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Presse

Jüdische Allgemeine veröffentlichte Artikel Die Torah ist ein wunderbarer Text

Israel Nachrichten berichteten vor dem Erscheinen: In Deutschland wird die erste neue Tora

Ein Beitrag in Chrismon: Die Thora zum Vorlesen

„Jewish Voice from Germany“ brachte einen Beitrag von Helmut Bomhoff: You Shall Tell your Children

Wiener Zeitung veröffentlichte im Blog Jüdisch Leben: Eine Tora für Kinder

Die Sendung „Jüdische Welt“ im HR 2 brachte einen Beitrag von Angelika Fey:

Die Sendung „Schabbat Schalom“ im NDR brachte einen Beitrag von Almut Engelien:

Die Sendung „Schalom“ des Kulturradios Berlin brachte das Interview in ähnlicher Weise am 23.5. 2014 kulturradio

Im Internet wird weltweit über Kindertorah „Erzähl es deinen Kindern“ berichtet, selbst in Südamerika und der Türkei war sie eine Erwähnung wert.

Einleitung zu Paraschat Acharej Mot

Diese Parascha kehrt wieder zu den Kohanim zurück. Das wird schon durch den Namen der Parascha angedeutet: Achare Mot: Sie knüpft an die Stelle an, als die beiden Söhne Aharons wegen des fremden Feuers vom Feuer verzehrt wurden. Die Reinheiten des Einzelnen sind damit abgeschlossen. Nun steigert sich das Buch Wajiqra: Aharon erhält eine zeitliche Beschränkung, in der er in das Allerheiligste eintreten kann. Zu einer räumlichen Beschränkung (das Heiligtum ist nicht überall!) kommt also eine zeitliche (das Allerheiligste ist für Aharon nicht immer!). Nur durch diese zeitliche Beschränkung (einmal im Jahr an Jom Kippur) kommt ein wichtiger Gedanke ins Spiel: im zeitlichen Rhythmus wird das Heiligtum, und damit auch alle Jisraeliten und Kohanim, von allen Verfehlungen „gereinigt“. Alles, was sich übers Jahr angesammelt hat, wird an diesem Tag „gelöscht“. Unreinheit und Reinheit verlaufen damit in einem gleichmäßigen zeitlichen Rhythmus. Damit ist auch die Reinheit nicht immer gegenwärtig, sowenig, wie das Heilige immer und überall gegenwärtig ist. Das, was bislang also rigide als „rein“ oder „unrein“ kategorisiert worden ist, erhält nun eine praktisch lebbare Unschärfe, denn die Unreinheit sammelt sich übers Jahr langsam an und wird zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder in Reinheit überführt.
Auch wenn dieses Ritual im Judentum nicht mehr durchgeführt werden kann, da es keinen Tempel mehr gibt, hat sich der Grundgedanke des zeitlich wiederholten Sich-ins-Reine-bringen tief verwurzelt und wurde auf die individuellen Vergehen und Sünden übertragen, die einmal im Jahr – an Jom Kippur – gelöscht werden. Aber auch für das heutige Judentum gilt, dass der Einzelne bezüglich seiner Verfehlungen nicht entweder als fehlerlos oder als fehlerbehaftet gilt, da auch gerade das heutige Judentum sehr bewusst diese Unschärfe eingebracht hat und in einem zeitlichen Rhythmus steht. Der Einzelne ist nur einen kurzen Augenblick „ins Reine gekommen“ – nämlich an Jom Kippur, das Jahr über lebt er damit (und kann damit leben), dass er nicht ganz frei von Verfehlungen, Übertritten usw. ist.

Fragen zu Paraschat Acharej Mot

A) Allgemeine Fragen

Wann darf der Kohen Gadol (der Hohepriester) in das Allerheiligste eintreten?

Was muss er dazu anziehen?

Hast du einmal nachgezählt, wie häufig sich der Kohen Gadol an Yom Kippur umziehen muss?

Wie oft darf der Hohepriester in das Allerheiligste eintreten?

Wenn man zur biblischen Zeit Fleisch essen wollte, konnte man nicht einfach nur zum Metzger gehen. Was war da Besonderes zu beachten?

Was bedeutet: „die Scham aufdecken“?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Der Bock, der zum Asasel geschickt wird, trägt die ganze Schuld Jisraels. Welche Schuld ist damit gemeint?

Woran halten wir uns heute noch an Yom Kippur, was in dieser Parascha beschrieben wurde?

Was ist das Besondere an Blut?

Paraschat Acharej Mot

Einleitung   Fragen zur Parascha   Acharej Mot PDF

Der Jom Kippur

16
Nach dem Tod der beiden Söhne von Aharon, Nadav und Avihu, die ja gestorben waren, weil sie sich zur Unzeit dem Ewigen genähert hatten, sagte der Ewige zu Mosche: „Sag nun deinem Bruder Aharon, dass auch ihm nicht erlaubt ist, immer in das Heiligtum hinter den Vorhang zu gehen. Wenn er meint, er könne das zu jeder beliebigen Zeit tun, dann muss er damit rechnen, dass er stirbt, *wie seine Söhne gestorben sind*. Deshalb sag ihm, dass er nur dann in das Heiligtum hinter den Vorhang, zum Deckel, wo ich in einer Wolke erscheine, gehen darf, wenn er folgende Arbeiten ausführen muss:

Er soll einen jungen Stier nehmen und ihn als eine Chatat, ein Reinigungsopfer, bringen, sowie einen Widder als Ola, ein Aufstiegsopfer. Hierzu soll er sich einen Rock aus Leinen anziehen, und auch Hosen aus Leinen, einen Leinengürtel soll er sich umbinden und ein Leinenband um die Stirn binden. Das alles sind heilige Gewänder, und bevor er sie sich anlegt, soll er sich baden.

Dann soll er sich von der Gemeinde Jisraels zwei Ziegenböcke und einen Widder ausbitten. Die Ziegenböcke soll er als Chatat bringen, den Widder als eine Ola. Zunächst soll er den Stier, der ihm gehört, als Opfer bringen, damit er sich selbst ins Reine bringen kann. Erst dann soll er die beiden Böcke nehmen und sie an den Eingang des Zeltes, vor den Ewigen stellen. Dann soll er Lose auf die beiden Böcke legen, ein Los für den Ewigen, ein Los für den Asasel (*ein hoher, steiler Berg*). Und dann soll Aharon den Bock, dessen Los für den Ewigen war, nehmen und ihn zur Chatat verwenden. Der andere Bock, der Bock also für den Asasel, der soll lebendig vor den Ewigen gestellt werden, mit ihm soll gereinigt werden, er soll zum Asasel in die Wüste geschickt werden.

Und so soll Aharon alles genau machen, ich gebe es noch einmal ganz genau an: Aharon soll zunächst seinen Stier nehmen, ihn schlachten als eine Chatat *für sich und die Kohanim*. Danach soll er eine Pfanne mit glühenden Kohlen nehmen, Räucherwerk und Gewürze hineinlegen und das alles hinter den Vorhang bringen. Hier soll er auf dem Altar vor dem Ewigen das Räucherwerk auf das Feuer bringen, so dass eine mächtige Dampfwolke entsteht und alles einhüllt, auch den Dekkel, der über der Tora liegt. Eine große Wolke soll auf dem Deckel sein, damit Aharon nicht stirbt.

Dann soll er von dem Blut des Stieres nehmen und damit siebenmal Richtung Deckel sprengen.

Danach soll er den Bock des Volkes für die Chatat schlachten, vom Blut nehmen, hinter den Vorhang damit gehen, und genauso verfahren, wie er vorher mit dem Blut des Stieres getan hatte: Siebenmal den Deckel damit besprengen. Wenn er das genauso macht, dann macht Aharon das Heiligtum wieder ganz und gar heilig und reinigt es von den Verfehlungen der Kinder Jisraels, die sie zum Beispiel wegen Unreinheit gemacht haben. Und so soll Aharon es genauso machen mit dem ganzen Zelt. So schafft er für sich, sein Haus und für die ganze Gemeinde Jisraels Sühne.

Dann soll er hinausgehen zum *goldenen* Altar und wiederum von dem Blut des Stieres und vom Blut des Bockes nehmen und damit die Hörner des Altares einstreichen und ihn danach noch siebenmal mit dem Finger besprengen. So macht er auch den Altar wieder rein von all den Verfehlungen, die die Kinder Jisraels vielleicht gemacht haben, weil sie unrein waren *und so ins Heiligtum kamen*.

Wenn er das Heiligtum, das Zelt und den Altar gereinigt hat, soll man den lebenden Bock herbringen. Aharon soll sich mit beiden Händen auf den Kopf des Bockes stemmen und, so gestemmt, alle Schuld, alle Verfehlungen und Missachtungen des Gesetzes der Kinder Jisraels bekennen. Er legt sozusagen alle Verfehlungen, alle Schuld, alle Missachtungen auf den Kopf des Bockes. Und dann soll er den Bock von jemanden, der dazu bestimmt worden ist, in die Wüste schicken lassen, so dass der Bock die ganze Schuld der Kinder Jisraels in eine ganz entlegene Gegend bringt. Währenddessen soll Aharon ins Zelt zurückgehen und alle seine Leinenkleider ablegen, soll sich ein Bad nehmen und seine anderen Gewänder wieder anziehen. Danach soll er hinausgehen und nun seine eigene Ola und die Ola des Volkes darbringen.

Das Fett der Chatat soll er auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen.

Den Rest der Chatat-Tiere soll man vor das Lager hinausschaffen lassen und es dort verbrennen.

Und ihr alle, merkt euch das, es soll für euch immer und ewig gelten: Im siebten Monat, also im Tischri, am zehnten Tag, da sollt ihr keinerlei Arbeit verrichten. Aber nicht nur das, ihr sollt auch fasten, ihr selbst und auch alle Fremden, die unter euch wohnen. Denn das ist eben der Tag, an dem ihr gesühnt werdet, damit ihr wieder rein seid. Schließlich sollt ihr auch wieder frei werden können von euren Vergehen und Sünden. Es soll euch ein großer Ruhetag sein, ein Schabbat der Schabbatot, an ihm sollt ihr auch fasten.

Und die Sühne soll für euch ein Kohen erwirken. Er soll gesalbt werden, die Leinenkleidung soll er sich anziehen, und er soll all das am Allerheiligsten tun, was ich oben beschrieben habe, am Heiligtum, am Zelt und am Altar vollzieht er die Sühne für das ganze Volk.“

Schlachtungen

17
Und der Ewige sagte weiter zu Mosche: „Sag Aharon und seinen Söhnen und allen Kindern Jisraels: Wenn ihr einen Ochsen oder ein Schaf oder auch eine Ziege schlachtet, und ihr macht es nur für euch, ohne dass ihr das Tier zum Eingang des Zeltes bringt und ohne dass ihr das Tier als Opfer nähert, dann trifft euch eine sehr schwere Schuld, denn dann habt ihr Blut vergossen. Und wer Blut vergießt, soll aus dem Volk getilgt werden. Vielmehr sollt ihr auch das Vieh, das ihr auf dem Feld schlachtet, zum Eingang des Zeltes bringen, zum Kohen und es dort als Sevach Schlamim (Friedensopfer) nähern. Und der Kohen soll das Blut an den Altar sprengen und das ganze Fett des Tieres in Rauch aufgehen lassen, zum lieblichen Duft und zur Ehre des Ewigen.

Auch sollen sie ihr Vieh nicht irgendwelchen Götzen opfern, wie sie es so gerne machen. Deshalb gilt: Jeder, der sein Vieh nicht vor dem Eingang des Zeltes schlachtet und es nicht zum Kohen bringt, der soll aus dem Volk getilgt werden.

Blut

Und dann soll euch auch gelten: Jeder aus dem Haus Jisraels und jeder, der unter den Jisraeliten wohnt, der irgendwelches Blut genießt, der soll aus dem Volk getilgt werden (er gehört nicht mehr zu euch). Denn die Seele des Körpers, das, was euch lebendig macht, ist im Blut. Und die Seele ist für den Altar bestimmt, und nur sie kann für euch Sühne schaffen. Und deshalb gilt, dass niemand von euch, auch nicht der Fremde, der bei euch wohnt, Blut essen darf.

Deshalb sollt ihr auch, wenn ihr Wild oder Vögel fangt, die ihr essen dürft, zuerst das Blut auslaufen lassen und das Blut mit Erde bedecken, bevor ihr die Tiere esst. Denn nochmals: Die Seele eines Körpers ist das Blut, und darum sollen die Kinder Jisraels von keinem Körper das Blut genießen. Und wer es dennoch tut, der soll ausgetilgt werden.

Und isst jemand von einem gerissenen Vieh, dann soll er seine Kleider waschen und sich selbst baden; er gilt als unrein bis zum Abend. Und wer sich nicht badet und seine Kleider nicht wäscht, der macht sich schuldig.“

Vorschriften für Eheleute

18
Dann sagte der Ewige zu Mosche: „Sag den Kindern Jisraels: Ich bin der Ewige, euer Gott. Und weil ich euer Gott bin, deshalb sollt ihr euch nicht so verhalten, wie es in Ägypten, wo ihr herkommt, üblich ist, auch sollt ihr euch nicht so verhalten, wie es in Kenaan, wo ihr hingeht, üblich ist. Lebt nicht nach Gesetzen anderer Völker, vielmehr sollt ihr auf meine Gesetze und auf meine Rechtsvorschriften achten und nach ihnen leben. Denn ich bin der Ewige, euer Gott. Wer nach ihnen lebt, der wird auch *in der künftigen Welt* leben, ich bin der Ewige.

Und deshalb gilt:

Niemand darf die Scham seines Verwandten aufdecken (das heißt: ihn heiraten), ich bin der Ewige.

Nicht die Scham deines Vater, nicht die Scham deiner Mutter darfst du aufdecken, auch nicht die Scham der Frau deines Vaters (also die Scham deiner Stiefmutter).

Auch die Scham deiner Schwester oder Halbschwester darfst du nicht aufdecken.

Und auch nicht die Scham deiner Enkelin darst du aufdecken.

Und auch deine Tante (die Schwester deines Vaters oder deiner Mutter) ist eine Blutsverwandte, und auch ihre Scham darfst du nicht aufdecken. Auch die Frau deines Onkels gilt als Tante, auch ihr darfst du dich nicht nähern.

Und auch die Scham deiner Schwiegertochter darfst du nicht aufdekken.

Auch die Scham deiner Schwägerin, also der Frau deines Bruders, darfst du nicht aufdecken.
Und auch eine Frau und ihre Tochter darfst du nicht gleichzeitig heiraten, ebensowenig wie eine Frau und eine Enkelin von ihr. Sie sind miteinander blutsverwandt, und es wäre eine Schande, wenn du die Scham beider gleichzeigtig aufdecktest.

Auch darfst du nicht die Schwester deiner Frau gleichzeitig heiraten, damit nicht Feindschaft zwischen ihnen entsteht. Nicht zu Lebzeiten beider darfst du die Schwester deiner Frau heiraten.

Einer Frau, die ihre Tage hat, darfst du dich nicht nähern.

Auch darfst du dich nicht zu der Frau deines Nachbarn legen, um mit ihr zu schlafen.
Deine Kinder darfst du nicht hingeben, um sie dem Götzendienst preiszugeben (dem Moloch). Du würdest dadurch den Namen des Ewigen entweihen.

Du sollst nicht einen Umgang mit einem Mann pflegen, wie man sonst Umgang mit einer Frau pflegt, das wäre ein Gräuel.

Auch soll man nicht mit Tieren so umgehen, wie man zwischen Mann und Frau umgeht, das wäre ein Gräuel.

Alles das mag es bei den anderen Völkern geben, du hast dich davon fernzuhalten. Achte auf meine Gesetze. Und alle, die eine dieser Gräueltaten begehen, die sollen aus dem Volk ausgetilgt werden. Macht also nicht, was die Völker vor euch gemacht haben, denn ich bin der Ewige, euer Gott.“

Paraschat Noach mit Raschi

Die Arche

(6,9) Aber es lebte auf der Erde auch ein gerechter Mann. Der ließ sich nichts zu schulden kommen und lebte so, wie es sich G“tt vorgestellt hatte. Dieser Mann hieß Noach. Noach hatte eine Frau, und er hatte auch drei Söhne: Shem, Cham und Japhet. Da G“tt aber die Bosheit der Menschen rundum sah und wie sie, gar nicht nach seinem Sinn, lebten, sagte er zu Noach:

Gerechter Mann: [Die Rabbinen sind sich uneins darüber, wie sie Noach einschätzen sollen: gerecht oder doch nicht so gerecht. Deshalb greift Raschi auf mehrere Traditionen zurück:] Manche sagen, dass Noach noch gerechter gewesen wäre, hätte er in einer Zeit gelebt, in der es gerechter zugegangen wäre. Andere sagen aber: Für seine Zeit mag er gerecht gewesen sein, aber im Verhältnis zu Avraham war er nicht sonderlich gerecht.

Wie es sich G“tt: [Im Hebräischen heißt es eigentlich: er wandelte mit G“tt. Daraus schließt Raschi:] Hier heißt es: „Mit G“tt“, bei Avraham heißt es: „Vor G“tt“. Das bedeutet, dass Noach der Stütze durch G“tt bedurfte, um aufrecht zu gehen, während Avraham so gerecht war, dass er alleine diesen Weg gehen konnte. [Deshalb konnte Avraham auch mit G“tt rechten, das tat Noach nicht]

Aller Lebewesen: Selbst die Tiere vermischten sich mit anderen Arten [auch hier kommt wieder zum Ausdruck, dass es gegen die Ausdifferenzierung der Schöpfung ging, indem sich selbst die Tiere vermischten].

„Ich habe beschlossen, alle Lebewesen auszulöschen, denn sie sind so böse zueinander, dass ichs nicht ertragen kann. Du aber, der du gerecht lebst, du sollst dir ein großes Schiff, eine Arche (Tevah), aus Holz bauen.

Ein Ende zu bereiten: Überall, wo moralischer Verfall und Götzendienst auftritt, ist der Tod nicht weit und tötet Gute wie Böse. [Mit dieser Bemerkung stellt sich Raschi gegen die häufige Wendung, dass wer böse ist, bestraft wird, wer gut ist, seinen Lohn erhält. Hier wird der Tod eher als eine faktische Größe beschrieben. Wenn die Schöpfung sich selbst vermischt und alles durcheinanderbringt, dann ist die natürliche Konsequenz daraus der Tod bzw. der Untergang.]

Sollst dir eine Arche: Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, Noach und seine Familie zu retten. Weshalb will der Ewige ausgerechnet, dass Noach eine Arche baut? Weil der Bau der Arche viele Jahre in Anspruch nahm, nämlich 120 Jahre. In dieser Zeit hatten die Leute genügend Gelegenheit, Noach zu fragen, was er da mache. Und dann hätte Noach sagen können, dass eine Flut kommen wird, um alles Leben zu vernichten. Und dann hätten die Leute sich bessern können angesichts einer solchen Drohung.

Teile die Arche innen in verschiedene Kammern auf und bestreiche sie innen und außen mit Teer, damit sie wasserdicht ist.

Innen und außen: Bei Mosches Körbchen reichte Teer von außen, weil der Nil kein reißendes Wasser war. Anders hier. [Raschi verweist bereits hier auf die Parallelität zwischen Arche und dem Körbchen Mosches].

Über hundertfünfzig Meter lang soll sie sein, über zwanzig Meter breit und fünfzehn Meter hoch. Mach ein schräges Dach darüber, und auf der Seite bring ein Fenster an. Innen sollst du drei Stockwerke einziehen, damit du viel Platz darin hast. Denn ich will eine riesige Wasserflut über die Erde bringen, damit alle Lebewesen, die auf der Erde leben, ertrinken.

Fenster: Manche Überlieferung meint, dass nicht ein Fenster gemeint sei, sondern ein Edelstein, der Licht spendete.

Drei Stockwerke: Das obere Stockwerk für die Menschen, das mittlere für die Tiere und das untere für den Abfall.

Riesige Wasserflut: Sie löst alles auf, verwischt alles und trägt von der Höhe in die Tiefe [Dahinter steckt ein hebräisches Wortspiel, denn das Wort für Wasserflut ist Mabul, für auflösen: bale, für verwischen: bilbul, und für tragen: hovil. Das ist eine durchaus übliche Methode, um einen Satz, ein Wort auszulegen: man schaut, was ein Wort in seinen unterschiedlichen Modifikationen an Bedeutungen enthält].

Alles auf Erden soll ein Ende finden. Nur mit dir möchte ich mich ganz besonders verbünden und dir Leben geben. Deshalb sollst du in die Arche gehen, wenn du sie fertiggestellt hast, du, deine Frau, deine Söhne und auch die Frauen deiner Söhne, deine ganze Familie.

verbünden: Eine Berit, ein Bund, war nötig, damit die Lebensmittel in der Arche nicht verdarben und damit die Bösen Noach nicht ermordeten. [Raschi macht damit einen Unterschied zwischen dem hier erwähnten Bund und dem späteren Bund mit dem Regenbogen, weil vom Text her dieser Bund in der Tat vor der Flut gegeben wird.]

Du, deine Söhne: Weil die Männer extra erwähnt werden und die Frauen, ist daraus zu schließen, dass ihnen der Geschlechtsverkehr in der Arche verboten war. [An späterer Stelle sagt Raschi, dass ihnen der Geschlechtsverkehr deshalb verboten war, weil sich die Welt während der Flut quält, weshalb sich die Menschen in der Arche nicht der Lust hingeben dürfen].

Und von allen Tieren sollst du je ein Paar in die Arche bringen, damit die ganzen Arten der Tiere erhalten bleiben, je ein Männchen und ein Weibchen sollst du in der Arche unterbringen. Also von allen Vögeln, die es auf Erden gibt, von allem Vieh und von allem Gewürm, das auf Erden kriecht, sollst du je ein Paar mit in die Arche nehmen, damit sie am Leben bleiben. Und du, Noach, vergiss nicht, Speise und etwas zu trinken mitzunehmen, damit du und die Tiere auch stets zu essen haben.“

Von allem Lebenden: Selbst von den Dämonen.

je ein Paar: [Wieder wird die Schöpfung auf das zurückgeführt, was von Anfang an der Tora so wichtig ist: jedes Lebewesen besteht aus mindestens zwei: männlich und weiblich. Die Tora wusste natürlich noch nichts von Tieren, die beide Geschlechter in sich selbst tragen (Zwitter). Damit erzählt die Flutgeschichte davon, wie die Schöpfung wieder zu ihrem eigentlichen Ausgangspunkt zurückgeführt wird.]

Nach ihrer Art: [Da dieser Ausdruck eigentlich unnötig ist, und auch bei den anderen Tieren nicht steht, muss Raschi daraus eine Erklärung ziehen, da in der Tora grundsätzlich nichts Unnötiges steht:] Nur die Vögel, die auch in ihrer Art geblieben sind und sich nicht mit anderen vermischt haben.

(7) Und Noach machte sich ans Werk, und er machte alles so, wie es ihm G“tt gesagt und geraten hatte, so machte er es.

Machte sich ans Werk: An die Erbauung der Arche.

Da sagte der Ewige zu Noach noch einmal: „Geh nun in die Arche, du und deine ganze Familie, denn du hast vor mir gerecht gehandelt und sollst nicht in den Wasserfluten umkommen.

Gerecht gehandelt: Es heißt nicht: vollkommen gerecht. Daraus lernen wir, dass man vor einem Menschen nicht dessen ganzen Vorzüge äußern soll, sondern nur einen Teil, während in Abwesenheit der entsprechenden Person soll man von den ganzen Vorzügen reden. [Auch diese Art der Auslegung ist nicht ungewöhnlich: man leitet aus einem Vers der Tora eine allgemeine Verhaltensregel ab].

Und dann nimm von allen reinen Tieren je sieben Stück mit in die Arche, und zwar männliche und weibliche Tiere. Und von den Tieren, die nicht rein sind, nimm nur zwei Stück mit, ein Männchen und ein Weibchen. Und auch von den (reinen) Vögeln des Himmels nimm je sieben Stück mit, männliche und weibliche.

Reine Tiere: Gemeint sind alle die Tiere, die später für Jisrael als rein gelten sollen. Daraus ist zu entnehmen, dass auch Noach Tora gelernt hat [sonst hätte er ja nicht gewusst, welches die reinen Tiere sind. Raschi stört sich  bei solchen Überlegungen nicht daran, dass es zeitlich eigentlich nicht sein kann, dass Noach Tora lernt, weil die ja erst nach traditioneller Vorstellung Mosche geschrieben hat. Raschi interessiert sich nämlich nicht für die zeitliche Zuordnung von Ereignissen, sondern für deren logische]

Sieben Stück: Von diesen Arten sollte Noach später, wenn er wieder auf trockenem Land ist, für G“tt opfern [daher waren mehr als zwei nötig, weil sonst die Art sich hätte nicht fortpflanzen können].

So können alle Tierarten auf der Erde gut überleben. Denn du musst wissen, dass ich es in sieben Tagen auf die Erde regnen lasse, einen Regen, den noch niemand gesehen hat: Vierzig Tage und vierzig Nächte wird es ohne Unterbrechung regnen. Und der Regen wird die Erde ganz und gar bedecken und alles auslöschen, was es auf Erden gibt.“

Und Noach machte alles ganz genau so, wie es der Ewige ihm gesagt hatte.

Noach war sechshundert Jahre alt, als der Regen auf die Erde stürzte und die Wasserflut hereinbrach. Da gingen Noach, seine Söhne, seine Frau und auch seine Schwiegertöchter mit ihm in die Arche hinein, um sich vor den Wasserfluten zu schützen. Und auch die Tiere und Vögel kamen alle selbst zur Arche und suchten darin ihren Platz.

zu schützen: Hieraus sieht man, dass auch Noach nicht voller Vertrauen war. Denn er ging erst in die Arche, als er sah, dass das Wasser der Sintflut kam. Also glaubte er bis zum Schluss nicht recht, ob die Sintflut wirklich kommt. [Diese Bemerkung ist für Raschi wieder wichtig, um Noach nicht ganz so gerecht erscheinen zu lassen wie Avraham.]

Die Flut

Und nach sieben Tagen kamen die Wasser der Flut auf die Erde gestürzt, im sechshundertsten Lebensjahr von Noach, im zweiten Monat, am siebzehnten Tag, an diesem Tag brachen alle Quellen der Tiefe auf, und der Himmel öffnete sich, und der Regen stürzte auf die Erde nieder, vierzig Tage und vierzig Nächte. Aber Noach, Shem, Cham und Japhet, und auch Noachs Frau und die Frauen seiner Söhne und die Tiere aller Arten, alles Gewürm und alle Vögel waren in der Arche und schützten sich vor den schweren Wassermassen.

der Regen: Hier heißt es: der Regen kam auf die Erde, später heißt es, die Flut kam auf die Erde. Das ist so zu erklären: Als G“tt den Regen fallen ließ, machte er es mit Erbarmen. Wenn die Menschen sich bessern würden, dann würde es Regen zum Segen sein, blieben sie schlecht, sollte es zur Flut anschwellen.

vierzig Tage: [Raschi stellt einige Berechnungen an, um genau anzugeben, wann die Flut zu Ende ging] Am 28. Kislew war die Flut zu Ende.

Und der Ewige schloss hinter ihnen die Tür der Arche zu. Und als die Flut für vierzig Tage anschwoll, da hob sich die Arche und sie schwamm über dem Wasser und stand hoch über der Erde. Denn das Wasser war so hoch gestiegen, dass die Erde und selbst die höchsten Berge von Wasser bedeckt waren.

Ewige schloss vor ihnen: Auch wenn es hierzu *Midraschim gibt, so ist der einfache Wortsinn: Der Ewige schloss die Tür wegen des Wassers. [Hier hält es Raschi nicht für nötig, einzelne Midraschim anzuführen, die diesen Ausdruck anders erklären als in seiner wörtlichen Bedeutung. Diese „Ablehnung“ der traditionellen Auslegung finden wir bei Raschi immer wieder.]

schwamm über dem Wasser: Selbstverständlich tauchte auch die Arche tief in das Wasser ein, wie eben Schiffe eintauchen.

Und weil das Wasser so hoch gestiegen war, kamen alle Tiere, die auf der Erde lebten, um; alle Vögel, alles Vieh, alles Wild und alles Gewürm, das auf der Erde so wimmelte, und auch alle Menschen, die auf Erden lebten.

alle Tiere: Aber nicht die Fische.

Alles, was Leben hatte, alles, was auf dem Trockenen lebte, alles das kam um. So löschte G“tt alles, was auf der Erde war, aus, vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln des Himmels. Sie wurden alle ausgelöscht. Allein Noach und alle, die in der Arche lebten, blieben übrig. Und das Wasser stieg und stieg, einhundertfünfzig Tage lang.

Allein Noach: Es gibt einen *Midrasch, der erzählt, dass Noach wegen der Arbeit und Mühe, die er mit den Tieren hatte, seufzte und sogar Blut ausspie. Denn Noach war allein.

(8) Dann endlich dachte G“tt an Noach und an alles Wild und an alle Haustiere, die in der Arche waren, und ließ einen Wind über die Erde brausen, damit die Wasser sich wieder zurückzogen und die Erde freigaben.

dachte G“tt: Hier wird der Name „G“tt“ verwendet, der Name des Rechtes. Denn nun soll durch das Gebet der Gerechten das Recht in Erbarmen gewendet werden. Am Anfang hieß es dagegen: der Ewige sah, dass die Bosheit der Menschen überhand nahm. Das ist der Name des Erbarmens. Und die Bosheit ist es, was das Erbarmen in Recht wendet. [Hier greift Raschi wieder auf die bekannten göttlichen Eigenschaften, die durch die Namen G“ttes ausgedrückt werden: „Elohim“ – „G“tt“ steht für Recht, „Adonaj“ – „Ewiger“ steht für Erbarmen.]

einen Wind: Das kann man auch verstehen als: einen Hauch der Tröstung und Vergebung.

Und die Quellen der Tiefe und auch der Himmel schlossen sich und der Regen hörte auf. Da verlor sich das Wasser allmählich, und nach einhundertfünfzig Tagen nahm es ab. Und im siebten Monat, am siebzehnten Tag, da setzte die Arche auf dem Gebirge Ararat auf. Und es dauerte noch eine ganze Weile, bis das Wasser weiter zurückging und die Spitzen der Berge zum Vorschein kamen.

Quellen der Tiefe: Hier steht nur: die Quellen der Tiefe. Als die Flut begann, hieß es: alle Quellen der Tiefe. Weshalb? Weil manche übrigbleiben müssen für Orte, an denen das Wasser aus den Tiefen kommt, z. B. aus den heißen Quellen in Tiberias.

einhundertfünfzig Tagen: [Wieder rechnet Raschi, um ein konkretes Datum für die Abnahme des Wassers zu erhalten] Am 1. Siwan nahm das Wasser ab.

im siebten Monat: Nicht Kalendermonat ist hier gemeint, sondern der siebte Monat nach Kislew, als die Flut zu Ende ging, das ist also der Siwan, wie gerade ausgerechnet.

am siebzehnten Tag: [Aus dieser Bemerkung errechnet Raschi, wie tief das Schiff ins Wasser eintauchte, indem er die Zeitspanne von Abnahme der Flut bis zum Sichtbarwerden der Spitze des Berges ins Verhältnis zur Tiefe des Wassers setzt] Daraus kannst du lernen, dass das Schiff elf Ellen ins Wasser eintauchte.

Erst nach vierzig Tagen öffnete Noach das Fenster der Arche, das er an der Seite eingelassen hatte, um einen Raben auszuschicken.

nach vierzig Tagen: Gerechnet vom Sichtbarwerden der Berge.

das Fenster: Das ist nicht der Eingang, sondern eine seitliche Öffnung, um Licht in die Arche zu lassen. [Raschi kann diese Erklärung ohne Schwierigkeiten machen, obwohl er zuvor schon einmal darauf hingewiesen hat, dass einige nicht „Fenster“ lesen, sondern „Diamant“. Es handelt sich ja um verschiedene Lesarten, die durchaus nebeneinander stehen bleiben können.]

Der flog eine Weile hin und her, bis die Erde vom Wasser trocken war. Danach schickte Noach eine Taube aus, um zu sehen, ob das Wasser vom Erdboden wirklich verschwunden war.

hin und her: Der Rabe führte seinen Auftrag nicht aus, weil er nur die Arche umkreiste. Aus einem *Midrasch lernen wir, dass er das wegen des Weibchens machte. Dessentwegen er argwöhnisch war. Ein anderer *Midrasch lehrt: Der Rabe war für einen anderen Auftrag bestimmt, nämlich dem Elijahu Brot zu bringen, als es nicht regnete (1Kön 17,6).

Doch die Taube fand noch keinen trockenen Ort auf der Erde und kehrte zur Arche zurück. Hierauf wartete Noach noch einmal sieben Tage und schickte die Taube abermals aus. Da endlich kam die Taube – es war gegen Abend – zur Arche zurück, und sie hatte ein kleines Blatt von einem Olivenbaum in ihrem Schnabel. Daran erkannte Noach, dass das Wasser auf der Erde zurückgegangen und die Erde endlich trocken war.

noch einmal sieben Tage: Also wartete er auch das erste Mal sieben Tage.

Daraufhin wartete Noach noch einmal sieben Tage, um die Taube ein weiteres Mal auszuschicken. Aber diesmal kam sie nicht wieder zurück. Am ersten Tag des ersten Monats nahm Noach die Decke der Arche ab, um nach draußen zu schauen. Da sah er, dass der Erdboden bereits trocken war.

des ersten Monats: Hier gibt es zwei Überlegungen, welcher Monat das war: R. Elieser sagte, es war der Tischrej, R. Jehoschua sagte, es war der Nissan [beide Monate können im jüdischen Kalender als erste Monate bezeichnet werden: der Nissan ist von der Zählung her der erste Monat, am ersten Tischrej ist Rosch ha-Schana, das Neujahrsfest].

Da sagte G“tt zu Noach: „Geh aus der Arche, du, deine Frau, deine Söhne und deine Schwiegertöchter. Alle Tiere, die mit dir in der Arche sind, nimm mit dir nach draußen, damit sie sich auf der Erde tummeln und fruchtbar sein und sich vermehren können.“ Da gingen Noach, seine Söhne, seine Frau und seine Schwiegertöchter am siebenundzwanzigsten Tag des zweiten Monats aus der Arche hinaus und mit ihnen alle Tiere, die in der Arche waren.

du und deine Frau: Nun erlaubte der Ewige den Geschlechtsverkehr wieder.

siebenundzwanzigster Tag des zweiten Monats: Der Regenfall hatte am 17. des zweiten Monats angefangen, die zehn Tage Unterschied kommen von dem Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr. Damit dauerte das Gericht über die Menschen ein ganzes Jahr.

Da baute Noach dem Ewigen einen Altar, nahm von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln eines und ließ die Tiere zum Ewigen auf dem Altar (in Rauch) aufsteigen. Und als der Ewige den Duft der Tiere roch, sprach der Ewige: „Es wird nie wieder passieren, dass ich den Erdboden wegen der Menschen verfluche. Der Mensch sinnt eben von Anfang an nach Bosheit, aber ich will nie wieder alles Leben töten, wie ich es soeben gemacht habe. Solange die Erde besteht, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht wieder aufhören.

von Anfang an: [Im Hebräischen eigentlich: von seiner Jugend an] Dieses Wort ist ohne Jod geschrieben, was bedeutet: sobald der Mensch den Mutterschoß verlässt, wird der böse Trieb in ihn gelegt.

Solange die Erde besteht: wird sie nicht aufhören. Das zeigt sich auch daran, dass die sechs Jahreszeiten (Saat, Ernte, Frost, Hitze, Sommer, Winter) in der Mitte eines Monats beginnen und in der Mitte eines Monats enden: Saat: Hälfte des Tischrej, Cheschwan, Hälfte des Kislew usw.

Tag und Nacht: Der *Midrasch sagt: damit gab es während der Flut keine Unterscheidung zwischen Tag und Nacht.

Der Regenbogen als Zeichen

(9) Nach all diesen Ereignissen segnete G“tt Noach und seine Söhne und sagte ihnen: „Seid nun fruchtbar, bringt Kinder zur Welt und bewohnt die ganze Erde. So werden die Tiere der Erde und die Vögel des Himmels vor euch erschaudern, denn über sie werdet ihr regieren, überall auf der Erde. Alles, was sich regt und lebendig ist, das soll euch zum Essen dienen. So, wie ich euch schon das Grünzeug zu essen gegeben habe, so gebe ich euch nun auch die Tiere zum Essen.

vor euch erschaudern: Nach dem *Midrasch bedeutet es: Leben. Denn ein Kind, das frisch geboren ist, muss man vor Mäusen nicht mehr schützen. Aber der König von Baschan, Og, muss man bewachen, sobald er verstorben ist. [Das bedeutet, dass es das Leben des Menschen selbst ist, das die Tiere vor dem Menschen zurückhält, während der tote Körper befallen werden kann von Tieren].

Zum Essen dienen: Den ersten Menschen wurde das Fleisch noch nicht zum Essen gegeben, während Noach auch das Fleisch zur Nahrung dienen soll.

Nur auf eines sollt ihr dabei achten: lebendiges Fleisch sollt ihr nicht essen, nicht einmal Fleisch, in dem noch Blut ist. Aber bei euch gilt: Ich verlange euer Blut des Lebens, wenn ihr euer Blut vergießt. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden. Denn der Mensch ist G“tt ähnlich geschaffen worden. Nun aber gilt: Seid fruchtbar, bekommt Kinder über und über.“

Lebendiges Fleisch: Das bedeutet also: sie dürfen kein Fleisch essen, in dem noch Leben ist, und auch das Blut selbst, das vom Lebenden kommt, dürfen sie nicht essen.

Ich verlange: Wenn keine Zeugen da sind, die den Mörder vor Gericht zerren könnten, wird der Ewige selbst Sühne fordern. Denn jeder Totschlag, und sei er aus Versehen, bedarf der Sühne, der Wiedergutmachung.

euer Blut vergießt: Obwohl der Heilige, gepriesen sei er, die Tötung der Tiere erlaubt hat (zum Zwecke der Nahrung!), ist das Töten des eigenen Lebens dem Menschen verboten. Es geht hier aber nicht um Blutvergießen im wörtlichen Sinn, denn auch derjenige, der sich erhängt (wo also kein Blut fließt), handelt gegen das vom Ewigen verhängte Verbot. [Raschi versteht das Hebräische wörtlich und bezieht es auf den Selbstmord].

durch Menschen: Wenn Zeugen da sind, sollen die Menschen selbst die Strafe vollziehen. [Schon hier geht es nach Raschi also nicht um Rache, sondern um die Frage, wer die Strafe vollziehen soll. Und auch der Strafvollzug unterliegt rechtlichen Grundvoraussetzungen: nämlich Zeugen.]

Seid fruchtbar: Das erste Mal (an Adam gerichtet) war es ein Segen, nun ist es ein Befehl, der ausgeführt werden muss. Der Midrasch sagt dazu: Weil dieses Gebot, fruchtbar zu sein, unmittelbar nach dem Verbot des Blutvergießens kommt, ist jemand, der sich weigert zu heiraten, wie jemand, der Blut vergießt.

Und G“tt sprach weiter zu Noach und zu dessen Söhnen: „Ich möchte nun mit euch und euren Nachkommen ein besonderes Versprechen geben (berit), euch und allen Lebewesen, die mit euch in der Arche waren. Ich will euch das Versprechen (berit) geben, dass die Lebewesen nicht mehr durch solch eine Wasserflut ausgelöscht werden sollen, keine Flut soll mehr über die Erde strömen, um alles zu vernichten.“

Ich möchte: Noach hatte das Gebot des Kindersegens nun gehört, doch war er besorgt darum, da er sich ja nicht sicher sein konnte, ob der Ewige die Welt nicht noch einmal zerstört. Und dann wäre der Kindersegen ja sinnlos geworden. Deshalb fügt der Ewige sofort sein Versprechen an, die Welt nie wieder zu zerstören.

Und weiter sagte G“tt: „Und als Zeichen für dieses Versprechen, das ich euch und allen Lebewesen für alle Zeiten gebe, ist mein Bogen, den ich in die Wolken stelle. Immer, wenn ihr dicke Wolken am Himmel ziehen seht, werdet ihr den Regenbogen am Himmel sehen.

wenn ich dicke Wolken: Immer, wenn ich vorhabe, die Welt mit Verderben zu überziehen. [Diese Einschränkung macht Raschi, weil er weiß, dass ein Regenbogen nicht immer entsteht, wenn Wolken am Himmel zu sehen sind].

Dann denke ich an mein Versprechen zwischen mir und euch und allen Lebewesen und dass der Regen sich nicht mehr zur Flut zusammenströmt, um alle Geschöpfe zu verderben. Wenn der Regenbogen in den Wolken erscheint, dann will auch ich ihn sehen, um mich stets daran zu erinnern, welches Versprechen G“tt euch gegeben hat.“ Und G“tt sagte zum Schluss: „Das ist das Zeichen meines Versprechens, das ich zwischen mir und allen Wesen auf der Erde gegeben habe.

G“tt euch gegeben: Eigentlich müsste es heißen: „ich euch gegeben habe.“ Deshalb ist es so zu verstehen, dass wenn die Gerechtigkeit kommt, um euch anzuklagen, dann schaue ich auf den Bogen und denke an das Versprechen.

Die Geschichte Noachs nach der Flut

Die Söhne Noachs, die aus der Arche kamen, waren also Schem, Cham und Japhet. Diese waren die Söhne Noachs, und von ihnen stammten alle Bewohner der Erde ab. Noach wurde ein Ackermann und er begann, einen Weinberg zu pflanzen.

er begann: [Dieses Wort ist nach Raschi eigentlich überflüssig, deshalb greift Raschi auf eine andere Bedeutung der Wurzel des Wortes zurück:] Noach entheiligte sich, indem er mit einer falschen Pflanzung begann. Er hätte etwas anderes als Wein pflanzen sollen, was nicht derartige Auswirkungen gehabt hätte.

einen Weinberg: Nach dem Midrasch hatte Noach neben Reben auch Feigen mit in die Arche genommen.

Und es geschah auch einmal, da trank Noach vom Wein, und er trank ein wenig zu viel, so dass er davon betrunken wurde. Und weil er betrunken war, ging er in sein Zelt und legte sich ganz nackt hin, was damals nicht Sitte war. Da sah Cham, der den Landstrich Kenaan begründet hatte, die Scham seines Vaters und rannte sofort hinaus, um es seinen Brüdern zu erzählen.

die Scham seines Vaters: Manche meinen, dass Cham seinen Vater verstümmelt hätte. Wieder andere meinen, dass er ihn missbrauchte.

Da nahmen Shem und Japhet schnell das Gewand ihres Vaters, legten es sich selbst auf die Schultern, gingen rückwärts hinein ins Zelt, so dass sie die Scham ihres Vaters nicht sehen konnten, und bedeckten ihn mit seinem Gewand. Als Noach aber seinen Rausch ausgeschlafen hatte und wieder nüchtern war, hörte er, dass Cham ihn nackt gesehen habe. Da schrie er ihn an: „Verflucht soll Kenaan, dein Land, sein. Es soll der Knecht der Knechte sein.“ Und weiter sagte er: „Gelobt sei der Ewige, der G“tt von Shem, aber Kenaan sei ihm nur ein Knecht. Aber G“tt möge Japhet ausbreiten und ihn wohnen lassen in den Häusern von Shem, aber Kenaan sei ihnen nur ein Knecht.“

Verflucht soll Kenaan: Er hat ihn deshalb verflucht, weil Cham seinen Vater verstümmelt hatte, damit dieser nicht noch einen vierten Sohn zeugen kann.

G“tt von Schem: Die Nachkommen von Schem werden einmal das Land Kenaan beerben, und die Kenaaniter werden diesen dienen müssen.

Und Noach lebte nach der Flut noch 350 Jahre. Und alle Lebensjahre von Noach waren 950. Und dann starb Noach.

(10) Und Shem, Cham und Japhet bekamen Kinder über Kinder. Und auch diese bekamen wieder Kinder und so immer fort. Und die Menschen wurden so auf der Erde immer mehr und immer zahlreicher.

Der Turmbau

(11) Obwohl die Menschen schon viele geworden waren, so hatten sie alle aber doch nur eine einzige Sprache und einerlei Worte, und sie konnten einander verstehen.

eine einzige Sprache: Nämlich die heilige Sprache, Hebräisch.

einerlei Worte: [Da auch diese Bemerkung überflüssig wäre, wenn damit nur wieder die gemeinsame Sprache gemeint wäre, muss damit etwas anderes gemeint sein. Und Raschi fügt einige Erklärungen an:] Die Menschen hatten einen gemeinsamen Plan: G“tt hat nicht das Recht, den Himmel für sich allein zu nehmen, wir wollen hochsteigen, um mit ihm Krieg zu führen.

Als sie nun weiter östlich zogen, fanden sie eine große Ebene im Land Schinear. Und dort ließen sie sich nieder. Dann sagten sie zueinander: „Kommt, wir wollen Ziegel formen und sie brennen.

Ziegel: Weil es eine Ebene war, gab es keine Steine. Deshalb mussten sie Ziegel brennen.

sie brennen: So werden Ziegel, die man auch Backsteine nennt, hergestellt. Sie werden in einem Brennofen gebrannt.

Wir wollen eine Stadt bauen, und inmitten der Stadt einen Turm, einen Turm, so hoch, dass er mit seiner Spitze in den Himmel hineinragt. Damit können wir uns einen großen Namen machen und wir brauchen uns nicht über die ganze Erde zu zerstreuen.“

zu zerstreuen: Damit G“tt keine Plage schicken kann, um uns von hier wegzubringen in alle Gegenden.

Als der Ewige das sah, stieg er herab, um sich die Stadt und den Turm genauer anzusehen, die die Menschen da bauten. Da sagte er zu sich: „Jetzt sind sie ein einziges Volk mit einer einzigen Sprache. Und das, was sie hier machen, ist nur der Anfang ihres Tuns.

genauer anzusehen: Der Ewige hatte es natürlich nicht nötig nachzusehen, was die Menschen da machten. Aber er wollte den Richtern aufzeigen, dass man nicht ein Urteil fällt, ohne dass man sich vorher den Fall genau angesehen hat.

ist nur der Anfang: Obwohl die Menschen den Vorteil hatten, dass sie ein Volk waren und in Harmonie miteinander lebten, begannen sie dennoch mit dieser Sache.

Wenn sie so weiter machen, wird ihnen dann nichts mehr missglücken, was immer sie sich ausdenken? Lasst uns also herabsteigen und ihre Sprache verwirren, so dass der eine die Sprache des andern nicht mehr verstehen kann.“ Da zerstreute der Ewige von dort aus die Menschen über die ganze Erde, und sie hörten auf, ihre Stadt weiterzubauen.

Lasst uns herabsteigen: Mit großer Herablassung beriet sich der Ewige mit seinem Gerichtshof. Andere Erklärung: Maß für Maß. So wie die Menschen sagten: Auf, lasst uns bauen, so entspricht auch der Ewige, indem er sagt: Auf, lasst uns herabsteigen.

nicht mehr verstehen: Der eine sagte zum andern: Gib mir einen Ziegel. Der verstand aber Lehm. Und so gerieten sie in Streit und schlugen sich die Schädel ein.

zerstreute der Ewige: Das, was sie befürchtet hatten, dass sie nämlich zerstreut würden, das ging nun in Erfüllung, so wie es in Spr 10,24 heißt: „Was der Böse fürchtet, das wird ihn ereilen, was der Gerechte ersehnt, ihm zuteil.“

zerstreute der Ewige: Welche Sünde wiegt nun schwerer: die des Geschlechts der Sintflut oder die des Geschlechts des Turmbaus? Denn das Geschlecht der Sintflut streckte die Hand nur gegen sich selbst aus und nicht gegen G“tt, während das Geschlecht des Turmbaus gegen G“tt kämpfen wollte. Aber jene kamen um, während diese am Leben blieben. Aber es ist so, dass das Geschlecht der Sintflut aus Räubern bestand, die nur in Streit untereinander lagen. Dagegen war das Geschlecht des Turmbaus untereinander in Einigkeit verbunden. Daraus kann man lernen, dass es bei G“tt viel zählt, wenn man untereinander Frieden hat.

Darum hat man die Stadt, die die Menschen dort bauen wollten, Bavel genannt, weil der Ewige dort die Sprache der Menschen verwirrt und die Menschen über die ganze Erde zerstreut hatte.

Von Noach zu Avram

Noach hatte drei Söhne: Shem, Cham und Japhet. Shem hatte wieder Söhne und Töchter, sein erster Sohn hieß Arpachschad. Dieser hatte wieder Söhne und Töchter, sein Erstgeborener hieß Schelach. Schelachs Erster hieß Ever. Ever selbst wiederum hatte auch viele Kinder, sein Erster hieß aber Peleg. Auch Peleg hatte Kinder, von denen der erste Re´u hieß. Re´us Erster hieß Serug, Serugs Erster Nachor. Und Nachor wurde, neben vielen anderen Kindern, Terach geboren. Terach aber war der Vater von Avram, Nachor und Haran.

Haran hatte auch einen Sohn, der hieß Lot. Haran starb noch zu Lebzeiten seines Vaters Terach in dem Land, in dem er geboren worden war, also in Ur-Kadischim. Auch Avram und Nachor heirateten Frauen. Avrams Frau hieß Sarai, und Nachors Frau hieß Milka. Aber Sarai war unfruchtbar und konnte keine Kinder bekommen. Terach nahm seinen Sohn Avram und Lot, seinen Enkel (den Sohn Harans) und seine Schwiegertochter Sarai mit sich, und zusammen verließen sie Ur-Kadischim, wo sie bis dahin gelebt hatten, um in das Land Kanaan zu wandern. Aber sie kamen nur bis Charan, und dort blieben sie, bis Terach hochbetagt starb.

Fragen zu Paraschat Mischpatim

A) Einfache Fragen

Wann wird ein Mensch, der einen anderen umgebracht hat, zur Strafe nicht getötet?

Wie wird jemand bestraft, der einen anderen verprügelt hat, so dass der eine ganze Zeit lang nicht aus dem Bett kann?

Wie wird ein Dieb bestraft?

Wie werden die „Fremden“ geschützt?

Weshalb werden „Witwen“ und „Waisen“ besonders geschützt?

Wie wird der „Arme“ durch die Vorschriften geschützt?

Wonach soll sich ein Richter halten, wenn er über einen Menschen richten muss?

Was ist das Schabbatjahr?

Was ist an Schabbat zu beachten (nur das, was in dieser Parascha dazu geschrieben ist!)

Welche Feste werden in dieser Parascha behandelt?

Welche Vorschriften werden in dieser Parascha erwähnt, die speziell dafür gelten, wenn die Jisraeliten in das Land einziehen?

Was sollte Mosche in ein „Buch“ schreiben?

Wie lange bleibt Mosche oben auf dem Berg Sinai?
B) Fragen für Fortgeschrittene

Weshalb wird ein jisraelitischer Knecht nach sieben Jahren entlassen, während ein nichtjisraelitischer Knecht auf Dauer seinen Dienst tun muss?

Weshalb wird der Fall „seine Eltern mächtig schlagen“ so scharf bestraft wie ein Mord, nämlich mit dem Tod?

Was bedeutet „Auge für Auge“?

Weshalb darf mein kein Fleisch von einem gerissenen Tier essen?

Was bedeutet die Vorschrift, dass man das Jungtier nicht in der Milch seiner Mutter kochen darf, heute noch?

Was ist für die Vorschriften besonders wichtig, die sich mit Körperverletzung, mit Schädigung insgesamt, befassen?

Fragen zu Paraschat Waera

A) Einfachere Fragen

Weshalb hört das Volk nicht auf Mosche, als er ihnen von der Befreiung aus Ägypten redete?

Wer soll dem Mosche helfen, bei Pharao um die Befreiung zu bitten?

Ließ sich der Pharao von der Verwandlung des Stabes in eine Schlange beeindrucken? Weshalb oder weshalb nicht?

In dieser Parascha werden die ersten sieben Plagen erzählt. Welche sind es?

Der Pharao lässt manchmal auch die Zauberer antreten, um die Wunder, die Mosche und Aharon vollbringen, nachmachen zu lassen. Welche Plagen können die Zauberer nachmachen, bei welcher Plage versagen die Zauberer?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Bei manchen Plagen steht, dass G“tt einen Unterschied zwischen Ägypten und Jisrael machen möchte, oder, noch deutlicher, beide Völker trennen möchte. Weshalb wird das so betont? Bei welcher (etwas späteren) Geschichte wird diese Trennung ganz deutlich?
In welchem Buch des Judentums werden die zehn Plagen ebenfalls ganz ausführlich behandelt?

Am Anfang der Parascha steht, dass Avraham, Jizchaq und Jaaqov der Namen „Ewiger“ noch nicht bekannt war. Weshalb wird dieser Name erst jetzt dem Volk Jisrael bekannt gemacht?

Weshalb schlägt nicht Mosche mit dem Stab auf den Nil, um ihn zu Blut werden zu lassen, sondern Aharon (Raschi gibt dafür eine Antwort und denkt dabei an die frühe Kindheit von Mosche!!)