.
Von der Schöpfkelle rinnt das Wasser,
Wasser im Überfluss hat seine Saat.

Und mächtiger ist sein König als Agag,
sein Königtum ist stark und erhaben.
Denn G“tt hat es aus Ägypten geführt,
Hörner wie Stiere hat es.
Es frisst Völker,
zermalmt Knochen,
schmettert nieder.
Es streckt sich hin,
es reckt sich auf,
wie ein Löwe, einer Löwin gleich.

Wer dich segnet, der ist gesegnet,
wer dir flucht, der ist verflucht.“

Als das Balaq hörte, geriet er in Zorn und schrie auf: „Ich habe dich rufen lassen, damit du mir meine Feinde verfluchst. Und nun hast du sie schon dreimal gesegnet. Nun denn, wenn du nur zum Segnen aufgelegt bist, dann kannst du ja auch gehen. Ich hätte dir gerne einiges geboten, aber so? Tut mir leid, kannst gehen.“

Darauf antwortete Bilam dem Balaq: „Ich habe schon deinen Boten gesagt, dass ich nur das sagen kann, was ich vom Ewigen höre, und fülltest du alle meine Taschen mit Gold und Silber und machtest mich zu einem reichen Mann. Ich gehe jetzt zurück in meine Heimat, denn ich sehe, dass ich hier nicht wohlgelitten bin. Aber eines möchte ich dir noch sagen, damit du weißt, was dir durch dieses Volk, das du verfluchen lassen möchtest, dir noch alles antun wird:

Hört Bilams Spruch,
dessen, der geschlossene Augen hat.
So spricht der, der das göttliche Wort gehört hat,
der vom Höchsten G“tt weiß,
der mit geöffneten Augen sieht:
Ich sehe ihn,
nicht jetzt,
ich schaue ihn,
nicht nah bei.
Ein Stern tritt hervor
In Jaaqovs Stamm.
Sieht wie ein König aus.
Und ja:
Er zerschmettert die Grenzen Moavs
Und reißt die Bewohner nieder.
Jisrael ist mächtig,
Jaaqov herrscht über alle.“
Und noch einmal sagte Bilam:
„Wehe, wer kann da noch leben,
wenn G“tt solches tut.“

Dann machte sich Bilam auf und ging in seine Heimat zurück. Und auch Balaq ging nach Hause.

Jisrael in Pegor

25
Als Jisrael in Schittim lagerte, verhielt es sich nicht sehr schön. Die Jisraeliten ließen sich mit den umliegenden Völkern ein. Einige gingen sogar zu Fremden nach Hause. Dort wurden sie eingeladen, bei den Opfermahlzeiten teilzunehmen. Und sie nahmen daran teil. Und so aßen die Jisraeliten nicht nur, was ihnen verboten war, sie warfen sich, wie die Gastgeber auch, vor den fremden Göttern nieder. Und so machte sich Jisrael mit dem Baal-Peor vertraut.

Als der Ewige das sah, wurde er sehr zornig *und schickte eine Seuche unters Volk*. Zu Mosche sagte er aber: „Geh zu den Fürsten der Stämme und verlange von ihnen, dass sie alle die, die sich bei Baal-Peor herumgetrieben haben und mit den Fremden gegessen und sich vor fremden Götterchen nierdergeworfen haben, ausfindig machen sollen. Alle, die schuldig sind, sollen erhängt werden. Vielleicht lasse ich dann von meinem Zorn.“
Da ging Mosche zu den Richtern und sagte ihnen: „Jeder von euch suche die heraus, die schuldig sind.“

Pinchas´ Tat

Aber wie Mosche gerade beim Zelt war und die Lage der Jisraeliten beweinte, ereignete sich folgendes:

Ein Mann von den Kindern Jisraels kam gerade von den fremden Völkern zurück. Er hatte bei sich eine Midianiterin, die er zu seiner Familie bringen wollte. Nun sah das Pinchas, der Enkel Aharons und der Sohn Elasars. Schnell machte er sich auf, ein Speer in der Hand, und ging dem Jisraeliten und der Midianiterin hinterher und ging in das Zelt, in dem die beiden verschwunden waren. Sogleich erhob er den Speer und durchbohrte beide.

Und sogleich nach dieser Tat hörte die Seuche, die ausgebrochen war, auf zu wüten. Aber immerhin starben an der Seuche noch 24.000 Menschen.

Einleitung zu Paraschat Chukkat

Diese Parascha, könnte man meinen, hat das große Thema „Tod“. Nicht nur dass der Tod von Mosche und Aharon angekündigt wird, fällt auf, sondern dass auch gleich zwei bedeutende Persönlichkeiten sterben müssen: nämlich Mirjam und Aharon, also die Geschwister Mosches. Aber auch das ist noch nicht alles: Gleich der erste Teil der Parascha, der von der „Roten Kuh“ handelt, dreht sich um den Tod: Die Rote Kuh wird nämlich verbrannt, damit aus der Asche dieser Kuh das Reinigungswasser hergestellt werden kann, mit dem wiederum jemand kultisch rein werden kann, wenn er einen Toten berührt hat, oder um Dinge zu reinigen, die ein Toter verunreinigt hat (Verunreinigung nicht im hygienischen, sondern in einem kultischen Sinn!). Nicht zufällig wird in der Tradition auch davon berichtet, dass Mirjam die erste war, wegen der das Reinigungswasser benötigt wurde. Aber wieso wird jetzt erst das Reinigungswasser so wichtig? Starben nicht schon früher Menschen, mussten beerdigt werden, lagen in Zelten und „verunreinigten“ die Dinge drumherum?

Eine mögliche Antwort auf diese schwierige Frage ist: Wir sind nun am Ende der Wüstenwanderung angelangt. Das wissen wir daher, dass in Num 33,38 davon berichtet wird, dass Aharon vierzig Jahre nach dem Auszug aus Ägypten gestorben ist. Wir sind also kurz vor der „Einwanderung“ in das gelobte Land. Und nun wird es wichtig, tatsächlich ein neues Leben zu beginnen. Die alte Generation, nämlich die, die den Auszug noch erlebt hat, ist schon gestorben oder stirbt gerade aus. In das Land sollen die Nachgeborenen einziehen. Und da wird es besonders wichtig, dass man zwischen Tod und Leben sehr scharf scheidet. Die Wüste war ohnehin eine Art „Zwischenzeit“, in der die Jisraeliten oft genug zwischen Tod und Leben hingen (siehe Murregeschichten). Und dies macht uns der Text mit dem Reinigungswasser überdeutlich. Deshalb eine Rote Kuh, eine Kuh also, die es offensichtlich nur sehr selten gibt, deshalb eine eigene Schlachtung und das Aufsammeln der Asche, die besonders aufbewahrt werden muss. Es reicht offensichtlich nicht die normale Reinigung, wie sie im Buch Wajjiqra beschrieben worden ist, um für das Heiligtum wieder tauglich zu sein.

Fragen zu Paraschat Chukkat

A) Allgemeine Fragen zur Parascha

Weshalb heißt die „Rote Kuh“ „Rote Kuh?

Was wurde von der Roten Kuh benötigt, um das „Reinigungswasser“ herzustellen?

Wer sollte mit dem Reinigungswasser gereinigt werden?

In dieser Parascha geht es immer wieder um den Tod. Zwei Menschen sterben, von zweien wird vorausgesagt, dass sie früher sterben werden, als diese Leute erhofft hatten. Um welche Personen handelt es sich?

Zwei Völker werden in dieser Parascha von den Jisraeliten besiegt, während Jisrael um ein Land einen Bogen macht. Welche sind es?

Wofür war die kupferne Schlange gut?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Hast du eine Erklärung dafür, weshalb es Elasar war, der die Schlachtung der Roten Kuh beaufsichtigen musste, und nicht Aharon?

Weshalb werden Mosche und Aharon vom Ewigen gerügt, als sie Wasser aus dem Felsen herausbekamen?

Was bedeutet es, wenn Jisrael eine feindliche Stadt dem Ewigen verspricht (man spricht hier auch von „Banngut“)?